Kein Platz für Gewalt gegen Frauen
Lübeck: Mit dem Slogan „Kein Platz für Gewalt gegen Frauen“ bewegt das Bündnis „Lübeck wird Orange“ in diesen Tagen die Stadt und macht mit Aufklebern in der Farbe Orange und verschiedenen Öffentlichkeitsaktionen auf geschlechtsspezifische Gewalttaten gegen Frauen aufmerksam. Anlass für die Aktion ist der Internationale Gedenktag für die Abschaffung von Gewalt an Frauen, der jährlich am 25. November begangen wird. Die Aktionen finden vom 21.11.2025 bis 10.12.2025 statt.Dazu erklärt das Bündnis: („) Die Aktionen finden statt vom 21.11.2025 bis 10.12.2025, dem Tag der Menschenrechte, denn Frauenrechte sind Menschenrechte. Es werden Aufkleber für Schaufenster für Fußböden verteilt. Diese werden an diversen Orten wie dem UKSH, Familienzentren, teilnehmenden Geschäften, Beratungsstellen und weiteren öffentlichen Orten kleben.
Klares Zeichen gegen Gewalt an Frauen
Ziel der Aktion ist es, das Thema der geschlechtsspezifischen Gewalt vom gesellschaftlichen Rand in die Mitte zu befördern. Gewalt gegen Frauen und Mädchen, trans, inter und nichtbinäre Personen stellt auch weiterhin noch ein Tabuthema dar, das für viele Betroffene mit Angst und Scham besetzt ist. Die Aufkleber sollen für Sichtbarkeit sorgen und zeigen eine klare Haltung gegen Gewalt.
Das Bündnis engagiert sich seit Jahren konsequent gegen geschlechtsspezifische Gewalt und die sie bedingenden gesellschaftlichen Strukturen. Aktuell wurden aufgrund der angespannten Haushaltslage der Stadt drastische Kürzungen in Aussicht gestellt. „Dies steht im Widerspruch zum Lübecker Aktionsplan zur Umsetzung der Istanbul-Konvention“, sagt Dorothea Skupsch vom Frauenhaus Hartengrube. Deutschland hat sich mit der Ratifizierung der Istanbul-Konvention dazu verpflichtet, die Istanbul-Konvention umzusetzen. Das internationale Abkommen zur Bekämpfung geschlechtsspezifischer und familiärer Gewalt fordert umfassende rechtliche und politische Maßnahmen auf allen staatlichen Ebenen, auch auf kommunaler Ebene. Dazu gehöre auch, ausreichend finanzielle und personelle Mittel für Einrichtungen vorzuhalten, die Gewalt gegen Frauen aktiv bekämpfen, so das Bündnis „Lübeck wird Orange“.
„Wir fordern von der Politik: Verantwortungsübernahme und eine klare Haltung gegen geschlechtsspezifische Gewalt, die sich auch in finanziellen Ressourcen abbildet“, so Natalie Lessin, die KIK-Koordinatorin. Dass noch viel zu tun ist, verdeutlicht auch die polizeiliche Kriminalstatistik zur geschlechtsspezifischen Gewalt. Die Statistik verzeichnet für das Jahr 2023 938 versuchte und vollendete Tötungsdelikte an Frauen und Mädchen. In 360 Fällen kam es zu vollendeten Femiziden, also der Tötung einer Frau, weil sie eine Frau ist.
Besonders gefährdet werden Frauen durch ihren Partner oder Ex-Partner. Zugrunde liegt dem Phänomen eine ablehnende Haltung zu geschlechtsbezogener Gleichwertigkeit und Gleichberechtigung.
In Lübeck muss die Polizei im Durchschnitt 3-mal täglich ausrücken, um in Fällen von Partnerschaftsgewalt einzugreifen. Dieser hohe Wert - auch im schleswig-holsteinischen Vergleich - bedeutet allerdings nicht zwingend ein höheres Gewaltvorkommen, sondern vor allem eine höhere Anzeigenbereitschaft der Betroffenen. Die hohen Zahlen sind auch ein Beleg für eine gute Netzwerkarbeit gegen Gewalt an Frauen sowie kurze Wege und Vertrauen in die Lübecker Hilfestrukturen.
Frauenfacheinrichtungen und das KiK-Netzwerk gegen häusliche Gewalt engagieren sich seit Jahren konsequent gegen geschlechtsspezifische Gewalt und die sie bedingenden gesellschaftlichen Strukturen.(„)

Das Bündnis bezieht sich auf die „polizeiliche Kriminalstatistik zur geschlechtsspezifischen Gewalt“ für 2023, die zeige, dass noch viel zu tun sei. Foto: Archiv/HN
Text-Nummer: 176479 Autor: Bündnis/red. vom 27.11.2025 um 15.22 Uhr
