Der Kaiser von Atlantis: Lübecker Erstaufführung
Lübeck - Innenstadt: Schon die Uraufführung von Victor Ullmanns Kammeroper „Der Kaiser von Atlantis“ ließ 31 Jahre auf sich warten und war 1975 in Amsterdam. Seitdem wurde sie häufig gespielt, aber niemals in Lübeck. Es ist das Verdienst der rührigen Taschenoper Lübeck, dass dieses Versäumnis nun endlich behoben wurde!„Der Kaiser von Atlantis“ von Viktor Ullmann und Peter Kien entstand 1943/44 im KZ Theresienstadt. Es kam nur bis zur Generalprobe, dann wurde die Oper verboten und fast alle Mitwirkenden wurden mit dem "Künstlertransport" nach Auschwitz gebracht und dort ermordet.
Das Ensemble der Taschenoper Lübeck bringt die poetische Auseinandersetzung mit Tod, Tyrannei und Hoffnung mit viel Schwung, professionellen Sängern und Orchester, sowie einem jugendlichen Bewegungschor auf die Bühne: Harlekin (Rui dos Santos) als das Leben und der Tod (Volodymyr Milushkin) beklagen, dass die Menschen sie nicht mehr achten. Der tyrannische Kaiser (Hagen-Goar Bornmann) ruft mithilfe der Trommlerin (Anna Schors) den Krieg aller gegen alle aus.
Als Konsequenz verweigert der Tod seinen Dienst, kein Mensch kann mehr sterben. Das gepeinigte Volk (dargestellt von Schülern der Baltic-Schule, 10. Jahrgang) steht dagegen auf, Soldat (auch hier Rui dos Santos) und Mädchen (Natalie Helgert) verweigern den Dienst, weil sie die Liebe kennenlernen. Der Kaiser gibt auf und geht mit dem Tod, der Kreislauf von Leben und Tod kommt wieder in seinen natürlichen Lauf.
Eine poetische Allegorie, die mit dem Hintergrund der Entstehungsgeschichte der Oper natürlich eine besondere Schwere gewinnt. Trotzdem ist der „Kaiser von Atlantis“ viel mehr als nur eine Oper aus dem KZ. Der Taschenoper gelingt es, den Witz der Komposition und den hintergründigen Humor des Textes herauszuarbeiten. Viktor Ullmann zitiert Deutschlandlied, Choral und Schlafliedchen und setzt sie in überraschende Kontexte. Jazz, Barock, Romantik – alles ist dabei und leichthändig verarbeitet. Dazu kommen die hochpoetischen Texte, die viel Raum zum Nachdenken und, ja, zum Schmunzeln lassen. Schade nur, dass die schwierigen Gesangspartien ein komplettes Verstehen manchmal doch verhindern.
Einfühlsame Regie (Jakob Sascha Mink), sparsames, effektives Bühnenbild (Christin Botzenhard), prachtvolle Kostüme (Katia Diegmann), tolle Sänger, engagierte Jugendliche, ein sehr gut eingespieltes Orchester und ein gelungenes Arrangement (Julian Metzger) lassen das Stück zu einem echten Erlebnis werden.
Weitere Vorstellungen im Theaterhaus der Gemeinnützigen, Königstraße 17:
Freitag, 21. November, 20 Uhr, mit einer Einführung um 19.30 Uhr
Samstag, 22. November, 20 Uhr, mit einer Einführung um 19.30 Uhr
Sonntag, 23. November, 18 Uhr, mit einer Einführung um 17.30 Uhr

Die Taschenoper Lübeck zeigt das Stück noch bis Sonntag im Theaterhaus der Gemeinnützigen. Foto: Olaf Malzahn
Text-Nummer: 176311 Autor: Leonore Maus vom 19.11.2025 um 16.14 Uhr
