Die neue Zeitschrift für Lübeckische Geschichte ist da

Lübeck: Der traditionsreiche Verein für Lübeckische Geschichte und Altertumskunde, gegründet 1821, hat Anfang Dezember den Band 103 der Zeitschrift für Lübeckische Geschichte (ZLG) der Öffentlichkeit präsentiert. Auf mehr als 400 Seiten bietet der Jahresband eine Fülle neuer Forschungsergebnisse mit vielen spannenden Einblicken und überraschenden Neuigkeiten zur Geschichte der Hansestadt und des norddeutschen Raums.

Lübeck global: Falkenexport aus Lübeck nach Venedig und Alexandria

Die Lübecker Kaufleute handelten nicht nur mit Stockfisch, Getreide, Tuchen und Pelzen, sondern sogar auch mit Falken. Albrecht Cordes, Professor für Rechtsgeschichte in Frankfurt, wertet die Geschäfte eines Lübecker Handelskonsortiums des 14. Jahrhunderts aus und zeigt, wie groß das Lübecker Handelsnetz des 14. Jahrhunderts war. Es ging um 53 edle Jagdfalken, die von Lübeck über Nürnberg und Venedig bis nach Alexandria gehandelt wurden und dort die Jagdleidenschaft der hohen Herren in Europa und im Orient befriedigten.

Lübecker Richter und ein Hexenprozess auf der Insel Poel 1699

Auf die Gewalt im 17. Jahrhundert gegen Frauen in den sogenannten „Hexenprozessen“ geht Thomas Schaad in seinem spannend erzählten Beitrag Lucie Bernitt, die Hexe von Poel ein: Die Schweinehirtin Lucie Bernitt wurde 1699 auf der Ostseeinsel Poel auf dem Scheiterhaufen verbrannt, nachdem die beiden ältesten Bürgermeister der Hansestadt als Richter das Todesurteil über sie unterzeichnet hatten. Der Autor schildert in einer lesenswerten Darstellung die Hintergründe dieser grausamen Hinrichtung und erklärt, warum ein Lübeckisches Gericht das Todesurteil sprach.

„Palmarum 1942“ – Krankenschwestern berichten vom Bombenangriff

Von großer Eindringlichkeit sind die von Felix Klingenbeck dokumentierten Berichte von DRK-Krankenschwestern während des britischen Bombenangriffs auf Lübeck am Palmsonntag 1942. Die Augenzeugenschilderungen bieten einen unmittelbaren, menschlichen Zugang zu einem der traumatischsten Ereignisse der Lübecker Stadtgeschichte und erweitern die bisherige Forschung um eine neue Perspektive.

Heinrich der Löwe und Lübeck

Der bekannte Mediävist Thomas Vogtherr zeichnet darin ein differenziertes Bild des Welfenfürsten, dessen politisches Wirken Lübecks Entwicklung entscheidend beeinflusste. Die Neugründung der Stadt, die Bistumsverlegung und der Beginn des Dombaus – all dies erläutert der Autor im Kontext hochmittelalterlicher Reichspolitik und regionaler Machtkonstellationen.

850 Jahre Lübecker Dom – Kirche am Rand und im Herzen der Stadt

Der Dom zu Lübeck steht im Zentrum des Beitrags von Arnd Reitemeier. Er zeigt in „850 Jahre Dom zu Lübeck: Die Gemeinde am Rand und inmitten der Stadt“, wie sich die Bedeutung des Doms über die Jahrhunderte wandelte – zwischen geistlichem Machtzentrum, politischer Arena und städtischem Identifikationsort. Der Text beleuchtet zugleich, wie eng Stadtgesellschaft und kirchliche Institutionen miteinander verflochten waren.

Der reich bebilderte Band enthält zudem eine Vielzahl weiterer Beiträge, etwa zur Vermögensverteilung in Lübeck im 18. Jahrhundert, zur Lübecker Kolonialgeschichte, zur Stadtplanung um 1900 oder zu den Familiennetzwerken der berühmten Rabbinerfamilie Carlebach. Archäologische Projektberichte, Rezensionen sowie die Jahresberichte des Vereins runden das Spektrum ab.

Die Zeitschrift für Lübeckische Geschichte Band 103 (2024/2025) ist ab sofort im Buchhandel und beim Verlag Schmidt-Römhild für 45 Euro erhältlich. Mitglieder des Vereins für Lübeckische Geschichte und Altertumskunde erhalten den Jahresband kostenfrei. Der Jahresbeitrag beträgt 45 Euro.

Der Band bietet allen historisch Interessierten, Studierenden, Forschenden und allen Lübeck-Liebhaberinnen und Liebhabern eine beeindruckende Mischung aus gründlicher Forschung und Anschaulichkeit. Er lädt dazu ein, bekannte Kapitel der Stadtgeschichte neu zu entdecken und bislang wenig oder noch nicht beachtete Themen kennenzulernen.

Löwensiegel Heinrichs des Löwen nach seiner Absetzung 1180 (Vorlage: Niedersächsisches Landesarchiv Abteilung Hannover Cal. Or. 33 Salem Nr. 1)

Löwensiegel Heinrichs des Löwen nach seiner Absetzung 1180 (Vorlage: Niedersächsisches Landesarchiv Abteilung Hannover Cal. Or. 33 Salem Nr. 1)


Text-Nummer: 176873   Autor: Veranstalter/red.   vom 20.12.2025 um 13.45 Uhr

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