15 Jahre Spezialstation für Jungs mit psychischen Erkrankungen
Lübeck: Archiv - 16.12.2025, 12.59 Uhr: Seit 15 Jahren nimmt die Spezialstation „Poseidon“ Jungs mit psychischen Erkrankungen auf – in der Lübecker Fachklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Diakonie Nord Nord Ost. Anlässlich des 15. Geburtstags der Station fand in den Lübecker Media Docks ein Symposium statt.
„Was ist eigentlich mit den Jungs?“ lautete eine Frage von Chefarzt Oliver Soyka, die er sich mit seinem Team der Lübecker Fachklinik für Junges Leben („Jule“) vor mehr als 15 Jahren stellte. Denn bis dahin waren es bei den Jugendlichen vor allem Mädchen, die in der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Diakonie Nord Nord Ost stationär aufgenommen wurden. Das änderte sich im Jahr 2010, als die Station „Poseidon“ für männliche Jugendliche eröffnet wurde. „Seitdem nehmen wir dort 13 bis 18 Jahre alte Jungs auf. Denn selbstverständlich können auch männliche Jugendliche psychische Schwierigkeiten haben. Unsere Patienten leiden beispielweise unter Depressionen, Ängsten, chronischen Suizidgedanken, können schwer mit Wut umgehen oder haben eine Borderline-Symptomatik“, so Oliver Soyka.
Zum 15. Geburtstag der Station luden die Verantwortlichen nun am Freitag, 12. Dezember 2025, zu einem ganztägigen Symposium in die Lübecker Media Docks ein – und berichteten über ihre Arbeit mit den jungen Patienten. Ein großes Anliegen aller Beteiligten: „Auch oder gerade bei Jungs dürfen psychische Erkrankungen nicht weiter stigmatisiert werden. Alte Rollenbilder von Männern, die fälschlicherweise keine psychischen Probleme oder Verletzlichkeit kennen oder zeigen, hindern junge Betroffene, sich zu öffnen und für professionelle Unterstützung überhaupt bereit zu sein“, so die Botschaft von Oliver Soyka. In weiteren Fachvorträgen ging es um Schulvermeidung, Medienabhängigkeit und ADHS bei Jungs.

Die „Poseidon“ arbeitet primär nach der sogenannten Dialektisch-Behavioralen-Therapie für Adoleszente (DBT-A) – in Kombination mit verhaltenstherapeutischen Methoden. „Wir arbeiten mit den Patienten daran, dass sie sich nach dem oft viermonatigen Aufenthalt in der Klinik selbst besser einschätzen und steuern können und entsprechende Fertigkeiten entwickeln – zum Beispiel in Bereichen wie Stresstoleranz, Achtsamkeit, zwischenmenschlichen Kompetenzen und Selbstwert“, berichtet Sonia Ludewig, Leitende Psychologin auf der Station. „Kernstück unserer Arbeit mit den Jugendlichen ist das Erlernen vom Umgang mit seinen Gefühlen.“
Die Gründe und Wege, wie und warum die jungen Patienten den Weg zur „Poseidon“ finden, sind vielfältig. Eines eint sie auf dramatische Weise, wie es Henning Vogt, DBT-A-Therapeut auf der Station, beschreibt: „Das Leben der Patienten ist so, wie es jetzt gelebt wird, schmerzhaft und schwer erträglich. Und sie müssen neue Verhaltensweisen in allen wichtigen Bereichen ihres Lebens erlernen.“
Der „Stationsalltag“ besteht aus pädagogischen und therapeutischen Angeboten sowie Freizeitaktivitäten. Die Patienten leben in Einzel- oder Zweibettzimmern. Die Station verfügt über zehn stationäre und bis zu zwei tagesklinische Behandlungsplätze. Seit 2024 gilt das Angebot auch für transgender Jugendliche. Die Jugendlichen profitieren von therapeutisch-pädagogischen Angeboten in der Gruppe. „Und da wir Patienten mit unterschiedlichen Störungen aufnehmen, treffen Jugendliche mit impulsivem Verhalten auf eher ruhigere Jungs mit ängstlicher oder depressiver Symptomatik. Das ist für alle Seiten oft lehr- und hilfreich“, so Sonia Ludewig.
Wie lange die jungen Menschen auf einen Platz auf der „Poseidon“ warten müssen, ist sehr unterschiedlich. „Mal kann es ganz schnell klappen, mal dauert es etwas länger. Aber wir reden hier nicht von einem Jahr oder Ähnlichem“, berichtet Oliver Soyka.
Und was ist eigentlich mit den Jungs in der Zukunft? Das Angebot für sie in der Fachklinik der Diakonie Nord Nord Ost entwickelt sich kontinuierlich weiter – und passt sich den Bedürfnissen der jungen Menschen an: „Wir stellen eine Zunahme an Schulvermeidung und sozialen Ängsten bei ihnen fest. Und vermehrt haben wir ADHS-Patienten bei uns. Auch intensiver Medienkonsum wird ein immer größeres Thema“, so Oliver Soyka.
„Jule“: Fachklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Lübeck
Die Klinik der Diakonie Nord Nord Ost hilft Kindern, Jugendlichen und Heranwachsenden bei seelischen und psychiatrischen Störungen und Erkrankungen – auch in akuten Krisen- und Notsituationen. Sie verfügt über fünf Stationen mit jeweiligem Behandlungsschwerpunkt und Spezialisierung – eine davon ist die „Poseidon“. Zudem hat die Fachklinik auch Tageskliniken und ambulante Angebote in Büchen und Eutin. Weitere Informationen zur Fachklinik gibt es unter www.diakonie-nordnordost.de.

„Kernstück unserer Arbeit mit den Jugendlichen ist das Erlernen vom Umgang mit seinen Gefühlen“, sagt Sonia Ludewig, leitende Psychologin, vor dem Symposium-Publikum. Fotos: Diakonie
Text-Nummer: 176843 Autor: Diakonie/red. vom 16.12.2025 um 12.59 Uhr
