Grüne tief enttäuscht über Ablehnung der Straßenbahn

Lübeck: Archiv - 28.11.2025, 13.08 Uhr: Die Lübecker Bürgerschaft hat in ihrer Sitzung am Donnerstag (27.11.2025) das Projekt Straßenbahn mehrheitlich abgelehnt. Dazu äußern sich auch die Grünen in einer Mitteilung: „Mit den Stimmen von CDU, SPD, FDP und AfD wurde die Planung einer Investition in ein zukunftsweisendes Verkehrsvorhaben gestoppt, das großes Potenzial für eine nachhaltige Mobilitätswende gehabt hätte.“

Wir veröffentlichen die Mitteilung der Grünen im Wortlaut:

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Dazu Arne-Matz Ramcke, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen Fraktion: „Wir sind tief enttäuscht über die Entscheidung der Bürgerschaft, das Projekt einer Straßenbahn in Lübeck vorerst nicht anzugehen. Mit der Mehrheit von CDU, SPD, FDP und AfD wurde die Planung einer Investition in ein zukunftsweisendes Verkehrsvorhaben gestoppt, das großes Potenzial für eine nachhaltige Mobilitätswende gehabt hätte. Wir akzeptieren die aktuellen politischen Mehrheiten hierzu, widersprechen aber in der Sache deutlich und halten an unserer Überzeugung fest: Eine Straßenbahn wäre ein entscheidender Hebel für eine echte Verkehrswende in Lübeck.

Die Stadt hat sich ambitionierte Ziele im Modal Split gesetzt und will den Anteil des Umweltverbundes – also Bus, Bahn, Fahrrad und Fußverkehr – deutlich steigern. Ohne ein leistungsfähiges schienengebundenes System wird dieses Ziel kaum erreichbar sein. Die Kosten-Wirksamkeits-Analyse zeigt, dass ein maximiertes Bussystem dafür weder wirtschaftlich noch personell realistisch ist, und der dringend notwendige Ausbau des Rad- und Fußverkehrs ohnehin schon an Umsetzungsgrenzen in der Verwaltung stößt.

Die Straßenbahn bietet gegenüber dem reinen Bussystem höhere Kapazitäten, geringere Betriebskosten, mehr Verlässlichkeit, gerade auf stark frequentierten Achsen, und bessere Barrierefreiheit. Sie würde den öffentlichen Nahverkehr deutlich stärken, Staus reduzieren und den innerstädtischen Verkehr insgesamt entlasten.

Natürlich sehen auch wir die derzeitige Haushaltslage der Stadt und die hohen Kosten eines solchen Projektes. Dies ist jedoch eine Momentaufnahme. Wie bei Projekten solcher Dimension üblich, hätten sich die Investitionen über Jahrzehnte verteilt. Zudem wären rund 90 Prozent der Kosten zuwendungsfähig gewesen. Die Straßenbahn schon heute als Alternative im Verkehrsentwicklungsplan auszuschließen, ist daher fatal.

Schlussendlich müssten Investitionen auch in Relation zu den Klimafolgekosten bei Nichterreichen der Klimaziele gestellt werden. Wenn wir also das große Ganze betrachten, sind diese Kosten eine Investition in die Zukunft – mit Blick auf Klimaschutz, Lebensqualität und Wirtschaftskraft der Stadt.”

Sophia-Marie Pott, Fraktionsmitglied der Grünen, ergänzt: „Als Grüne stehen wir weiter hinter der Straßenbahn – nicht nur als politisches Projekt, sondern als Zukunftsfrage. Die Stimmung in der Stadtgesellschaft war deutlich: Viele Lübecker, Initiativen und Engagierte setzen sich seit Jahren für eine echte Verkehrswende ein und mit dem Verein „Tram für Lübeck“ auch sehr explizit für eine Straßenbahn. Diese Stimmen einfach zu übergehen, ist ein fatales Signal.

Die Probleme verschwinden nicht, nur weil wir sie ignorieren: mehr Autos, mehr Stau, mehr Emissionen – und Klimaziele, die wir so nicht einhalten können. Im Haushaltsentwurf des Bürgermeisters wurden statt der von der Bürgerschaft beschlossenen 17,6 Millionen Euro nur rund 7 Millionen Euro für den Ausbau der Geh- und Radwege eingestellt. Verkehrswende sieht anders aus.

Die Straßenbahn war eine Antwort auf eine dringende Notwendigkeit – eine Herausforderung, die nicht einfach verschwunden ist. Mit dem Nein zur Straßenbahn wird ein erprobter, wirksamer Weg zur Verkehrswende gestrichen, der in vielen Städten erfolgreich umgesetzt wurde. Damit geht jedoch auch die Verpflichtung einher, Alternativen zu finden, die denselben Umfang und Effekt erreichen müssen. Dazu gehören ein deutlich ausgebauter und attraktiverer ÖPNV, bessere Taktungen, eine erheblich verbesserte Radinfrastruktur sowie eine konsequente Verknüpfung verschiedener Verkehrsmittel. Hier erwarten wir nun insbesondere vonseiten des Bürgermeisters und der politischen Parteien, die gegen eine Straßenbahn gestimmt haben, ambitionierte und innovative Ideen und ein erhöhtes Engagement für die Verkehrswende.

Was wir brauchen, ist Mut zu großen Lösungen statt Angst vor Verantwortung. Mit dem Nein zur Straßenbahn haben wir eine Chance zu einem mutigen Schritt vertan. Aber wir Grüne bleiben dran. Auf uns können alle Lübecker weiter zählen. Wir geben nicht auf und kämpfen weiter für die Einhaltung der Klimaziele und eine lebenswerte Stadt!”
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Erprobter Weg: Die Straßenbahn (hier um 1900 auf der Strecke Holstentor – Kronsforder Allee) kehrt trotzdem nicht zurück. Foto: Archiv

Erprobter Weg: Die Straßenbahn (hier um 1900 auf der Strecke Holstentor – Kronsforder Allee) kehrt trotzdem nicht zurück. Foto: Archiv


Text-Nummer: 176495   Autor: Grüne/red.   vom 28.11.2025 um 13.08 Uhr

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