FDP: Die Bürgerschaft ist konstruktiver geworden
Lübeck: Die Bürgerschaft hat die Hälfte der Wahlperiode erreicht. Für die FDP ist dies ein passender Zeitpunkt, um in einer Mitteilung die „deutlich positivere Entwicklung der politischen Kultur“ hervorzuheben. Die Bürgerschaft sei konstruktiver geworden, so die FDP.Wir veröffentlichen die Mitteilung der FDP im Wortlaut:
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Dazu erklärt Thorsten Fürter, Fraktionsvorsitzender: „Die Bürgerschaft stand lange im Ruf der Zerstrittenheit und einer Debattenkultur, die kaum jemandem Freude machte. Ganz ohne Konflikte geht es auch heute nicht – und das wäre in einer lebendigen Demokratie auch gar nicht wünschenswert. Aber insgesamt nehmen wir die Diskussionen als deutlich konstruktiver, sachlicher und zielorientierter wahr als früher.
Ein jüngstes Beispiel ist die Einigung auf neue Zuschnitte der Ausschüsse. Mehrere Fraktionen wollten Themen wie Digitalisierung, Klimaschutz und Gleichstellung stärker betonen. Zugleich war klar, dass die ehrenamtlichen Mitglieder der Bürgerschaft und Ausschüsse nicht weiter belastet werden dürfen. Durch eine umfassende Neustrukturierung ist es gelungen, beiden Anliegen gerecht zu werden. Dieser Punkt ist meiner Fraktion besonders wichtig, denn die Arbeitsbelastung schreckt immer mehr Menschen davon ab, sich kommunalpolitisch zu engagieren. Politik, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen, ist eine echte Herausforderung. Umso erfreulicher ist, dass wir bei den Ausschusszuschnitten zu einem Kompromiss gefunden haben, der breite Zustimmung findet.
Auch in Sachfragen arbeitet die Bürgerschaft heute ruhiger und abgewogener als in früheren Wahlperioden. Eine wichtige Rolle spielt dabei die intensivere Vorbereitung der Themen über Fraktionsgrenzen hinweg. Den regelmäßigen und fruchtbaren Austausch meiner Fraktion mit CDU und Grünen möchte ich besonders hervorheben. Eine formale Rathauskooperation gibt es – aufgrund des Votums unseres Parteitags – nicht. Gerade das schafft jedoch Freiräume: Die Möglichkeit, im Einzelfall auch einmal anders zu entscheiden, ohne gleich ein Bündnis zu gefährden, entspannt die Zusammenarbeit erheblich. Fast immer gelingt es uns, Lösungen zu entwickeln, bei denen das liberale Profil unverkennbar bleibt – etwa bei Wirtschaftsfreundlichkeit, Bürokratieabbau sowie in der Bildungs- und Haushaltspolitik. Und dort, wo eine gemeinsame Linie nicht möglich ist, wie bei der Straßenbahn oder der geplanten Weltkulturerbe-Abgabe, müssen wir uns nicht verbiegen. Das ist eine Stärke kommunaler Demokratie: Entscheidungen können im Einzelfall unterschiedlich ausfallen, ohne dass – wie auf Landes- oder Bundesebene – sofort eine Regierung ins Wanken gerät. Aus den Erfahrungen der gescheiterten Ampel haben wir in Lübeck gelernt. Wir müssen nicht jedes Mikrofon nutzen, um andere Parteien in unsere Richtung zu drängen. Unser Ziel ist nicht das Obsiegen im Streit, sondern ein gutes Ergebnis für die Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt.
Die kommenden knapp zweieinhalb Jahre wollen wir nutzen, um unser liberales Programm weiter voranzubringen. Nicht besserwisserisch und ideologisch, sondern im fairen Wettstreit der Ideen für gute Politik. Die derzeit konstruktiv arbeitende Bürgerschaft bietet dafür beste Voraussetzungen.“
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„Insgesamt nehmen wir die Diskussionen als deutlich konstruktiver, sachlicher und zielorientierter wahr als früher“, meint der FDP-Fraktionsvorsitzende Thorsten Fürter zum Thema Bürgerschaft. Foto: Archiv
Text-Nummer: 176566 Autor: FDP/red. vom 02.12.2025 um 10.27 Uhr

Kommentare zu diesem Text:
Martin S.
schrieb am 02.12.2025 um 10.42 Uhr:
Das klingt ja vorbildlich. Vielleicht können die Reste der Bundes FDP für ein Praktikum vorbeikommen und sich abschauen wie man konstruktiv zusammenarbeitet.
STARLIGHT
schrieb am 02.12.2025 um 12.19 Uhr:
Wie heißt es doch? „Eigenlob stinkt!“ Und wie war das noch mit der Gründlichkeit vor der Abstimmung über
die neue Strandordnung?
Peter Menken
schrieb am 02.12.2025 um 15.35 Uhr:
Den eigenen Beitrag hat Thorsten Fürter hier womöglich ein bisschen übertrieben, aber mein Eindruck ist auch, dass da gerade stabil zusammengearbeitet wird, von kleinen Hafen-Scharmützeln abgesehen.
J. Gerwien
schrieb am 03.12.2025 um 07.23 Uhr:
Hm, konstruktiver... ok - so als relative Aussage kann man das stehen lassen.
Wenn ich mir aber so manche "Schübe" des Herrn Dr. Flasbarth am Rednerpult betrachte, dann ist auch innerhalb der Kooperation noch deutlich Luft nach oben.
Was ich allerdings der aktuellen Zusammensetzung zugute halten möchte: man schaut ja auch mal über die "regierende" Kooperation hinaus, und es gibt ja auch mal durchaus Zusammenarbeit in anderen Konstellationen. Das darf bei einzelnen Themen gerne weiter so sein, auch wenn vielleicht ein Part aus der Kooperation das gerade nicht so toll findet - denn das ist Demokratie.
Bernd Feddern
schrieb am 03.12.2025 um 18.33 Uhr:
... und wovon träumt ihr nachts?
Es geht doch um Lübecks Bürgerschaft? Dachte ich mir.
Eine Stadtplanerin
schrieb am 04.12.2025 um 01.49 Uhr:
Das klingt sehr schön und ist auch sehr wünschenswert - ich stolpere aber über den Punkt der angeblich größeren Sachlichkeit.
Wenn ich mir als Person vom Fach die Straßenbahndebatte ansehe, dann ist die Lübecker Politikkultur (übrigens auch außerhalb der Bürgerschaft) sehr weit weg von einer sachlichen, faktenbasierten Debatte unterwegs gewesen. Die verkehrspolitischen Forderungen und Positionen der FDP sind, mit Verlaub, ebenfalls sehr weit weg von Sachlichkeit oder Fachlichkeit. Da werden Sachen wirklich fernab der Realität eingeordnet.
Das macht einerseits traurig und andererseits verblüfft die Konstatierung einer sachlichen Politkultur dann sehr - und klingt eher nach Eigenwahrnehmung, die auch aus den eigenen Positionen entapringen mag.
Gerne her mit sachlicher Politik -aber dann bitte in Zukunft ohne Polemik und mit Blick auf die vorhandene Faktenlage. Und zwar die ganze, nicht nur was zum eigenem Narrativ passt.