Grüne: Lübecks Klimaschutz ist unzureichend
Lübeck: Archiv - 17.12.2025, 12.03 Uhr: Die Verwaltung hat aktuell Daten für die CO2-Emissionen in Lübeck vorgelegt. Darüber berichten die Lübecker Grünen in einer Mitteilung. Die Zahlen würden belegen, dass Lübecks Klimaschutz unzureichend sei, so die Grünen.Wir veröffentlichen die Mitteilung der Grünen im Wortlaut:
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Die Zahlen zeigen: Die Emissionen sinken – aber nicht genug, damit Lübeck seine Ziele erreicht. Die Gesamtemissionen sanken knapp 9 % von 1,638 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalent (2019) auf rund 1,494 Millionen (2024). Lübeck hat aber bereits 2020 beschlossen, die Emissionen bis 2030 um 50 % zu reduzieren. Besonders problematisch: Ausgerechnet die Transformation in den beiden wichtigsten Bereichen, dem Verkehrs- und dem Wärmesektor, schreitet nur schleppend voran. Der Bericht zeigt, dass Lübeck mit den aktuellen Maßnahmen seine Klimaziele nicht erreichen kann, die Grüne Bürgerschaftsfraktion fordert hinreichende Maßnahmen, um wenigstens die selbstgesteckten Ziele zu erreichen.
Peter Schüler, Mitglied im Ausschuss für Umwelt, Sicherheit und Ordnung: „Die aktuelle Klimabilanz fällt sehr enttäuschend aus und sollte Anlass für Politik und Verwaltung sein, nach vielen Jahren jetzt endlich die Anstrengungen zu intensivieren und das Nötige zu unternehmen, um die Ziele zu erreichen.
Die Bürgerschaft hat bereits 2020 ein wichtiges Klimaziel für Lübeck getroffen: Bis 2030 sollen die CO₂-Emissionen um 50 % gegenüber dem Ausgangsniveau von 2019 reduziert werden. Die aktuellen Zahlen zeigen, dass die Emissionen von 2019 bis 2024 um lediglich knapp 9 % gesunken sind. Behalten wir dieses Tempo bei, ist dieses schon 2020 beschlossene Zwischenziel nicht zu erreichen. Und um das endgültige Ziel der Klimaneutralität 2035 erreichen zu können, müsste der Senkungsgrad pro Jahr ungefähr verfünffacht bis versiebenfacht werden.
Auch die Verwaltung selbst muss ihrer Vorbildrolle gerecht werden, um Glaubwürdigkeit und das Vertrauen in geplante Klimaschutzmaßnahmen zu erhalten. Dies ist aber nicht der Fall. Die Emissionen der Lübecker Verwaltung sanken im gleichen Zeitraum nur um rund 16,9 %; für das Ziel von minus 50 % bis 2030 ist auch in der Verwaltung selbst noch sehr viel mehr zu tun. Ein Beispiel für die ungenügenden Anstrengungen der Verwaltung ist die Wärmeversorgung. Sechs Jahre nach Ausrufung des Klimanotstands gibt es in den rund 900 städtischen Gebäuden erst ganze vier (!!) installierte Wärmepumpen. Nicht mal die Umrüstung der Beleuchtung auf LED-Lampen ist abgeschlossen, obwohl dies sich wirtschaftlich rechnen würde. So wird die Transformation lange dauern. Hier erwarten wir erheblich größere Anstrengungen. Kiel hat seinen Masterplan Klimaschutz bereits 2017 vorgelegt, Lübeck erst 2023. Wir haben bereits viel Zeit verloren.
Wir freuen uns sehr über den neuen Bürgerschaftsausschuss für Klima, Umwelt und EBL, für den wir Grüne uns sehr stark gemacht haben. Dort werden wir intensiv auf die notwendigen Maßnahmen für die Erreichung der Klimatransformation entlang unserer Ziele hinarbeiten.”
Arne-Matz Ramcke, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen Fraktion: „Der Verkehrssektor ist einer der größten Emittenten in unserer Stadt. Leider müssen wir in den Daten feststellen, dass in diesem Sektor bisher noch keine signifikanten Reduktionen in Lübeck erreicht worden sind. Auch hier sind die Maßnahmen in Lübeck ungenügend. Der Ausbau der Fuß- und Radwege ist seit vielen Jahren unbefriedigend. Auch im aktuellen Haushalt wurden statt der politisch beschlossenen 17,6 Millionen Euro nur 7 Millionen Euro eingestellt. Der Trend ging in den letzten Jahren klar zum Fahrrad und Pedelec und das, obwohl kaum etwas für die Fahrradinfrastruktur getan wurde. Diesem Mobilitätsverhalten der Bevölkerung muss die Stadt endlich entsprechen und den Trend fördern.
Ferner hat sich die Stadt zum Ziel gesetzt, den Anteil des Umweltverbundes (Fuß- und Radverkehr und ÖPNV) bis 2040 auf 70% zu erhöhen. Mit dem Nein zur Straßenbahn ist dieses Ziel jedoch in weite Ferne gerückt. Entsprechender Handlungswille ist aktuell weder in Teilen der Politik noch in der Verwaltungsspitze zu erkennen. Auf eine spürbare Trendwende werden wir somit auch weiterhin noch warten müssen.”
Stephan Wisotzki, baupolitischer Sprecher, ergänzt: „Die Wärmewende ist ein Kernelement zur Klimaneutralität. An den Zahlen der aktuellen Treibhausgasbilanz kann man gut erkennen, dass ein Großteil der Emissionen im Gebäudesektor entsteht und sich zu wenig bewegt. Das Potenzial zur Reduzierung klimaschädlicher Treibhausgasemissionen im Wärmesektor ist allerdings besonders hoch. Hier haben wir als Kommune große Hebel.
Für unsere Bürger ist auch ausgesprochen wichtig, dass die Wärmeversorgung in Zukunft verlässlich und bezahlbar bleibt. Gleichzeitig müssen wir dem Klimawandel begegnen. Mit unserem Haushaltsbeschluss statten wir die Stadtwerke mit einer Kapitaleinlage von 7 Millionen Euro aus. Damit stellen wir sicher, dass die erforderlichen Mittel und Möglichkeiten bei den Stadtwerken vorhanden sind, um eine der größten Klimaschutzaufgaben der näheren Zukunft, die Wärmewende, im Interesse der Bürger umzusetzen. Vor allem der Fernwärmeausbau wird damit finanziert, der den Lübeckern einen Umstieg auf klimaneutrale Wärme ermöglicht, wenn der individuelle Umstieg zu teuer oder technisch nicht möglich ist, wie zum Beispiel in der Altstadt. Wir erwarten dabei eine schnelle und konsequente Umsetzung und Priorisierung sowie schnellstmögliche Planungssicherheit für die Bürger.
Je früher die Bürger und Unternehmen darüber informiert werden, wo und wann Fernwärme verfügbar sein wird, desto mehr Planungssicherheit haben sie. In den Haushaltsberatungen konnten wir erreichen, dass Maßnahmen, die die Mieter und Besitzer von Denkmälern durch Beratung unterstützen, erhalten bleiben.
Die Nutzung von erneuerbaren Energien muss so einfach wie möglich gemacht werden und möglichst wenig bürokratischen Aufwand mit sich bringen. Die erforderlichen Grundlagen in der Infrastruktur müssen geschaffen werden.“
An diesen und weiteren Punkten erwarte ich eine konsequente und effektive Umsetzung der erforderlichen Maßnahmen durch die Verwaltung und natürlich die Erfüllung der Vorbildfunktion, die die öffentliche Hand hat.
Die Wärmewende ist nicht nur aus Klimaschutzgründen relevant: Sie wird sich dank des Umstiegs auf regenerative Energien langfristig auch finanziell für die Bürger und Unternehmen lohnen. Wir müssen also den Ausstieg aus fossilen Heizsystemen (Erdgas, Heizöl) in privaten und öffentlichen Gebäuden forcieren, energetische Sanierungen und Dämmungen fördern und den Ausbau von Wärmepumpensystemen und Fernwärme vorantreiben.”
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Die Emissionen sinken – aber nicht genug, damit Lübeck seine Ziele erreicht, kritisieren die Grünen. Foto: Archiv
Text-Nummer: 176868 Autor: Grüne/red. vom 17.12.2025 um 12.03 Uhr
