Kein Geld: Lübeck kann das Hansemuseum nicht übernehmen
Lübeck - Innenstadt: Die Possehl-Stiftung hat vor über zehn Jahren das Europäische Hansemuseum gebaut und seitdem die Verluste übernommen. Vorgesehen war, dass die Stadt das Museum nach zehn Jahren übernimmt und es den anderen Museen in der Stadt angliedert. Das kann sich Lübeck aber nicht leisten.Zum Bau des Europäischen Hansemuseums hatten die Stadt und die Possehl-Stiftung eine umfassende Vereinbarung getroffen. So hat die Stadt das Grundstück zur Verfügung gestellt und jährlich 400.000 Euro zugesagt. Das war der Betrag, den auch das vorherige Museum Burgkloster gekostet hat. Nach zehn Jahren sollten dann die Lübecker Museen auch das Hansemuseum übernehmen.
Die Übernahme kann nicht stattfinden. Das Hansemuseum hat zwar viele Besucher, macht aber ein Minus von 3,75 Millionen Euro im Jahr. Dazu kommen noch die Kosten für Sonderausstellungen. Die Stadt hatte erwartet, dass der Verlust nur knapp über 400.000 Euro liegt.
Offenbar gab es schwierige Verhandlungen. Eine immer wieder angekündigte Vorlage für die Bürgerschaft verzögerte sich. Jetzt wurde sie veröffentlicht. In einem sehr kurzen Schreiben erklärt sich die Possehl-Stiftung bereit, die Unterstützung für das Museum auch über die zehn Jahre hinaus fortzusetzen.
Die Stadt möchte jetzt noch Verhandlungen führen, wie die Zusammenarbeit und der Auftritt aller Museen der Stadt einheitlich gestaltet werden können.
Die Vorlage ist unter www.luebeck.de veröffentlicht.

Lübeck wird das Europäische Hansemuseum doch nicht übernehmen. Foto: EHM/Archiv
Text-Nummer: 176560 Autor: VG vom 01.12.2025 um 18.10 Uhr

Kommentare zu diesem Text:
Klaus Hl
schrieb am 01.12.2025 um 18.34 Uhr:
Wir können so froh sein, dass wir diese Stiftung in dieser Stadt haben! Ohne die wären wir noch um Einiges ärmer dran.
Hans E.
schrieb am 01.12.2025 um 19.08 Uhr:
Wie schafft es das Museum, zuverlässig jeden Tag über 10.000 Euro Miese zu machen ?
Bürger aus HL
schrieb am 01.12.2025 um 21.06 Uhr:
Das ist aber nicht schön.
Jon Dohe
schrieb am 01.12.2025 um 21.19 Uhr:
Tja, wer seine Finanzierungen mit fremden Steuergelden (Fördergelder) plant, und diese dann für die ideologische Zerstörung seiner Infrastruktur verwendet, braucht sich nicht zu wundern, das er pleite geht.
Aber was ist schon ein Haushaltsstopp...
Da die Stiftung schon so viele Projekte finanziert, wird sie dieses sicher auch weiter fortsetzen...
Unglaublich
schrieb am 02.12.2025 um 07.21 Uhr:
428€ Verlust pro Stunde auch wenn es zu hat?
Bei 8h Öffnungszeit am Tag sind es 1275€/h.
Was ist daran so teuer? Der Energieverbrauch dürfte es nicht sein. Das Gebäude musste damals schon nach Energieeinsparvorgaben gebaut worden sein.
Ich bin dafür, dass die Kosten öffentlich aufgelegt werden.
Es kann doch nicht jedes mal Possehl für die Unfähigkeit der Stadt Lübeck einspringen.
Hans Hansen
schrieb am 02.12.2025 um 07.45 Uhr:
Sparen am falschen Ende. Wie immer.
Aber im Bürgermeisterbüro lässt es sich der (...) gut gehen.
Michael Hoffmann
schrieb am 02.12.2025 um 08.22 Uhr:
Scheinbar erstmal fein, daß die Stiftung weiter die Verluste übernehmen wird. Aber auch sie kann das Geld nur einmal ausgeben; ergo kann sie dadurch andere, zukünftige Projekte nicht unterstützen.
Jean Pierre Hintze
(eMail: jp@hintze.es) schrieb am 02.12.2025 um 08.26 Uhr:
Natürlich macht dieser multimediale Showroom Millionenverluste! Es ist genauso, wie es bereits vor Öffnung prognostiziert wurde. Unter der Regie der Stadt würden diese Defizite jährlich auch noch größer werden.
Eine Übertragung des Hauses in den Verantwortungsbereich der europäischen Union, wie ja mal angedeutet, funktioniert auch nicht mehr, da Brüssel kein europäisches, sondern ein regionales Themenkonzept erkennt. Vielleicht sollten Exponate und Präsentation auf andere Lübecker Museen verteilt und eine völlig neue Nutzung abgedacht werden? Dort unten am Hafen könnte ich mir beispielsweise sehr gut einen Jazz-Club vorstellen...
OV
schrieb am 02.12.2025 um 10.11 Uhr:
ZItat: Dort unten am Hafen könnte ich mir beispielsweise sehr gut einen Jazz-Club vorstellen...(J.-P. Hintze). Wie originell. Das gab's ja noch nie und verspricht sicher sprudelnde Gewinne anstelle des Museums.
Was sagte der Rockmusiker zum Jazzmusiker? "Zum Flughafen bitte."
Sikle
schrieb am 02.12.2025 um 10.26 Uhr:
Wenn ein Museum ein Minus von 3,75 Millionen Euro macht, sollte man vielleicht eher an eine Verkleinerung oder sogar Schließung denken, statt an eine Übernahme. Das Ziel hat das Museum jedenfalls verloren, und die Social-Media-Posts auf Instagram und Facebook gleichen oft denen linker Ideologen anstatt historischer Aufarbeitung der Hanse. Entsprechend ist ein Minus auch kein sonderliches Wunder. Wie sagte Schmiedt doch, wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen. Die Vision Hansemuseum ist für Lübeck vielleicht eine Nummer zu groß!
GeEs
schrieb am 02.12.2025 um 10.46 Uhr:
Kein Geld für das Museum aber Millionen für 500m Radweg in der Ratzeburger Allee.
Hagen W.
schrieb am 02.12.2025 um 11.16 Uhr:
Es wäre auch mal interessant, zu erfahren wie viele Besucher da so
täglich kommen.
Der reguläre Eintrittspreis liegt derzeit bei 16 Euro.
Ist ja nicht gerade wenig.
Besucher per Auto / Bus sind ziemlich ausgeklammert - keine Parkplätze.
Viele Menschen laufen kaum vom Bahnhof dort hin. Da gibt es zentralere
Museen.
Tobias Möller
schrieb am 02.12.2025 um 13.31 Uhr:
Es ist zwar schade, aber wenn etwas ausschließlich rote Zahlen schreibt, sich nie getragen hat und niemals tragen wird, dann sollte man den Gesetzen der Marktwirtschaft folgen und es beenden, bevor weiterer noch größerer Schaden eintritt.
Es gibt keine gesetzlich Pflicht höchstdefizitäre Museen und Theater zu betreiben, oder leerstehende Verkaufsräume zu überteuerten Mietpreisen anzumieten um Leerstände zu kaschieren.
Hier sollte man vielleicht in anbetracht der Haushaltslage Vernunftentscheidungen treffen und einen Schlussstrich ziehen.
Statt überteuerter Prestigeobjekte und Geldvernichtungsmaschinen braucht die Stadt dringendere Dinge.
Hier sollte man vielleicht einmal einen Insolvenzverwalter konsultieren, der nüchtern und sachlich alles abwickelt, was sich nicht trägt, nur Geld vernichtet und wozu es keine gesetzliche Verpflichtung und keine Notwendigkeit im Sinne der öffentlichen Sicherheit gibt.
Es braucht Schulen, intakte Straßen, eine einsatzbereite Feuerwehr, eine Müllabfuhr, eine Straßenreinigung, eine funktionierende Verwaltung, die ihre gesetzlich übertragenen Pflichtaufgaben erfüllt.
Die Stadt kann sich keine potemkinschen Dörfer, Museen, Theater oder Kunst- und Kulturquatsch mehr leisten.
Lübeck ist pleite und das ändert sich nicht, wenn bei sinkenden Einnahmen stetig mehr Geld ausgegeben wird, als zur Verfügung steht.
Justin_Time
schrieb am 02.12.2025 um 13.57 Uhr:
"könnte ich mir beispielsweise sehr gut einen Jazz-Club vorstellen..."
Haha, endlich mal ein guter Joke zu diesem Thema der schlechten Witze.
Mein Vorschlag: man könnte ihn "Dr. JAZZ" nennen... ;)
Birgit
schrieb am 02.12.2025 um 14.23 Uhr:
3,75 Millionen € Verlust pro Jahr?
Also in 10 Jahren 37,5 Millionen?
Weg damit. Ein Privatunternehmer hätte schon lange Insolvenz anmelden müssen.
Sonst wäre er wegen Insolvenzverschleppung dran.
Alle defizitären Standorte überprüfen und bei großen Verlusten veräußern.
Unglaublich
schrieb am 02.12.2025 um 14.56 Uhr:
Und dann will man das Buddenbrookhaus "sanieren"?
Da wird es nicht anders kommen.
Wo ist Peter Zwegat wenn man ihn bräuchte.
Der hätte unserem Bankazubi sicher was beibringen können.
Thomas K.
(eMail: thomas-kroeger-home@web.de) schrieb am 02.12.2025 um 15.01 Uhr:
warum erfährt man nicht wer diese 10000 Euro (pro Tag!!!) einsackt? Das Geld verschwindet ja nicht, sondern landet in andere Taschen... cui bono
Bernd Feddern
schrieb am 02.12.2025 um 15.26 Uhr:
Schon vor Jahrzehnten hieß es: "Die sPD kann nicht mit dem Geld anderer Leute umgehen." Äh, in welcher Partei ist noch mal der BM?
Aber unnötige Radwege sind nunmal extrem wichtiger als ein lehrreiches Museum, oder?
Ein Museum erinnert - doch wer weiß in ein paar Jahren noch etwas von der sPD?
Al B.
schrieb am 02.12.2025 um 17.33 Uhr:
@Birgit schrieb am 02.12.2025 um 14.23 Uhr:Zitat:
(3,75 Millionen € Verlust pro Jahr?
Also in 10 Jahren 37,5 Millionen?Weg damit. Ein Privatunternehmer hätte schon lange Insolvenz anmelden müss.Sonst wäre er wegen Insolvenzverschleppung dran.Alle defizitären Standorte überprüfen und bei großen Verlusten veräußern)(Zitat Ende)
Ja, als Unternehmer; eine Regierung macht einfach "Sonderschulden" und nennt es "Sondervermögen".....dann geht es mit dem "neuen Vermögen" wieder weiter(mit dem Geld unserer Kinder und Enkel).
Prinzip verstanden?
horsthupe
schrieb am 02.12.2025 um 17.37 Uhr:
@Jean Pierre Hintze
"...könnte ich mir beispielsweise sehr gut einen Jazz-Club vorstellen..."
sehr sehr cool, leider hat diese schöne Spitze kaum einer verstanden.
zum Text:
es ist ja faszinierend, wie man die Bürger mit ein paar Schlagworten wieder triggern kann.
"...Verluste..."
Wir unterstützen Kultur durch die Abgaben, die von der Stadt eingenommen werden.
Eine solche Unterstützung kann nicht mit Gewinn/Verlust betitelt werden.
Wenn die Bürger gerne ein solches Museum haben möchten, werden die von den Bürgern erzwungenen Abgaben dafür mit eingesetzt.
Das Ausgliedern einzelner Abteilungen mit der Betrachtung von Gewinn/Verlust ist reine Augenwischerei und Bürger(...).
Auf der anderen Seite...hey, das Ordnungsamt trägt sich ja auch nicht selber, können wir das dann auch einfach so abstoßen?
Benito
schrieb am 02.12.2025 um 19.13 Uhr:
>"nach zehn Jahren übernimmt"
ich dachte, immer das Hansemuseum gibt es schon seit langem. Aber anscheinend gab es das noch gar nicht als ich nach Lübeck gezogen bin :/
@horsthupe:
" Auf der anderen Seite...hey, das Ordnungsamt trägt sich ja auch nicht selber, können wir das dann auch einfach so abstoßen?"
Das kann sowas von weg. Hier im Mietshaus scheint irgendjemand nachts Musik zu hören, und das Ordnungsamt hat es seit über zwei Jahren nicht geschafft herauszufinden wer. Die kommen mehrmals im Monat, finden nix und verschwinden wieder.
ExPope
schrieb am 02.12.2025 um 23.09 Uhr:
Die Besucherzahlen ist ein Teil der Rechnung, aber wie viel verdienen die Angestellten:innen und der Rest? Till Eulenspiegel war lustiger als der Partyprinz. Bei den Baukosten hätte es auch für einen Fahrstuhl gereicht. Das Geld hätten die Lübecker Schulen sehr gut getan. Die Hubbrücke ist ein weiterer ungeklärter Fall, gleich gegenüber.
Ostseematrose
(eMail: ostseematrose@t-online.de) schrieb am 03.12.2025 um 17.29 Uhr:
Dichtmachen dann kostet die Hütte der Stadt nichts mehr. Erstmal die Brücken und Radwege Strassen wieder herstellen. Das ist die Realität, der Rest Vergangenheit kann man sich dann in 10Jahren wieder anschauen.
Karsten Dambekalns
schrieb am 04.12.2025 um 15.57 Uhr:
Faszinierend finde ich, wie viele mit dem Finger auf die Stadt Lübeck zeigen, und so tun, als seien Verwaltung und Politik dafür verantwortlich.
Dabei ist doch genau die Übernahme durch die Stadt das Thema – bisher hat die Leitung des Museums mit der Stadt herzlich wenig zu tun.
Aber es ist ja viel bequemer, wenn man ohne Nachdenken einen Schuldigen finden kann.