TÜV-Report: Mehr Fahrzeuge mit erheblichen Mängeln in Lübeck
Lübeck: Archiv: Die Zahl der Fahrzeuge ohne Mängel ist bei den von TÜV NORD im vergangenen Jahr an der Station Lübeck durchgeführten Hauptuntersuchungen (HU) leicht gesunken. Knapp mehr als die Hälfte der geprüften Fahrzeuge wiesen erhebliche Mängel auf. Sie mussten zur Nachprüfung. Das zunehmende Durchschnittsalter des Autobestands hätte direkte Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit, so der TÜV in einer Mitteilung. Der Anteil der Fahrzeuge mit erheblichen Mängeln nehme mit jedem Jahr deutlich zu.
50,2 Prozent der geprüften Fahrzeuge wiesen erhebliche Mängel auf und mussten zur Nachprüfung. Seit Mai 2018 existiert neben den bekannten Kategorien „ohne Mängel“, „geringe Mängel“, „erhebliche Mängel“ und „verkehrsunsicher“ auch die fünfte Kategorie „gefährliche Mängel“. Diese wird statistisch den „erheblichen Mängeln“ zugerechnet. Ein „gefährlicher Mangel“ liegt vor, wenn ein Defekt eine unmittelbare Verkehrsgefährdung oder eine erhebliche Umweltbeeinträchtigung darstellt – etwa, wenn an einem Fahrzeug alle Bremslichter ausgefallen sind. Die Grundlage für den TÜV-Report 2026 bildet die Auswertung aller Hauptuntersuchungen, die zwischen Juni 2024 und Juni 2025 an mehr als 250 TÜV NORD-Stationen und in über 10.000 TÜV NORD-Partnerwerkstätten durchgeführt wurden.
Alter des Fahrzeugbestands wirkt sich auf Mängelquote aus
Ein deutlicher Trend im diesjährigen TÜV-Report: Mit zunehmendem Alter steigt die Mängelhäufigkeit merklich an. Fahrzeuge, die zehn Jahre oder älter sind, zeigen überdurchschnittlich oft sicherheitsrelevante Defekte – insbesondere an Bremsen, Achsaufhängung und Beleuchtung. Bei den an den TÜV NORD Stationen vorgestellten Fahrzeugen betrug das Durchschnittsalter 10,8 Jahre.
Das zunehmende Durchschnittsalter des Auto-Bestands hat direkte Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit. So nimmt der Anteil der Fahrzeuge mit erheblichen Mängeln mit jedem weiteren Jahr deutlich zu: Bei drei Jahre alten Autos liegt der Anteil bei rund 6 Prozent, bei zehn Jahre alten Fahrzeugen bereits bei 23 Prozent, bei über zwölf Jahre alten sogar bei rund 28 Prozent.
Hauptursachen sind Materialermüdung, verschlissene Bauteile und elektronische Alterung. Kunststoff- und Gummikomponenten verlieren ihre Elastizität, Leitungen und Steckverbindungen werden anfällig für Korrosion, Bremsleitungen können undicht werden, und in älteren Fahrzeugen treten vermehrt Fehlfunktionen bei ABS- und ESP-Systemen auf. Hinzu kommt eine sinkende Wartungsbereitschaft vieler Halter älterer Fahrzeuge: Regelmäßige Inspektionen werden aus Kostengründen häufiger verschoben, Ersatzteile sind teurer oder schwerer zu beschaffen. Dadurch steigt das Risiko plötzlicher Ausfälle – etwa durch defekte Beleuchtung, Bremsen oder Motorsteuerungen.
Die unabhängige und neutrale Hauptuntersuchung ist und bleibt ein zentraler Pfeiler der Verkehrssicherheit. Sie sorgt dafür, dass Fahrzeuge mit technischen Mängeln erkannt und in die Werkstätten zurückgeführt werden. Dieser Mechanismus trägt wesentlich dazu bei, dass Autofahrende regelmäßig in den guten technischen Zustand ihrer Fahrzeuge investieren – zum Schutz aller Verkehrsteilnehmer.
„Der Fahrzeugbestand wird zunehmend älter – regelmäßige Pflege und Wartung sind daher entscheidend, um die Verkehrssicherheit langfristig zu gewährleisten. Gerade bei älteren Fahrzeugen zeigt sich, wie wichtig ein verantwortungsvoller Umgang und rechtzeitige Reparaturen sind, um Pannen und Sicherheitsrisiken zu vermeiden“, betont Nico Kleefeldt, Leiter der TÜV NORD Station vor Ort.
Kleinwagen siegt, viele Elektroautos unter den Besten
In der Gesamtwertung überzeugt der Mazda 2 mit den geringsten Mängelquoten aller Altersklassen und belegt damit Platz eins im TÜV-Report 2026. Auf den weiteren Rängen folgt die B-Klasse von Mercedes-Benz und der VW T-Roc. Auffällig stark präsentieren sich in diesem Jahr Elektrofahrzeuge: Modelle wie der Mini Cooper SE, Fiat 500E und der BMW i3 gehören zu den Top 25 der zuverlässigsten Fahrzeuge. Schlusslicht der diesjährigen Auswertung ist das Tesla Model Y, das im Altersklassenvergleich die höchste Mängelquote aufweist.
Der TÜV-Report erscheint jährlich und ist einer der wichtigsten Ratgeber für Autofahrer und Gebrauchtwagenkäufer. Er ist das Ergebnis aller Hauptuntersuchungsergebnisse der TÜV-Unternehmen innerhalb eines Jahres und gibt einen Überblick über den Zustand der einzelnen Automodelle, über die Sicherheit der gesamten deutschen Fahrzeugflotte und über die Problemzonen der Autos. Das Heft gibt es an jeder TÜV NORD Station und im Zeitschriftenhandel für den Preis von 5,90 Euro. Weitere Informationen zum Report gibt es hier: www.tuev-nord.de.
Kommentare zu diesem Text (9):
Martin S.
schrieb am 20.11.2025 20.54 Uhr:
Mein 13 Jahre alter Golf 6 TDI kam kürzlich ohne Mängel durch die HU/AU.
Ein Hoch auf echte deutsche Wertarbeit!
Michael
schrieb am 20.11.2025 21.54 Uhr:
Wenn man bedenkt, was zwischenzeitlich als "schwerer Mangel" zählt, kommt mir das kalte Kot...!
Was früher lediglich im HU-Bericht Erwähnung fand, wird heute hochstilisiert und führt zum Durchfallen.
Defekte Kennzeichenbeleuchtung = Schwerer Mangel?
Lächerlich!!!
Früher Bagatelle, heute "schwerer Mangel".
Ist genauso wie Blutwerte: Wenn ich die Grenzwerte runtersetze, gibt es viel mehr "Kranke". Gut für die Pharmaindustrie.
Im Falle der "schweren Mängel": Gut für Teilelieferanten, Werkstätten, Prüforganisationen, Autohändler.
Der Autofahrer ist einfach nur der Dumme.
Horst Müller
schrieb am 20.11.2025 23.06 Uhr:
Sinnvoll wäre es, Fahrzeuge mit Mängeln direkt aus dem Verkehr zu ziehen. Niemand braucht solche fahrenden Todesfallen. Wäre für alle besser.
Autofreund
schrieb am 21.11.2025 0.23 Uhr:
Die schlimmste aller NGOs ist der TÜV...
Manfred Vandersee
schrieb am 21.11.2025 7.17 Uhr:
Die zunehmenden Mängel an TÜV-Prüfungen haben zwei Ursachen:
Zum einen wird die TÜV-Prüfung immer strenger (und teurer)
Zum anderen haben die produktiv Tätigen, die leider auf ein Auto angewiesen sind, durch zunehmende Steuern und Abgaben immer weniger Geld zur freien Verfügung, so dass Reparaturen und Instandhaltung der Fahrzeuge immer weiter hinausgezögert werden.
Christian Kuhlmey-Becker
schrieb am 21.11.2025 8.40 Uhr:
Moin Michael, eine ausgefallene Kennzeichenbeleuchtung ist technisch natürlich ein leichter Mangel, für die Verkehrssicherheit aber ein schwerer, da nunmal jedes Auto richtigerweise auch nachts identifizierbar sein muss. Übrigens sind die Autofahrer:innen die Dummen, die nicht auf die Verkehrssicherheit ihrer Fahrzeuge achten.
Hab Geburstag
schrieb am 21.11.2025 9.36 Uhr:
Und genau deswegen fahr ich garnicht mehr zu diesem Blödsinn hab schon 3 Jahre überzogen. UND ALLES GUT 🤷♂️
Horst Müller
schrieb am 21.11.2025 10.17 Uhr:
@Manfred Vandersee Woher kommt eigentlich diese Mär, dass Berufstätige ein Recht auf ein Auto hätten? Wem ein Auto zu teuer ist, der kann den ÖPNV nutzen, näher an die Arbeit ziehen oder sich eine andere Arbeit suchen. Die Allgemeinheit muss den Komfort des Einzelnen nicht tragen und Verkehrssicherheit für alle übersteigt die Bequemlichkeit (Faulheit?) des Einzelnen bei weitem. Und bevor die Frage kommt, ja, ich pendle mit dem ÖPNV, ist zu den Stoßzeiten schneller, bequemer und stressfreier.
Martin S.
schrieb am 21.11.2025 13.13 Uhr:
@Hab Geburstag
Dann beten Sie mal dass Sie in keinen Verkehrsunfall geraten, ich vermuter das kann sehr teuer werden, weil dann nämlich Ihre Haftpflicht nicht zahlen wird. Neben weiteren Säumnissgebühren.
@Horst
Ich ebenfalls, der RE8 nach HH ist super entspannt und schnell, wenn nicht gerade eine Weichenstörung ist und das gesamte Passagieraufkommen an einem Nachmittag mit 4 Bussen von Rahlstedt nach Bad Oldesloe kutschiert wird.