Verspielte Chance: Linke und GAL bedauern Ablehnung der Straßenbahn-Pläne

Lübeck: Auch die Fraktion „Linke und GAL“ äußert sich zum Bürgerschaftsbeschluss gegen das Straßenbahn-Projekt (wir berichteten): „CDU, SPD und FDP verspielen große Chance für Verkehrswende“, heißt es dazu in einer Mitteilung. "Damit wird ein Projekt beiseitegelegt, das nach allen vorliegenden Gutachten das größte Potenzial für eine nachhaltige, leistungsfähige und wirtschaftlich tragfähige Mobilitätswende in Lübeck besitzt", bedauert Juleka Schulte-Ostermann.

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Wir veröffentlichen die Mitteilung der GAL im Wortlaut:

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Am Tag der Bürgerschaft fand vor dem Rathaus - trotz regnerischen Wetters - eine Kundgebung statt, zu der Fridays for Future Lübeck und der Verein Tram für Lübeck aufgerufen hatten. "Keine Tram ist auch keine Lösung" stand auf einem Schild; der Chor der Anwesenden forderte: "Verkehrswende jetzt" und "Was wollen wir? Eine Straßenbahn!"

Mit dieser Vision für Lübeck ist nun erstmal Schluss. Nur drei Stunden nach der Kundgebung hat in der Bürgerschaft eine Mehrheit aus CDU, SPD und FDP beschlossen, die Einführung eines Straßenbahnsystems im Verkehrsentwicklungsplan nicht zu berücksichtigen.

"Damit wird ein Projekt beiseitegelegt, das nach allen vorliegenden Gutachten das größte Potenzial für eine nachhaltige, leistungsfähige und wirtschaftlich tragfähige Mobilitätswende in Lübeck besitzt", bedauert Juleka Schulte-Ostermann, Bürgerschaftsmitglied der GAL, diesen Beschluss. "Ein entscheidender Wendepunkt blieb ungenutzt, obgleich die erstellten Potenzialstudien, Verkehrswendeszenarien und eine detaillierte Kosten-Wirksamkeits-Analyse alle zu demselben Ergebnis kamen: Die Straßenbahn ist die wirtschaftlichste und leistungsfähigste Option für Lübeck – sogar ohne Berücksichtigung von Fördermitteln."

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Fraktionskollege Sascha Luetkens, Bürgerschaftsmitglied der Linken kritisiert den Beschluss als faktisches Denkverbot über die Möglichkeit einer nachhaltigen Verkehrswende. "Der Ausbau der städtischen Busflotte ist nur begrenzt möglich, da Verkehrsknotenpunkte wie die Innenstadt nur eine bestimmte Anzahl von Bussen pro Stunde aufnehmen. Eine Straßenbahn, mit 40 Metern Länge, bietet ganz andere Möglichkeiten zur Beförderung vieler Personen, sie ist barrierearm und hat erwiesenermaßen – nach heutigem Wissen – das größte Potenzial, um mehr Menschen für den Umstieg auf umweltfreundliche Mobilität zu gewinnen."

Andreas Müller, Vorsitzender der Fraktion Linke und GAL ergänzt: "Kiel macht es uns gerade vor und plant seit drei Jahren, nach einem umfangreichen Beteiligungsprozess, den Bau einer Straßenbahn. Zu den 75 Prozent Fördermitteln vom Bund kommen noch 15 Prozent vom Land dazu. Lübeck hätte genauso wie Kiel den Eigenanteil über viele Jahre strecken können, dafür aber Fördermittel für die Ertüchtigung der Brücken erhalten. Es hätte sich also auch in finanzieller Hinsicht gelohnt, die Chance auf einen fortschrittlichen ÖPNV zu ergreifen.", ist Andreas Müller sich sicher.

"Heute ist ein schwarzer Tag für den Klimaschutz und die Verkehrswende", bedauert die Fraktion Linke und GAL die Mehrheitsentscheidung in der Bürgerschaft. "In ein paar Jahren werden viele neidisch auf die Landeshauptstadt schauen und feststellen, dass CDU, SPD und FDP eine falsche Entscheidung getroffen haben. Wir werden die Idee einer Wiedereinführung der Straßenbahn weiterverfolgen, auch wenn es Jahre dauern wird, eine Gelegenheit wie heute erneut zu erhalten.
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Am Tag der Bürgerschaft fand vor dem Rathaus eine Kundgebung statt, zu der Fridays for Future Lübeck und der Verein Tram für Lübeck aufgerufen hatten. Fotos: Linke und GAL

Am Tag der Bürgerschaft fand vor dem Rathaus eine Kundgebung statt, zu der Fridays for Future Lübeck und der Verein Tram für Lübeck aufgerufen hatten. Fotos: Linke und GAL


Text-Nummer: 176500   Autor: Linkeu.GAL/red.   vom 28.11.2025 um 16.31 Uhr

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Kommentare zu diesem Text:

Michael

schrieb am 28.11.2025 um 17.06 Uhr:
Ich möchte auch sooooo viel. Gerne würde ich mir meine Wünsche auch von Anderen bezahlen lassen.

Wie sangen schon die Rolling Stones? You can't always get what you want.

Ich frage mich, wie die Wirtschaftlichkeitsberechnung im "Gutachten" ausgesehen hat bei einem Volumen von rund 1 Milliarde Euro.

Wann hätte sich diese Traumtänzerei amortisiert? Nach der nächsten Eis- oder Steinzeit?

Schön, dass dieser Traum ausgeträumt ist!

Baumschüler

schrieb am 28.11.2025 um 17.42 Uhr:
Endlich mal kommt etwas positives aus dem Lübecker Rathaus!
Wer ist gleich mit Mi mi mi dabei ?
Richtig die GAL und Grünen.
Leute Denkt erstmal nach ob überhaupt Geld für solche Sachen da ist und dann stellt einen Antrag. Lübeck hat wichtigere Aufgaben zu erfüllen.
Da sind Brücken die dringend ersetzt werden müssen zb. Die Mühlentor Brücke und auch die Hubbrücke.

Bruno Bär

(eMail: Baerenkoenig-Bruno@web.de) schrieb am 28.11.2025 um 18.54 Uhr:
Was für ein Gejammer. Unerträglich. Man hat Linke und Grüne viel zu lange gepampert. Jetzt glauben die dass die ALLES bekommen was die wollen. Links ist vorbei. Grün ist vorbei. Die Mehrheit möchte konservative Politik.
Gut, das der Straßenbahnirrsinn vorbei ist. Braucht niemand, will nur eine irrelevante Minderheit. Das Auto ist das Verkehrsmittel der Gegenwart und der Zukunft. Daran ändert sich nichts.

Hans-Georg Kloetzen

schrieb am 28.11.2025 um 19.33 Uhr:
Welche Pläne? Gibt es Pläne für die Streckenführung auf der Altstadtinsel?

Bewohner

schrieb am 28.11.2025 um 19.42 Uhr:
Jedem das seine ! Mir das Meiste !
Mich würde interessieren, wie die Befürworter alles finanzieren wollen ?
Die Schulen sind marode ! Die Brücken sind marode ! Die Sanierung des Heilig Geist Hospitals ! Die Sanierung des Buddenbrookhauses………..und ich glaube eine Menge vergessen zu haben.

Alex

schrieb am 28.11.2025 um 20.34 Uhr:
Wenn die Tränchen getrocknet sind, können die sich ja mal um wirklich wichtige Themen kümmern;

Marode Brücken
Schlachthof
Kostenlosen ÖPNV
Obdachlosigkeit und offene Drogenszene

In beliebiger Reihenfolge, Hauptsache es passiert was!

der einzig wahre Dissident

(eMail: Kaliber45@yahoo.com) schrieb am 28.11.2025 um 20.38 Uhr:
GAL, Linke, und wer auch noch alles, kann gerne in Lübeck noch Strassenbahn fahren spielen. Auf dem Schlutuper Markt liegen noch ein paar Schienen von der dortigen ehemaligen Wendeschleife.

Stefan Höfel

schrieb am 28.11.2025 um 21.10 Uhr:
Moin zusammen!

Selbst wenn die Abstimmung anders ausgefallen wäre, hätte sich doch, nur auf dieses Thema bezogen, für den Klimaschutz bis zur ersten Fahrt einer Straßenbahn im Jahr 2038 (?) nichts Positives getan.
Und wie sicher ist es überhaupt, dass Kiel eine Stadtbahn bekommt?
Und wie sicher wären die 75% Förderung vom Bund für Lübeck gewesen?
Und wie sicher wären die 15% Förderung vom Land für Lübeck gewesen?
Überlegt Euch bitte, wie das Geld, das Lübeck jetzt nicht für eine Straßenbahn ausgeben muss, besser verwendet werden kann?
Ich wäre für Busbeschleunigung und Radwegsanierung.

VG SH

Sylvia Zastrow

schrieb am 01.12.2025 um 07.32 Uhr:
Das war doch klar ! Wie soll das funktionieren ,zumal die Stadt verarmt ist ! Es sollte über wichtigere Dinge nachgedacht und entschieden werden !Diese schöne Stadt verkommt und verdreckt und über so etwas wird nachgedacht ! Unfassbar! Was für eine Verschwendung von Zeit und Energie !