Grüne tief enttäuscht über Ablehnung der Straßenbahn

Lübeck: Die Lübecker Bürgerschaft hat in ihrer Sitzung am Donnerstag (27.11.2025) das Projekt Straßenbahn mehrheitlich abgelehnt. Dazu äußern sich auch die Grünen in einer Mitteilung: „Mit den Stimmen von CDU, SPD, FDP und AfD wurde die Planung einer Investition in ein zukunftsweisendes Verkehrsvorhaben gestoppt, das großes Potenzial für eine nachhaltige Mobilitätswende gehabt hätte.“

Wir veröffentlichen die Mitteilung der Grünen im Wortlaut:

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Dazu Arne-Matz Ramcke, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen Fraktion: „Wir sind tief enttäuscht über die Entscheidung der Bürgerschaft, das Projekt einer Straßenbahn in Lübeck vorerst nicht anzugehen. Mit der Mehrheit von CDU, SPD, FDP und AfD wurde die Planung einer Investition in ein zukunftsweisendes Verkehrsvorhaben gestoppt, das großes Potenzial für eine nachhaltige Mobilitätswende gehabt hätte. Wir akzeptieren die aktuellen politischen Mehrheiten hierzu, widersprechen aber in der Sache deutlich und halten an unserer Überzeugung fest: Eine Straßenbahn wäre ein entscheidender Hebel für eine echte Verkehrswende in Lübeck.

Die Stadt hat sich ambitionierte Ziele im Modal Split gesetzt und will den Anteil des Umweltverbundes – also Bus, Bahn, Fahrrad und Fußverkehr – deutlich steigern. Ohne ein leistungsfähiges schienengebundenes System wird dieses Ziel kaum erreichbar sein. Die Kosten-Wirksamkeits-Analyse zeigt, dass ein maximiertes Bussystem dafür weder wirtschaftlich noch personell realistisch ist, und der dringend notwendige Ausbau des Rad- und Fußverkehrs ohnehin schon an Umsetzungsgrenzen in der Verwaltung stößt.

Die Straßenbahn bietet gegenüber dem reinen Bussystem höhere Kapazitäten, geringere Betriebskosten, mehr Verlässlichkeit, gerade auf stark frequentierten Achsen, und bessere Barrierefreiheit. Sie würde den öffentlichen Nahverkehr deutlich stärken, Staus reduzieren und den innerstädtischen Verkehr insgesamt entlasten.

Natürlich sehen auch wir die derzeitige Haushaltslage der Stadt und die hohen Kosten eines solchen Projektes. Dies ist jedoch eine Momentaufnahme. Wie bei Projekten solcher Dimension üblich, hätten sich die Investitionen über Jahrzehnte verteilt. Zudem wären rund 90 Prozent der Kosten zuwendungsfähig gewesen. Die Straßenbahn schon heute als Alternative im Verkehrsentwicklungsplan auszuschließen, ist daher fatal.

Schlussendlich müssten Investitionen auch in Relation zu den Klimafolgekosten bei Nichterreichen der Klimaziele gestellt werden. Wenn wir also das große Ganze betrachten, sind diese Kosten eine Investition in die Zukunft – mit Blick auf Klimaschutz, Lebensqualität und Wirtschaftskraft der Stadt.”

Sophia-Marie Pott, Fraktionsmitglied der Grünen, ergänzt: „Als Grüne stehen wir weiter hinter der Straßenbahn – nicht nur als politisches Projekt, sondern als Zukunftsfrage. Die Stimmung in der Stadtgesellschaft war deutlich: Viele Lübecker, Initiativen und Engagierte setzen sich seit Jahren für eine echte Verkehrswende ein und mit dem Verein „Tram für Lübeck“ auch sehr explizit für eine Straßenbahn. Diese Stimmen einfach zu übergehen, ist ein fatales Signal.

Die Probleme verschwinden nicht, nur weil wir sie ignorieren: mehr Autos, mehr Stau, mehr Emissionen – und Klimaziele, die wir so nicht einhalten können. Im Haushaltsentwurf des Bürgermeisters wurden statt der von der Bürgerschaft beschlossenen 17,6 Millionen Euro nur rund 7 Millionen Euro für den Ausbau der Geh- und Radwege eingestellt. Verkehrswende sieht anders aus.

Die Straßenbahn war eine Antwort auf eine dringende Notwendigkeit – eine Herausforderung, die nicht einfach verschwunden ist. Mit dem Nein zur Straßenbahn wird ein erprobter, wirksamer Weg zur Verkehrswende gestrichen, der in vielen Städten erfolgreich umgesetzt wurde. Damit geht jedoch auch die Verpflichtung einher, Alternativen zu finden, die denselben Umfang und Effekt erreichen müssen. Dazu gehören ein deutlich ausgebauter und attraktiverer ÖPNV, bessere Taktungen, eine erheblich verbesserte Radinfrastruktur sowie eine konsequente Verknüpfung verschiedener Verkehrsmittel. Hier erwarten wir nun insbesondere vonseiten des Bürgermeisters und der politischen Parteien, die gegen eine Straßenbahn gestimmt haben, ambitionierte und innovative Ideen und ein erhöhtes Engagement für die Verkehrswende.

Was wir brauchen, ist Mut zu großen Lösungen statt Angst vor Verantwortung. Mit dem Nein zur Straßenbahn haben wir eine Chance zu einem mutigen Schritt vertan. Aber wir Grüne bleiben dran. Auf uns können alle Lübecker weiter zählen. Wir geben nicht auf und kämpfen weiter für die Einhaltung der Klimaziele und eine lebenswerte Stadt!”
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Erprobter Weg: Die Straßenbahn (hier um 1900 auf der Strecke Holstentor – Kronsforder Allee) kehrt trotzdem nicht zurück. Foto: Archiv

Erprobter Weg: Die Straßenbahn (hier um 1900 auf der Strecke Holstentor – Kronsforder Allee) kehrt trotzdem nicht zurück. Foto: Archiv


Text-Nummer: 176495   Autor: Grüne/red.   vom 28.11.2025 um 13.08 Uhr

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Kommentare zu diesem Text:

Autofreund

schrieb am 28.11.2025 um 13.19 Uhr:
Ooooch...ist der Arne-Matz tief enttäuscht, dass er keine elektrische Eisenbahn bekommt?
Gott sei Dank gibt es noch vernünftige Leute in der Bürgerschaft die diesen Quatsch ablehnen.

Stefan Höfel

schrieb am 28.11.2025 um 13.25 Uhr:
Moin zusammen!

Es ist doch gerade 2024/25 viel für den Radverkehr abgeschlossen oder begonnen worden.
Ich sage nur „Wulle“, Geniner Straße, Stadtgrabenbrücke, ebenerdige Querung St. Jürgen-Ring und Radschnellweg.
Lübeck muss doch erst einmal die vorhandenen Mängel beseitigen, bevor man sich neuen „Baustellen“ widmet.
Und wie schon zweimal geschrieben. Was bringt es, wenn Radfahrer und Fußgänger auf die Straßenbahn umsteigen?
Jetzt, wo das Thema Straßenbahn „weg“ ist, können sich „Alle“ wieder uneingeschränkt der Verbesserung des Busverkehrs widmen. Dazu gehört z. B.Busbeschleunigung durch mehr und längere Busspuren.

Und es wäre gut, wenn die Grünen aus der Schmollecke kommen und in der Realität ankommen würden, denn das Geld, das Lübeck nicht für eine Straßenbahn ausgeben muss, steht ja für andere Dinge zur Verfügung. Und diese Liste ist sehr lang. Aber das ist ja bekannt.
VG SH

Martin S.

schrieb am 28.11.2025 um 13.41 Uhr:
Als Gelegenheitswähler der Partei muss ich sagen, dass sie mit der Straßenbahn in Lübeck ein paar Jahrzehnte zu spät sind. Wo die Analyse heute noch stimmen mag, ist sie in ca. 5-10 Jahren obsolet. Dann fahren autonome Busse, die das Kostenargument schon mal entkräften. Außerdem glaube ich nicht dass der Kostenaufwand für die Umrüstung, sowie die dadurch entstehende Baustellenbedingte Belastung des Verkehrs die Vorteile rechtfertigt.

OV

schrieb am 28.11.2025 um 14.06 Uhr:
Unter den Befürwortern wird immer so getan, als bräuchte man nur einen Beschluss zu fassen und innerhalb weniger Jahre wäre eine neue Straßenbahn vorhanden und einsatzbereit, die zu allem Überfluss aus dem Nichts entstehen müsste. Man hat keinerlei vorhandene Infratruktur, aus die man aufbauen könnte. Jahrzehnte mit endlosen Genehmigungs- und Ausschreibungsverfahren würden vergehen, bis überhaupt auch nur ansatzweise eine einzige betriebsbereite Linie in Aussicht stehen würde. Wieso verstehen das die Grünen nicht? Von daher ist es völlig logisch, dass man das Projekt Straßenbahn für Lübeck zu den Akten legt und sich anderen, viel eher umsetzbaren Lösungen zuwendet.

Und eine tiefe Enttäuschung kann auch nur entstehen, wenn man zuvor einer Täuschung unterlegen war. Die Lübecker Grünen sollten dringend ihren Realitätssinn finden und sich nicht irgendwelchen Träumereien hingeben.

Jim Knopf

schrieb am 28.11.2025 um 14.27 Uhr:
Wie kann der Neubau einer Straßenbahn nachhaltig sein? Werden die Schienen aus nachwachsenden Bambus gelegt?

Hans-Georg Kloetzen

schrieb am 28.11.2025 um 14.37 Uhr:
Ist eigentlich mal eine Idee veröffentlicht worden, wie denn die Streckenführung auf der Alststadtinsel sein sollte? Davon mal abgesehen, dass das Thema ja nun erledigt ist, würde mich das schon sehr interessieren.

Alex

schrieb am 28.11.2025 um 14.49 Uhr:
Obwohl ich mit den Grünen in vielen Punkten übereinstimme, bin ich immer wieder erstaunt, wie realitätsfremd viele Ziele sind.

Die Autos werden ja nicht weniger, nur weil eine Straßenbahn gebaut wird.

Viele Menschen pendeln zur Arbeit, das hat mit einer lokalen Straßenbahn überhaupt nichts zu tun.

Solange der ÖPNV nicht kostenlos oder zumindest wirklich kostengünstig wird, eine vernünftige Taktung auch zu "unchristlichen" Zeiten hat, wird sich absolut nichts ändern.

Ein eigenes KFZ ist trotz sämtlicher damit verbundenen Kosten bei einem Arbeitsplatz außerhalb Lübecks noch immer günstiger, als den ÖPNV in jeglicher Form zu nutzen.
Günstiger und ebenso flexibel sind nur noch Fahrgemeinschaften.

Chris

schrieb am 28.11.2025 um 14.55 Uhr:
Angesichts der finanziellen Möglichkeiten eine gute und rationale Entscheidung der Bürgerschaft. Ich wäre sehr froh, wenn es diesmal keine Klage oder ein Volksbegehren gibt, wie es leider bei vielen Anlässen mittlerweile üblich geworden ist. Entscheidungen einer bestimmten Tragweite sollten wieder allein in den Händen der gewählten Volksvertreter und Volksvertreterinnen liegen (die sich natürlich vorher fachlichen Rat einholen müssen). Noch besser wäre, wenn das Klagerecht für demokratisch nicht legitimerte Körperschaften eingeschränkt bzw. zeitlich begrenzt werden würde. Dann gäbe es bei wichtigen Projekten keine jahrelangen Blockaden zum Schaden der Allgemeinheit mehr (zB. A20). Wer andere Entscheidungen will, soll andere Parteien wählen.

Christine Koepsel

schrieb am 28.11.2025 um 16.06 Uhr:
Guten Tag, z.Z. der Bürgerschaftssitzung hat eine handvoll Personen mit Greenpeace gegenüber dem Rathaus demonstriert, von vielen Befürwortern dieser kann, bzw. nichts zu sehen. Es gab gute Gründe die Straßenbahn abzuschaffen! Etwas mehr Realität täte gut.mfg

Bernd Feddern

schrieb am 03.12.2025 um 21.29 Uhr:
Danke, Herr Kloetzen!
Mir scheinen die Staßenbahnfans seeehr schlecht sehen zu können, bzw. kennen sie Lübecks Straßen gar nicht?
Aber sie haben mich richtig nett amüsiert!