Stromleitung: Umweltminister kommt ins Bartelsholz
Lübeck - Moisling: Am Freitag, den 9. Januar 2026, besucht Schleswig-Holsteins Umweltminister Tobias Goldschmidt auf Einladung des Bündnisses „Lübecker Stadtwald retten!“ das von der Rodung bedrohte Bartelsholz im Lübecker Stadtwald. Treffpunkt ist um 13.30 Uhr an der Wiese an der Moorgartener Straße 19. Anlass sind die geplante Stromtrasse der sogenannten Elbe-Lübeck-Leitung und die aktuelle Entwicklung im laufenden Planfeststellungsverfahren.Hintergrund des Besuchs ist eine neue Eskalation im Verfahren: Der Vorhabenträger TenneT weigert sich weiterhin, die von der Hansestadt Lübeck und der Bürgerschaft geforderte Nordumgehung des Bartelsholzes über Ackerflächen ernsthaft weiterzuverfolgen, so das Bündnis. Stattdessen bietet TenneT eine Überspannung des Waldes an, allerdings nur unter der Bedingung, dass die Stadt Lübeck ihre Forderung nach der Nordumgehung aufgibt.
Die Stadtverwaltung hat inzwischen eine Beschlussvorlage erarbeitet, die das Angebot der Überspannung von TenneT aufgreift. Dabei hatte die Lübecker Bürgerschaft erst am 24. Juli 2025 nahezu einstimmig beschlossen, auf eine Umgehung des Bartelsholzes hinzuwirken.
Aus Sicht des Bündnisses wäre es falsch und voreilig, diesen Beschluss nun zurückzunehmen, noch bevor eine transparente und vollständige Abwägung aller Alternativen vorliegt. Die Vorlage soll zunächst am 20. Januar 2026 im Ausschuss für Umwelt, Sicherheit und Ordnung (USO), anschließend im Hauptausschuss und schließlich am 29. Januar 2026 in der Bürgerschaft zur Abstimmung gestellt werden.
Auch eine Überspannung stellt aus Sicht des Bündnisses keine akzeptable Lösung dar. Für die Errichtung von drei bis zu 85 Meter hohen Masten müssten dennoch rund fünf Hektar Wald temporär gerodet werden. Zusätzlich würden etwa 1000 Quadratmeter dauerhaft versiegelt. "Die massiven Bauwerke würden den Wald deutlich überragen und das Landschaftsbild sowie den Boden nachhaltig beeinträchtigen und schädigen", kritisiert das Bündnis.
„Wir begrüßen ausdrücklich, dass Umweltminister Goldschmidt sich vor Ort ein eigenes Bild macht und mit uns in den Austausch geht“, sagt Sarah Kolbe vom Bündnis Lübecker Stadtwald retten!. „Die Entscheidung über die Trassenführung darf nicht unter Druck getroffen werden. Eine Überspannung bedeutet keinen Waldschutz, sie ist lediglich eine andere Form der Zerstörung.“
Das Bündnis bekräftigt, dass es den Ausbau erneuerbarer Energien und der Stromnetze grundsätzlich unterstützt. Gleichzeitig fordert es eine faire und sachgerechte Abwägung, bei der Klima-, Natur- und Artenschutz gleichrangig berücksichtigt werden. Eine Umgehung des Bartelsholzes würde den Wald vollständig erhalten und entspricht sowohl dem Bürgerschaftsbeschluss als auch den Zielen des Klima- und Naturschutzes. "Mit lediglich zwölf Prozent Waldanteil ist Schleswig-Holstein das waldärmste Bundesland Deutschlands und kann keinen weiteren Verlust intakten Waldes verantworten."
Das Bündnis ruft die Öffentlichkeit ausdrücklich dazu auf, den Termin am 9. Januar 2026 wahrzunehmen, sich selbst ein Bild vor Ort zu machen und die Gelegenheit zum direkten Austausch mit dem Umweltminister und dem Vorhabenträger TenneT zu nutzen.
Nachtrag (08.01.2026): Laut Veranstalter musste der geplante Besuch des Umweltministers Herrn Goldschmidt im Lübecker Stadtwald aufgrund der aktuellen Wetterlage abgesagt werden.

Am Freitag kommt der Umweltminister des Landes ins Bartelsholz. Foto: Harald Denckmann/Archiv
Text-Nummer: 177060 Autor: Bündnis/red. vom 04.01.2026 um 16.02 Uhr
