Bis Weihnachten kein Winter in Sicht
Lübeck: Archiv - 07.12.2025, 17.48 Uhr: In jedem Jahr stellt sich die Frage: Bekommen wir weiße Weihnachten? Harald Denckmann hat die Wettermodelle für uns ausgewertet und wagt einen Ausblick, zumindest bis zum 23. Dezember. Bis Weihnachten bleibt es mild in Lübeck.
Seit dem 1. Dezember befinden wir uns im meteorologischen Winter. Das hat nur pragmatische Gründe, damit man volle Wintermonate statistisch besser erfassen kann. Der wahre Winterbeginn ist der astronomische oder kalendarische, der in diesem Jahr am 4. Advent um 16.02 Uhr seinen Anfang nimmt, also am 21. Dezember. Dann haben wir auch mit 7 Stunden und 23 Minuten den kürzesten Tag des Jahres.

Gefühlt haben wir aber derzeit eher einen mediterranen Winter, denn von ernsthafter winterlicher Kälte ist weit und breit nichts in Sicht. Alle, die Heizkosten zu zahlen haben, können sich darüber freuen, denn selbst in den Nachtstunden ist bis Weihnachten nicht mit Minustemperaturen zu rechnen, die das Heizungsbudget belasten würden. Vielleicht gibt es einmal ein bis zwei Tage mit leicht überfrorenen Autoscheiben, das taut aber bei zu erwartenden Tagestemperaturen von etwa sechs Grad schnell wieder ab.

Im Gegensatz zu vielen Prognosen, die Extremkälte an die Wand malten, ist der Jet-Stream derzeit nicht launisch, sondern bewegt sich in recht gleichmäßigen Mäandern um die Nordhalbkugel herum. Über Europa bilden sich daher meist sogenannte Tröge, die für eine gleichmäßige Versorgung mit sich aneinanderreihenden Tiefdruckgebieten sorgen. Meist rauschen sie über England heran und überqueren dann Mitteleuropa von West nach Ost. Dabei ist die Lage so, dass wir an der Vorderseite dieser Gebilde liegen, die dann bald von der Vorderseite eines nachfolgenden Tiefdruckgebietes abgelöst wird. Solange das der Fall ist, werden wir mit milden, manchmal sogar warmen Winden aus dem Mittelmeerraum oder aus Richtung Portugal versorgt. Die Meerestemperaturen sind da noch hoch, in Spanien etwa um die 15 Grad, um Madeira herum sogar bei 21 Grad.

Da verdunstet natürlich auch viel, und von daher haben die Tiefdruckgebiete natürlich auch immer wieder einmal Regenfronten im Gepäck. Viele davon erreichen aber schwerpunktmäßig die Britischen Inseln, sodass wir oftmals in den Bereich von eher trockenen Zwischenströmungen kommen. Ganz grob kann man also sagen: Bis zum Weihnachtsfest wird es zu warm werden für die Jahreszeit, mit gelegentlichen Feuchtigkeitsanteilen.
Zwischenzeitlich sind sogar für mehrere Tage Temperaturen im zweistelligen Bereich in Sicht und kurz vor Weihnachten geraten wir dann in den Randbereich von atlantischen Sturmgebieten, die uns aber nicht viel anhaben werden. Die bisher kälteste Periode in diesem Winterhalbjahr haben wir bereits im November gehabt, als eine kurze Schnee-Episode etliche Fahrzeuge in die Gräben schickte und für einige Zugausfälle sorgte.
Bis Weihnachten können wir die Entwicklung gerade so abschätzen. Wie es weitergeht, wissen wir natürlich nicht. Die nächste spannende Phase kommt Anfang Januar 2026. Dann können wir sehen, ob sich eventuell noch ein winterliches Hochdruckgebiet über Europa entwickelt. Zurzeit gehört alles Gerede darüber allerdings ins Reich der Spekulation.
Zunächst einmal steht uns jetzt die dunkelste Zeit des Jahres bevor. Ganz grob kann man sagen, dass die Sonne so etwa um 8.30 Uhr morgens aufgeht und so ungefähr um 16 Uhr am Nachmittag wieder untergeht. Das wird etwa bis zum Dreikönigstag am 6. Januar der Fall sein. Danach kommt Bewegung hinein, dann wird es endlich wieder langsam heller.

Die Vorweihnachtszeit bleibt mild in Lübeck. Grafiken: Harald Denckmann, Fotos: Karl Erhard Vögele
Text-Nummer: 176676 Autor: Harald Denckmann vom 07.12.2025 um 17.48 Uhr
