Trauer um den Traveblick
Lübeck - Travemünde: Archiv - 11.01.2026, 18.46 Uhr: „Grünkohl“ ist auf der Kreidetafel am Restaurant „Traveblick“ in verblasster Schrift zu lesen. Und darüber ganz groß „Von der Stadtverwaltung dauerhaft geschlossen“. Es gibt keinen Grünkohl mehr, die Fenster bleiben dunkel. Travemündes schwimmendes Restaurant ist Geschichte. Nach einem Vierteljahrhundert. Gäste waren darüber so traurig, dass sie Grablichter vor „ihr“ Restaurant gestellt haben. Auf der Stadtteilkonferenz im Seebad bemühte sich die Bausenatorin um eine Erklärung.
Das Thema „Traveblick“ hätte in diesem Jahr für Aufregung gesorgt, auch schon in den Medien (Wir berichteten), erklärte Joanna Hagen am Donnerstag (08.01.2026) auf der Travemünder Stadtteilkonferenz. „Wir haben zwischenzeitlich auch sehr viele Zuschriften bekommen von Menschen, die sich für den Erhalt des Traveblicks einsetzen möchten“, so die Leiterin des Fachbereichs Planen und Bauen.

Auf der Stadtteilkonferenz schaffte es der „Traveblick“ sogar in die Powerpoint-Präsentation.
Ein Restaurant mit langer Vorgeschichte
Der „Traveblick“, erklärte Fachbereichsleiterin Hagen, sei auf Pontons entstanden, die früher einer Werft gehört hätten. „Und die sich dann nach und nach zu einem Restaurationsbetrieb entwickelt haben.“ Wie vieles in Lübeck und Travemünde hätte es eine lange Vorgeschichte. „Wir haben den Vertrag, ich glaube ab 2008 oder so übernommen“, erläuterte sie. Und die Stadt hätte diesen Vertrag dann auch „der Nutzung zugewandt im Wesentlichen geduldet.“ Das mache man jetzt nicht mehr. „Wir haben jetzt das Nutzungsverhältnis zum 31.12. beendet“, so Joanna Hagen.

Keine Genehmigung, kein Nachfolger
„Hier geht es natürlich um die Genehmigungslage“, erläuterte die Fachbereichsleiterin Planen und Bauen. „Auf welcher Grundlage steht dort dieser Restaurationsbetrieb?“, fragte sie. Das sei aus Sicht der Stadt nicht mehr sicher. „Mit anderen Worten, die Baugenehmigung ist eben das Thema an der Stelle. Und das konnte bislang nicht bereinigt werden.“ Die Betreiberin wollte bekanntlich ihren Betrieb an einen Nachfolger weitergeben, der aber mehr als ein Jahr Planungssicherheit braucht. Zum Thema Nachfolge erklärte Joanna Hagen nun, die Stadt könne „natürlich einen solchen Pachtvertrag nicht verlängern, wenn nicht klar ist, ob das eine genehmigungsfähige und genehmigte Nutzung ist.“


Trauer und Fragen
In den sozialen Netzwerken überwiegt die Trauer um ein liebgewonnenes Restaurant. Da wird heute noch geschwärmt von der Scholle mit Kartoffelsalat, die man vor zwanzig Jahren dort gegessen hat. Viel wird gefragt, wie ein genehmigungsloses Lokal denn so lange habe existieren können. Andere möchten gern mal konkret wissen, was denn nun von der Stadt gefordert wurde. Es gibt auch Leser, die die Pflicht bei der Pächterin sehen. Und weitere, die ganz einfach handfeste wirtschaftliche Interessen hinter der ganzen Sache vermuten: „Wartet mal ab, da will jemand anders sein Geld machen“, schreibt einer.

Travemündes schwimmendes Restaurant „Traveblick“ ist nach gut 25 Jahren Geschichte, was für Trauer unter den Gästen sorgt. Fotos: Helge Norman
Text-Nummer: 177185 Autor: Helge Normann vom 11.01.2026 um 18.46 Uhr
