Grüne zum Personal-Problem: Verwaltung muss Rentner stärker einbinden
Lübeck: Archiv - 18.12.2025, 15.42 Uhr: „Die Lübecker Verwaltung steht weiterhin vor großen Personalproblemen. Zahlreiche Stellen bleiben unbesetzt, während gleichzeitig immer mehr erfahrene Mitarbeiter in den Ruhestand gehen“, berichten die Grünen in einer Mitteilung. Die Folge sei Personal- und vor allem Fachkräftemangel. Der Vorschlag der Grünen: Die Verwaltung soll Rentner stärker einbinden.Wir veröffentlichen die Mitteilung der Grünen im Wortlaut:
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Der demografische Wandel stellt auch unsere Stadt vor erhebliche Herausforderungen – doch er bietet auch Chancen. Eine Anfrage der Grünen Fraktion im Hauptausschuss ergab, dass die Verwaltung lediglich 28 Personen im Rentenalter beschäftigt, davon nur 4 unbefristet. Die Grüne Bürgerschaftsfraktion zeigt sich angesichts von 400–500 unbesetzten Stellen enttäuscht über dieses ungenutzte Potenzial und wünscht sich erheblich mehr Anstrengungen, die eigenen Mitarbeiter auch über das Rentenalter hinaus zu beschäftigen.
Dazu Dr. Axel Flasbarth, Co-Fraktionsvorsitzender der Lübecker Grünen: „Wir erleben, dass immer mehr Menschen auch nach dem Renteneintritt weiterarbeiten möchten – aus Freude an ihrer Tätigkeit, aus sozialem Engagement, um ihr Wissen weiterzugeben oder aus finanziellen Erwägungen.
Auf unsere Anfrage im Hauptausschuss hin gab die Verwaltung bekannt, dass derzeit lediglich 28 Personen jenseits des Rentenalters in der Lübecker Verwaltung beschäftigt sind – davon nur vier unbefristet. Das ist angesichts von fast 5.600 Beschäftigten in der Stadtverwaltung erschreckend wenig. Vor allem, wenn man berücksichtigt, dass in der Verwaltung seit Jahren rund 400–500 Stellen unbesetzt sind.
Wir sehen hier ein riesiges Potenzial, das die Stadt bislang ungenutzt lässt, und es ist enttäuschend, wie wenig Engagement die Verwaltungsspitze diesem Thema bisher entgegenbringt. Auch die Bundesregierung hat erkannt, dass ältere Menschen einen wichtigen Beitrag zur Arbeitswelt leisten können, und hat mit der Aktivrente bereits Maßnahmen auf den Weg gebracht, um die Weiterbeschäftigung nach Renteneintritt zu erleichtern. Es ist höchste Zeit, dass Lübeck diesem Beispiel folgt, sich diesem Thema aktiv widmet und hier konkrete Maßnahmen umsetzt, um das naheliegende Potenzial der eigenen Mitarbeiter für die Linderung der großen Personalprobleme zu nutzen.
Die Beschäftigung von Rentnern bietet eine Vielzahl von Vorteilen. Ältere Beschäftigte verfügen über wertvolles Fachwissen und langjährige Erfahrung. Sie kennen Verwaltungsstrukturen, Abläufe und rechtliche Grundlagen und können, insbesondere in Zeiten des Fachkräftemangels, schnell und mit wenig Einarbeitungszeit dazu beitragen, Qualität und Effizienz zu sichern und die Leistungsfähigkeit der Verwaltung zu erhalten.
Darüber hinaus sind viele Rentner bereit, flexibel zu arbeiten – etwa in Teilzeit, projektbezogen oder zur Vertretung bei Ausfällen. Diese Flexibilität macht sie zu einer wertvollen Unterstützung, wenn kurzfristig Personal benötigt wird oder wichtige Aufgaben abgeschlossen werden müssen. Auch wirtschaftlich kann die Stadt profitieren. Da Rentner in der Regel bereits eine Altersrente beziehen, entstehen geringere Personalkosten.”
Birte Duggen, gleichstellungspolitische Sprecherin, ergänzt: „Auch gesellschaftlich setzt die Einbindung älterer Menschen ein positives Signal. Eine Verwaltung, die Erfahrung und Alter wertschätzt, steht für Respekt, Vielfalt und Zusammenhalt. Sie zeigt, dass alle Generationen gebraucht werden und Arbeit über den Renteneintritt hinaus nicht nur möglich, sondern willkommen ist. Dies wäre ein positives Signal an die Stadtgesellschaft.
Für die Rentner ergeben sich auch finanziell diverse Vorteile, denn für jeden Monat, den man nach der Regelaltersgrenze länger arbeitet und so die Rente aufschiebt, bekommt man 0,5 % Rentenzuschlag (also 6 % pro Jahr), zusätzlich zu den Beiträgen aus der Weiterbeschäftigung, was die Rente dauerhaft erhöht. Zudem hat man mehr vom Netto, da man ja nichts mehr in die Arbeitslosenversicherung einzahlt.
Trotz dieser klaren Vorteile, sowohl für die Verwaltung selbst als auch für Rentner, gibt es bislang keine gezielten Initiativen oder Programme in Lübeck, um Rentner für eine Tätigkeit in der Verwaltung zu gewinnen oder ihnen den Einstieg zu erleichtern. Das ist ein Versäumnis, das wir dringend korrigieren müssen. Schon einfache Maßnahmen wie die gezielte Kommunikation dieser finanziellen Vorteile helfen weiter. Auffällig ist, dass rund 60 % der Weiterbeschäftigten in der Lübecker Verwaltung auf nur einen Fachbereich entfallen (Bauverwaltung). Alleine schon eine Ausweitung des Vorgehens der Bauverwaltung auf die anderen Fachbereiche wäre ein schneller „Quick Win“.
Wir fordern die Stadtverwaltung auf, aktiv zu werden und Rentner frühzeitig und proaktiv anzusprechen, über die Möglichkeiten und Vorteile einer Weiterbeschäftigung aufzuklären, flexible Beschäftigungsmodelle zu schaffen und das Wissen der älteren Generation systematisch einzubinden. Ein eigener interner Datenpool mit pensionierten Mitarbeitenden und deren Expertisen könnte in Zukunft helfen, schnell die passenden Personen zu finden.
Es geht dabei nicht nur um Personalpolitik, sondern auch um Respekt und Anerkennung denen gegenüber, die unsere Stadt über Jahrzehnte getragen haben. Diese Menschen verdienen Aufmerksamkeit, Wertschätzung und echte Chancen, weiterhin aktiver Teil der Gemeinschaft zu sein.“
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Eine Anfrage der Grünen Fraktion im Hauptausschuss ergab, dass die Verwaltung lediglich 28 Personen im Rentenalter beschäftigt, davon nur 4 unbefristet. Foto: Archiv
Text-Nummer: 176893 Autor: Grüne/red. vom 18.12.2025 um 15.42 Uhr
