Grüne fordern Böllerverbot in der Innenstadt
Lübeck - Innenstadt: Die Grüne Fraktion Lübeck fordert ein flächendeckendes Böllerverbot in der Lübecker Altstadt, um Feinstaubbelastung, Verletzungen, Tierleid und Sicherheitsrisiken zu reduzieren. Die derzeitige Regelung sei unübersichtlich und kaum kontrollierbar.Dazu Kimberly D’Amico, Sprecherin für Sicherheit und Ordnung:
(")Wir sprechen uns entschieden für ein flächendeckendes Böllerverbot in der Lübecker Altstadt aus. Die derzeitige Regelung der Stadt ist aus unserer Sicht ungeeignet. Sie besagt, dass Mittel- und Großfeuerwerk nur mit Abstand von 200 Metern zu historischen und sensiblen Gebäuden und Kleinfeuerwerk wie Böller mit einem Abstand von 30 Metern zu eben diesen abgebrannt werden darf. Genau dies aber führt zu einem Flickenteppich aus verschiedenen Verbotszonen, der für Bürger*innen kaum nachvollziehbar ist und von Polizei sowie Ordnungsdienst realistisch nicht zu kontrollieren ist. Eine einheitliche Regelung würde dagegen Klarheit schaffen, den Vollzug erleichtern und den Schutz von Menschen, Tieren und Umwelt ernsthaft gewährleisten.
Ein Blick nach Lüneburg zeigt, dass es besser geht: Dort hat die Stadt ein umfassendes Feuerwerksverbot für die gesamte Altstadt sowie sensible Bereiche wie den Kalkberg und das Kloster Lüne beschlossen. Diese Lösung ist klar, verständlich und wirkungsvoll – sie schützt historische Bausubstanz, verringert die Belastung für Mensch und Tier und reduziert das Unfallrisiko erheblich. Lübeck sollte diesem Beispiel folgen. Gerade unsere denkmalgeschützte Altstadt, die zum UNESCO-Welterbe zählt, verdient einen besonderen Schutz vor Bränden, Vermüllung und Feinstaub. Die negativen Folgen der privaten Böllerei sind hinreichend bekannt: Jedes Jahr kommt es zu zahllosen Verletzungen, häufig mit schweren Hand- oder Augenverletzungen, die Notaufnahmen überlasten. Auch Feuerwehr und Polizei werden in der Silvesternacht massiv beansprucht – nicht selten kommt es zu Angriffen auf Einsatzkräfte. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hat mit ihrer Petition „Böllerverbot jetzt!“ bis jetzt 3,2 Millionen Unterschriften für ein Verbot von privatem Feuerwerk gesammelt. Hören wir doch auf jene, die in dieser Nacht am meisten mit den Folgen zu tun haben.(")
Silke Mählenhoff, umweltpolitische Sprecherin der Grünen Fraktion:
(")Darüber hinaus entsteht in der Silvesternacht eine extreme Feinstaubbelastung, die laut Umweltbundesamt der Luftverschmutzung mehrerer Wochen entspricht. Der Rauch und die Rückstände von Böllern und Raketen tragen erheblich zur Belastung der Atemluft bei.
Auch Tiere leiden enorm unter der Knallerei. Haustiere geraten in Panik, Wildtiere fliehen aus ihren Revieren, und viele Vögel verlieren in der Nacht die Orientierung. Hinzu kommen massive Müllprobleme, beschädigte Straßenbeläge und eine erhöhte Brandgefahr in der dicht bebauten Altstadt. Umweltverbände wie die Deutsche Umwelthilfe (DUH) fordern deshalb seit Jahren ein kommunales Umdenken und plädieren für lokale Feuerwerksverbote, insbesondere in historischen Innenstädten und sensiblen Gebieten.
Ein Warten auf ein bundesweites Böllerverbot ist für uns keine Option. Die Diskussion auf Bundesebene zieht sich seit Jahren hin, während Städte wie Lüneburg längst zeigen, dass kommunales Handeln möglich und sinnvoll ist. Lübeck sollte hier Verantwortung übernehmen und eigenständig tätig werden. Die rechtlichen Grundlagen sind vorhanden – Kommunen können im Rahmen des Sprengstoffrechts Verbotszonen ausweisen und so selbst entscheiden, wie sie ihre Altstadt schützen.
Silvester soll ein Fest der Freunde bleiben, niemand will das Feiern verbieten. Ein zentrales, professionell durchgeführtes Feuerwerk oder eine Drohnenshow wären schonende Alternativen.(")

Die Grünen fordern ein flächendeckendes Böllerverbot in der Innenstadt. Foto: JW/Archiv
Text-Nummer: 177109 Autor: Grüne vom 06.01.2026 um 17.50 Uhr
