Hunde-Dilemma: Wenn Politiker die Vorlagen nicht lesen

Lübeck: Erstmals seit vielen Jahren durften Hunde im Oktober nicht an den Kurstrand, sondern erst seit November. Das sorgte für zahlreiche Diskussionen bis hin zu einer Petition mit tausenden Unterschriften (wir berichteten mehrfach). Die Nachricht, dass die CDU die Sache jetzt rückgängig machen möchte, ist mittlerweile zwei Wochen alt. Trotzdem reißen die Diskussionen nicht ab. Dabei hätte es gar nicht so weit kommen müssen. Wenn die Politiker die Vorlage ordentlich gelesen hätten.

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Hundeverbot ist Politikern „so durchgerutscht“
„Es ist uns tatsächlich durchgerutscht durch dieses Grillverbot, was wir unbedingt haben wollten“, gab Bürgerschaftsmitglied Jochen Mauritz (CDU) in der November-Sitzung des Travemünder Ortsrates zu. In der Vorlage stand neben dem Grillthema eben auch, dass der Oktober für Hunde gestrichen wird. „Und es ist ja nicht nur der Hundehalter, sondern es ist ja auch der Reiter, der jetzt darunterfällt“, so Mauritz im Ortsrat.

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„Es ist uns tatsächlich durchgerutscht“, erklärte Jochen Mauritz (CDU) im Ortsrat. Versprach aber, sich dafür einzusetzen, dass Hunde im Oktober wieder an den Strand dürfen.

CDU recherchiert: Im Oktober buddeln keine Kinder am Strand
Man hätte dann bei der städtischen Marketinggesellschaft LTM nachgefragt, wie denn die Gästestruktur im Oktober aussehe, erzählte Jochen Mauritz (CDU) im Ortsrat. Da sei dann als erstes von vielen Kindern die Rede gewesen, weil im Oktober viele Schulferien seien. „Und da ist es natürlich nicht schön, wenn ein Hund gegen die Burg pinkelt“, so Jochen Mauritz. „Das ist der Grundgedanke gewesen, so sind wir mal gestartet.“ Dann hätte man aber von den Hoteliers etwas anderes gehört und sei zu dem Schluss gekommen: „Mensch, vielleicht sind doch gar nicht mehr so viele Kinder am Strand, sondern vielleicht haben die Hundemenschen ja recht“, so Mauritz.

Travemünder Runde lobt die CDU
Als „löblich“ bezeichnete Michael Matthies von der „Travemünder“ jetzt den Entschluss der Travemünder CDU, die Sache rückgängig zu machen (Wir berichteten am 13.11.2025). Besonders „vor dem Hintergrund, dass die CDU die Strandsatzung selbst beschlossen hat“, so Matthies. „Das finde ich nett von der CDU, dass sie sowas machen.“ Er vertritt zudem die Auffassung, dass die Strandsatzung selbst bereits die Möglichkeit bietet, den Oktober wieder für Tiere freizugeben. „Da müssen wir nicht die Strandsatzung neu schreiben.“ Aus den Reihen der Hundelobby hieß es auf dem Treffen der „Travemünde Runde“, es müsse wohl eine Menge Gäste gegeben haben, die sich beschwert hätten. Die Änderung der Strandsatzung sei „nicht besonders klug“ gewesen und das sei jetzt auch bei der CDU und der Stadt angekommen.

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Auch auf der „Travemünder Runde“ war die Strandsatzung im November ein Thema.

Der Hundelobby sind keine Vorfälle bekannt
In der „Travemünder Runde“ kam das Thema auch auf vorgebliche Vorfälle mit Hundehaltern. „Das sind alles Behauptungen“, meinte dazu Andreas Schwarberg von der gut vernetzten Hundelobby. „Vom Ordnungsamt wissen wir, es gibt keine Vorfälle. Die Polizei kann es auch nicht bestätigen. Es ist nichts belegt.“ Auch in den WhatsApp-Gruppen der Hundehalter sei nichts bekannt.

So geht es weiter
Wie es weitergeht, hatte Jochen Mauritz (CDU) bereits im Ortsrat erläutert: Zunächst ist der Beschluss, den Oktober wieder für Hunde freizugeben, von der Travemünder CDU gefasst worden. Die müsse nun Mehrheiten dafür finden. „Wir müssen unsere Kooperationspartner auch mit überzeugen. Vielleicht ist die SPD ja auch dafür“, so Mauritz. „Und wenn das durchlaufen ist, könnten wir hoffentlich in der Januar-Sitzung beschließen, dass Herr Kirchhoff diesen Punkt wieder mit aufzunehmen hat.“ Nach Auskunft des Kurdirektors müsse dieser dann beim Land einen Antrag auf eine Genehmigung stellen, dass einen Monat früher mit Tieren an den Strand gegangen werden dürfe. „Es kommt ein Antrag im Wirtschaftsausschuss“, versprach Jochen Mauritz. Dem werde vermutlich zugestimmt. Dann gehe der Antrag in die Bürgerschaft, und wenn er dort eine Mehrheit finde, werde die Satzung wieder zurückgeändert. „Und wenn die Satzung geändert ist, dann muss sich ein Herr Kirchhoff daran halten, da kann er sich umdrehen und rumtanzen, wie er will, dann ist es so“, so Mauritz.

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Touristiker im Ortsrat
Im November waren Vertreter der Tourismusbranche weder im Ortsrat noch in der „Travemünder Runde“ dabei, sodass sie sich nicht äußern konnten. Für die Februar-Sitzung hat der Ortsrats-Vorsitzende Karsten Hübner als Gastredner nun Christian Martin Lukas (Lübeck und Travemünde Marketing GmbH) und Uwe Kirchhoff (Kurbetrieb Travemünde) angekündigt. Die beiden seien natürlich „immer herzlich eingeladen“, betonte der Ortsrats-Vorsitzende. „Natürlich auch getrennt voneinander. Aber anscheinend sind das siamesische Zwillinge“, scherzte er. „Man bekommt sie nur im Doppelpack.“

Im nächsten Jahr dürfen Hunde wieder im Oktober an den Strand. Sofern sich politische Mehrheiten dafür finden. Fotos: Helge Normann

Im nächsten Jahr dürfen Hunde wieder im Oktober an den Strand. Sofern sich politische Mehrheiten dafür finden. Fotos: Helge Normann


Text-Nummer: 176379   Autor: Helge Normann   vom 23.11.2025 um 20.03 Uhr

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