Kurzer Wintersturm zieht über Lübeck

Lübeck: Seit Tagen wird über die Wetterlage am Freitag diskutiert. Harald Denckmann hat die vorliegenden Wettermodelle für den Raum Lübeck ausgewertet und gibt einen Überblick über die Entwicklung.

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In unserer Vorschau zum Jahreswechsel hatten wir ihn ja bereits angekündigt. Nach dem Sturm gleich Anfang Januar zieht nun am Freitag ein weiteres Sturmtief über unsere Region hinweg. Es trägt den schönen Namen 'Elli' und hat sich vom Atlantik kommend über den Britischen Inseln verstärkt und zieht jetzt mit Kern hinüber in die Niederlande. So wie es derzeit aussieht, wird es dort eine ganze Weile bleiben. Etwa 36 Stunden lang wird es, den Freitag eingeschlossen, in der in der Karte bezeichneten Position verharren. Erst am Samstagmittag wird es dann weiterziehen und im weiteren Verlauf des Samstages von nachrückendem höheren Luftdruck verdrängt.

Bis dahin könnte es für unsere Region kurz unangenehm werden. Niederschläge sind als Begleiterscheinung des Sturmtiefs zu erwarten, und die sind aufgrund der derzeit herrschenden Temperaturverhältnisse bei uns als Schneefall zu erwarten. Da wir am Freitag etwa 400 Kilometer vom Kern des Tiefdruckgebietes entfernt sein werden, müssen wir auch mit höheren Windgeschwindigkeiten rechnen. Nach derzeitigen Abschätzungen bedeutet das für die Region Lübeck eine kontinuierliche Windlast von etwa 5 bis 6 Bft mit begleitenden Böen, die maximal die Stärke 8 bis 9 Bft erreichen sollten.

Zusammen mit den erwarteten Schneefällen könnte das für den Verkehr aber trotzdem gefährlich werden, denn Schneeverwehungen sind bei dieser Lage der Dinge nicht auszuschließen. Insbesondere auf der Leeseite von Knicks bei Straßen, die quer zur Windrichtung verlaufen, ist große Achtsamkeit geboten. Auch wenn die zu erwartenden Mengen bei den meisten Vorhersagen bei etwa 10 bis 15 Zentimetern liegen sollten, können durch Verwehungen durchaus höhere Wechten entstehen. Dort hineinzufahren, kann dann doch vereinzelt sehr gefährlich werden.

Das gilt natürlich hauptsächlich für Autofahrer, die über Land unterwegs sein sollten. In den Städten sind die Räumdienste sicherlich den ganzen Freitag über unterwegs und werden es voraussichtlich schaffen, die Fahrbahnen freizuhalten. Auch hier könnte Schnee, der waagerecht fällt, allerdings auch gefährlich werden. Besonders Fußgänger und Radfahrer sollten sich dieser Gefahr gar nicht erst aussetzen, denn nicht alle Fahrbahnen werden komplett geräumt werden können. Man sollte auf alle Fälle seine Geschwindigkeit der Wetterlage anpassen. Der Hinweis ist banal, aber es liegen immer wieder Autofahrer mit Sommerreifen im Graben.

Spätestens am Samstagmittag entspannt sich dann die Lage. Bis zum Dienstag der kommenden Woche bleibt es dann auch tagsüber noch kalt. Danach ist tagsüber mit leichtem Tauwetter zu rechnen. Nur nachts wird der Gefrierpunkt dann noch einmal kurz angetestet.

Einige Bemerkungen noch zur Windrichtung. Durch die Lage des Sturmtiefs werden wir am Freitag vor allem kalte Winde aus Richtung Ost bekommen. Dadurch befürchten einige Meteorologen, dass der sogenannte 'Lake-Effekt' eintritt, der zu vermehrten Schneefällen in Schleswig-Holstein führen könnte. Ansätze dazu sind in den Prognosekarten durchaus zu erkennen, da das Sturmtief seine Lage am Samstag aber sehr schnell verändert, dreht auch die Windrichtung und die Schneefelder über der Ostsee zerstreuen sich wieder. Daher bleibt es dabei: eine Wetterberuhigung für unsere Region ist ab Samstagmittag zu erwarten.

Für Samstag ist auch ein höherer Wasserstand der Ostsee von 1 Meter über NN prognostiziert. Der sollte in Travemünde am Pegel kurz über sechs Meter liegen, das heißt, die Schwäne auf der Promenade bei Gosch bekommen ganz kurz einmal nasse Füße. Fahrzeuge in der Innenstadt sollten nicht in hochwassergefährdeten Gebieten abgestellt werden.

Markantes Winterwetter für einen Tag also, die Bezeichnungen 'Chaos' und 'Katastrophe' sollte man daher bei dieser Sachlage nach Möglichkeit vermeiden.

Dort, wo Schneewehen entstehen, ist großes Räumgerät gefragt. Foto: VG/Archiv, Grafik: Harald Denckmann

Dort, wo Schneewehen entstehen, ist großes Räumgerät gefragt. Foto: VG/Archiv, Grafik: Harald Denckmann


Text-Nummer: 177158   Autor: Harald Denckmann   vom 08.01.2026 um 15.22 Uhr

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