Stadt kündigt Vertrag: Travemündes schwimmendes Restaurant muss schließen

Lübeck - Travemünde: Archiv: Das Restaurant „Traveblick“ ist eine Institution im Seebad Travemünde. Die Besonderheit: Es steht auf zwei Pontons, die einst als Wartungsplattform an der Teerhofinsel dienten. Seit gut einem Vierteljahrhundert aber liegen sie mit dem schwimmenden Restaurant darauf direkt an der Travemünder Vorderreihe. Ein Blickfang und ein Highlight für zahllose Touristen. Doch damit ist in wenigen Tagen Schluss: Die Stadt hat den Vertrag für den Liegeplatz zum Jahresende gekündigt.



Viele Kaufinteressenten für Travemündes Kult-Gastronomie
„Das Pachtverhältnis wurde ordnungsgemäß zum 31.12.2025 gekündigt“, schreibt die Verwaltung auf Nachfrage von HL-Live.de. Was sie nicht schreibt, ist, wer gekündigt hat, nämlich die Stadt selbst. Weiter heißt es: „Die Pächterin hat gegenüber der Lübeck Port Authority die Absicht bekundet, den Betrieb nicht mehr selbst fortführen zu wollen.“ Das stimmt, allerdings hätte sie gern einen Nachfolger gefunden, der die kultige Gastronomie weiterbetreibt. „Ich bin 71“, sagt Inhaberin Cornelia Süchting. Es sei kein Geheimnis, dass sie verkaufen wolle. Interessenten gäbe es auch, allein drei aus Travemünde. Das Problem: Der Vertrag für den Liegeplatz würde immer nur von Jahr zu Jahr verlängert. Ein Käufer bräuchte aber Planungssicherheit und keinen 1-Jahres-Vertrag. Cornelia Süchting spricht von 5 Jahren plus weitere 5 als Option. Doch die bekommt sie nicht.

„Genehmigungslage nicht gesichert“
„Eine Fortsetzung der Nutzung mit einem neuen Pächter ist aufgrund der nicht gesicherten Genehmigungslage nicht möglich“, teilt die Verwaltung auf Nachfrage von HL-live.de mit. In einem Schreiben der Stadt an den Anwalt der Gastronomin vom September 2025 heißt es allerdings: „Der Verwaltung liegt keine Feststellung vor, dass das Vorhaben nicht genehmigungsfähig sei.“

250 Gäste schreiben an die Stadtspitze
An Unterstützung mangelt es nicht: Etwa 250 Gäste hätten sich schon bei der Stadtspitze beschwert, erzählt Cornelia Süchting. Beim Bürgermeister, beim Stadtpräsidenten und bei der Bausenatorin. Und würden immer den gleichen Text zurückbekommen, in welchem von einer fehlenden Baugenehmigung die Rede sei. Ihr werde vorgeworfen, sich nicht um eine Baugenehmigung gekümmert zu haben, was aber nicht stimme, erzählt Cornelia Süchting. „Bloß, die wussten selber nie, wer mir die eigentlich geben soll“, meint die Gastronomin.



Verschrottung statt Verkauf: „Dann gehe ich mit 71 Jahren Klos putzen“
Cornelia Süchting würde ihr Restaurant weiter betreiben, bis es in neue Hände übergeben werden kann. Doch wie es jetzt aussieht, wird wohl der 5. oder 6. Januar 2026 der letzte Öffnungstag für das Restaurant „Traveblick“ sein, meint sie. Und dann? Sie spricht von „Verschrottung“, die auch viel Geld kostet. „Ich habe 25 Jahre umsonst gearbeitet“, sagt die Seniorin. „Dann gehe ich mit 71 Jahren Klos putzen, so wird es kommen“.

„Die Passat hat auch keine Genehmigung“
Dank seiner Lage auf dem Wasser bietet das Restaurant „Traveblick“ einen direkten Blick auf die ein – und auslaufenden Schiffe auf der Trave. Es stellt aber auch von Land aus mit seiner Steganlage und den Aufbauten einen Blickfang dar. Genauso wie ein anderer schwimmender Betrieb mit gastronomischen Angeboten. Cornelia Süchting deutet an, dass da vielleicht mit zweierlei Maß gemessen wird: „Die Passat hat auch keine Genehmigung, warum muss die nicht weg?“, fragt sie.

Medientipp: Ein Interview mit Cornelia Süchting ist am 30.12.2025 ab 17 Uhr in der Sendung „Travemünder Journal“ im Offenen Kanal Lübeck zu hören.
Statt ihr Lebenswerk in neue Hände zu geben, wird Gastronomin Cornelia Süchting den „Traveblick“ vielleicht verschrotten müssen. Die Stadt hat den Vertrag für den Liegeplatz gekündigt. Fotos: Helge Normann
Statt ihr Lebenswerk in neue Hände zu geben, wird Gastronomin Cornelia Süchting den „Traveblick“ vielleicht verschrotten müssen. Die Stadt hat den Vertrag für den Liegeplatz gekündigt. Fotos: Helge Normann

Text-Nummer: 176998    Autor: Helge Normann    vom 30.12.2025 15.01 Uhr

Kommentare zu diesem Text (11):

Normal

schrieb am 30.12.2025 15.46 Uhr:
Auch in diesem Falle geht es um Stupidität der Stadt Lübeck. Eine Interims Baugenehmigung könnte bei gutem Willen das Fortbestehen des schwimmenden einzigartigen Gastronomiebetriebes sichern.
Es geht einzig um Macht und Interessenlosigkeit. Die Fronten könnten mit einem Machtwort enthärtet werden.
In einer der wirtschaftlich unglückseligsten Epochen für die Gesamtwirtschaft und Gastronomie werden üble Spielchen des Verantwortungs Pingpongs weiter vorangetrieben. Die ausufernde gelebte Arroganz der durch eigens herbeigekreuzte Ideologieversessenheit der dafür verantwortlichen Wähler und ihre Parteiendogmen.
Mit nur einem Telefonanruf, einer EMail oder nettem Brief des Bürgermeisters gäbe es ein Fortbestehen dieser schönen Lokalität. Der doch so ständig in den Medien genutze Begriff Demokratie könnte in diesem Falle endlich dem Wunsche der Mehrheit nach mit Leben erweckt werden.

Bernd Pagel

schrieb am 30.12.2025 16.13 Uhr:
Travemünde verliert mehr als ein Restaurant. Mit dem „Trave Blick“ verschwindet ein Ort, der über 25 Jahre zum Seebad gehörte wie die Passat, die Promenade und der Blick auf ein- und auslaufende Schiffe. Und er verschwindet nicht, weil er wirtschaftlich gescheitert wäre, nicht wegen Lärms, nicht wegen Beschwerden – sondern wegen eines verwaltungstechnischen Niemandslands, das die Stadt selbst mitgeschaffen hat.

Das schwimmende Restaurant lag jahrzehntelang geduldet an der Vorderreihe. Jahr für Jahr verlängerte Verträge, Jahr für Jahr Betrieb, Gäste, Arbeitsplätze, Steuereinnahmen. Nun, da die 71-jährige Betreiberin Cornelia Süchting ihr Lebenswerk in neue Hände geben möchte, verweigert die Stadt genau das, was sie selbst über Jahrzehnte ersetzt hat: Planungssicherheit.

Die Begründung klingt offiziell, bleibt aber unerquicklich vage: „Genehmigungslage nicht gesichert“. Gleichzeitig erklärt die Stadt schriftlich, es liege keine Feststellung vor, dass das Vorhaben nicht genehmigungsfähig sei. Das ist kein Nein – es ist ein Schulterzucken mit weitreichenden Folgen. Denn ohne klaren Zeithorizont kauft niemand ein Restaurant, das jederzeit ablegen muss.

Besonders bitter: Unterstützung aus der Bevölkerung ist da. Rund 250 Gäste schreiben an die Stadtspitze. Kaufinteressenten stehen bereit – sogar aus Travemünde selbst. Und dennoch steuert alles auf das gleiche Ende hinaus: Schließung, Verschrottung, Verlust. Für die Inhaberin bedeutet das nicht Ruhestand, sondern Existenzangst. Für Travemünde bedeutet es ein weiteres austauschbares Stück weniger Identität.

Wer so handelt, kann sich nicht hinter Formalien verstecken. Wenn eine Nutzung über 25 Jahre möglich war, dann ist sie zumindest klärungsfähig. Verwaltung sollte Lösungen schaffen – nicht bewährte Orte entsorgen. Der Eindruck bleibt: Man lässt das „Trave Blick“ nicht gehen, man drückt es weg.

Und am Ende wird man sagen: Schade eigentlich.
Doch dann ist es zu spät.

Realist

schrieb am 30.12.2025 16.15 Uhr:
Die Widersprüche der Stadtargumentation

„Genehmigungslage nicht gesichert“
Gleichzeitig schreibt die Stadt selbst: „Es liegt keine Feststellung vor, dass das Vorhaben nicht genehmigungsfähig sei.“
Also weder genehmigt noch abgelehnt – aber faktisch verhindert.

Verweis auf fehlende Baugenehmigung
Über 25 Jahre Betrieb mit Wissen und Duldung der Stadt.
Warum wurde das Problem nie geklärt, solange der Betrieb lief?

Kündigung wegen fehlender Perspektive
Perspektive wäre vorhanden: Kaufinteressenten + Weiterbetrieb.
Die Stadt verhindert diese Perspektive durch nur einjährige Verträge.

Behauptung: Pächterin wolle nicht weitermachen
Richtig ist: Sie will verkaufen, nicht schließen.
Das wird kommunikativ verkürzt dargestellt.

Ungleiche Behandlung vergleichbarer Objekte
Hinweis der Betreiberin: Auch die „Passat“ habe keine klassische Genehmigung.
Warum wird dort eine Lösung gefunden, hier nicht?

Öffentliche Unterstützung ignoriert
Rund 250 Bürgerbeschwerden ohne erkennbare Reaktion oder Dialog.
Bürgerwille vs. Verwaltungsroutine.

Wolfgang Lexow

schrieb am 30.12.2025 17.16 Uhr:
Wo sind denn eigentlich die sonst überall rumtönenden Herren Schumann und Mauritz?

Mörtel W.

schrieb am 30.12.2025 17.46 Uhr:
Scheinbar handelt es sich ja hier nicht um Erbpacht. M. E. muss die Stadt es auch anderen Interessenten ermöglichen, sich um diesen Liegeplatz zu bewerben.
Vielleicht sollte ein möglicher Käufer sich zuerst als künftiger Pächter um diesen Liegeplatz bewerben und bei Erfolg danach das Hausboot kaufen, wenn er dann das Hausboot noch haben möchte und die Stadt dort für dieses Objekt eine erneute Genehmigung erteilt. Denn das Wertvolle als Grundlage für eine Investition scheint ja in erster Linie der Liegeplatz zu sein.

B. Beavan

schrieb am 30.12.2025 18.28 Uhr:
Es wäre schön, wenn man in dieser Stadt mal lösungsorientiert arbeiten würde - im Sinne der Menschen, die in und für sie arbeiten.
Es ist nur noch traurig.
Und die Ungleichbehandlung von einigen fasteonomischen Betrieben riecht doch sehr nach Vetternwirtschaft.
(...)
Fleißigen serviceorientierten Menschen wird das Leben schwergemacht.
Statt nach Lösungen für den Bürger und die Menschen zu suchen, die noch zu so etwas wie einem freundlichen Stadtbild beitragen, versteckt man sich hinter Vorschriften und Bürokratie.
Zum Verzweifeln!!!

OV

schrieb am 30.12.2025 18.50 Uhr:
Dies ist ein gutes Beispiel für die ungenügende Kommunikation von Behörden mit Bürgerinnen und Bürgern. Anstatt einen offenen Dialog zu führen verschanzen sich diese Damen und Herren hinter sperrigem Beamtendeutsch und verwickeln sich in diesem Fall obendrein noch in Widersprüche, sodass sich der Eindruck aufdrängt, dass die Behörden selbst nicht wissen was sie tun. Man gewinnt auch kein Vertrauen, wenn sich Bürgermeister, Stadtpräsident und Senatorin mit gleichgeschalteten Antwortschreiben offensichtlich verleugnen lassen.

Tobias Möller

schrieb am 30.12.2025 19.01 Uhr:
Mit dem richtigen Parteibuch würde es höchstwahrscheinlich keinerlei Probleme und jede Menge Unterstützung durch die Verwaltung geben.

Die schnelle Gerdi

schrieb am 30.12.2025 19.45 Uhr:
Es ist wohl kein Restaurant im das der ..... Bürgermeister von Lübeck geht.

Warum auch Arbeitsplätze erhalten....

Wieder schließt ein sehr gutes Restaurant, diesmal wegen Willkür der Herrschaften die in Lübeck im Rathaus sitzen

Wo ein Wille da, da ein Weg....

Stefan

schrieb am 30.12.2025 20.35 Uhr:
Wo sind die örtlichen Politiker um da zu unterstützen?

Antonius

schrieb am 30.12.2025 23.26 Uhr:
Das ist wie mit dem Fischtempel im Fischereihafen. Jede traditionelle Einrichtung wird dem Modernisierungswahn geopfert. Travemünde wird kurzfristig zur uniformen Seebadfratze umgestaltet. Man wird nicht mehr erkennen wo man gerade ist. Schaut euch das Baltique an, dies hat fast den Charme der Hamburger Hafencity.
Wie wohltuend ist es unsere Nachbarn in Dänemark zu beobachten. Dort wird auch modernisiert aber immer im Einklang mit der Tradition.
Neben der Systemgastronomie von Gosch, wäre doch sicher auch Mc Donalds, Burger King und Kentucky Fried Chicken dem Mainstram angenehme Anbieter.
Travemünde hat eine lange Geschichte der Fehlplanung, sonst gäbe es kein plüschiges Maritim Hotel. Sehr schade ist, dass es weiter geht. Am besten man lackiert die Passat in Regenbogenfarben.