Neue alte Obstsorten am Skandinavienkai
Lübeck - Travemünde: Bei herrlichem Novemberwetter strahlten am Samstag sechs Aktive vom Hanse-Obst e. V., als zehn weitere Obstbäume am Skandinavienkai gepflanzt wurden. Der Verein hat seit 2013 insgesamt 81 Jungbäume im Ostseebad mit Anwohnern gesetzt. Kein anderer Lübecker Stadtteil ist in puncto alter Obstsorten so aktiv.
Die konzertierte Pflanzaktion war nach zweieinhalb Stunden erledigt. Neben Hanse-Obst waren die Pfadfinder Royal Rangers, das Lübecker Umwelthaus sowie im Hintergrund der Bereich Stadtgrün und Verkehr und die untere Naturschutzbehörde beteiligt. Finanziell gefördert wurde die Neuanpflanzung dieses Mal von der Engelbert und Hertha Albers-Stiftung. „Ohne das großzügige Engagement von Lübecker Stiftungen“, so Obstliebhaber und Pflanzanleiter Heinz Egleder, „wäre die Obst-Renaissance in der Hansestadt nicht möglich.“
In Travemünde gibt es eine besondere Tradition für Äpfel, Birnen und Kirschen: Alles hat mit dem Obstpionier Heinrich Behrens (geb. 1804, gest. 1874) am Kalvarienberg begonnen. Eine herausragende Persönlichkeit, die fünf Sprachen praktizierte. Zugleich war Behrens Gründer der ersten Travemünder Spielbank und „Erfinder“ des Travemünder Badebetriebs. Als Obstgärtner war er 1850 mit seinem „Sortenverzeichnis der Travemünder Baumschule“ einer der ersten Versandhändler Deutschlands. Behrens hat damals die ungeheure Zahl von 196 verschiedenen Apfelsorten angeboten.
Das milde Ostsee-Klima mit einer Prise Wind war und ist ideal für Obstbäume. Überall an der Trave-Mündung waren einst ausgedehnte Anpflanzungen. Die Hochstämme bis hin nach Teutendorf, Warnsdorf oder Hemmelsdorf wurden nach und nach gefällt. Die letzten Travemünder Obstwiesen fielen beim Bau der Supermärkte im Gneversdorfer Weg im vergangenen Jahrhundert der Rodung zum Opfer. Nun aber besinnt sich Travemünde seiner einstigen Obst-Liebe.
Die erfahrenen Pflanzer, in drei Zweierteams aufgeteilt, konnten nun am Skandinavienkai die zehn Bäume in Rekordzeit fachgerecht einbuddeln. Ein Motorbohrer, die schwere Pfahlramme und Spezialspaten halfen dabei. Dauerte die erste Pflanzaktion noch fünf Stunden, waren es 2024 für ebenfalls zehn Bäume noch vier Stunden. Nun stehen dort 30 hochstämmige Obstbäume als größerer Standort der Essbaren Stadt Lübeck. Das vorsichtige Ernten, dort am Europäischen Pilgerweg, ist für jeden erlaubt. Allerdings wird es wohl noch Jahre dauern, bis an der sandigen Hanglage nennenswerte Erträge einsetzen.
Lokale Obstanpflanzungen wie hier sind echte Klima- und Zukunftsbäume für Lübeck, betonen Hanse-Obst-Mitbegründer Egleder und sein Sohn Jan-Erik, gelernter Gärtner. Beide wohnten zwei Jahrzehnte in Travemünde und fühlen sich noch immer dem Stadtteil besonders verbunden. Jan-Erik Egleder hat extra Lübecker Apfel-Raritäten eigenhändig veredelt und nachvermehrt, damit sie an der Trave-Mündung weiterleben.

Sechs Freiwillige pflanzen am Skandinavienkai weitere Obstbäume. Fotos: Hanse Obst e. V.
Text-Nummer: 176371 Autor: Hanse Obst vom 22.11.2025 um 19.07 Uhr
