Grüne zur Stromtrasse: Lösung für das Bartelsholz finden
Lübeck - Moisling: In ihrer Sitzung hat sich die Grüne Fraktion erneut intensiv mit dem Bau der Überlandleitung des Netzbetreibers TenneT beschäftigt. Im Zuge des Projekts „Elbe-Lübeck-Leitung“ plant Tennet eine neue Stromtrasse, die auf einem Teilstück im Bereich des Bartelsholzes durch den Lübecker Stadtwald geführt werden soll.Bereits im Juli hatte sich die Lübecker Bürgerschaft mit großer Mehrheit gegen eine Durchquerung und damit verbundene Rodung von zehn Hektar wertvollen Waldes ausgesprochen und eine nördliche Umgehung favorisiert. Als Alternativvorschlag hatte die Firma TenneT zuletzt eine Überspannung des Waldes ins Spiel gebracht. Diese Variante soll nun der Bürgerschaft im Januar zur Entscheidung vorgelegt werden.
Ein für Freitag geplanter gemeinsamer Besuch des betroffenen Bartelsholzes mit Schleswig-Holsteins Energiewendeminister Tobias Goldschmidt, Netzbetreiber TenneT und der Initiative “Lübecker Stadtwald Retten!” musste witterungsbedingt kurzfristig abgesagt werden, soll aber zeitnah nachgeholt werden.
Dazu sagt der direkt gewählte Landtagsabgeordnete für Lübeck-Süd, Jasper Balke:
(")„Naturschutz darf nicht gegen Klimaschutz ausgespielt werden! Wir müssen bei der Energiewende schnell vorankommen, da wir günstige, verlässliche und klimaneutrale Energie in ganz Deutschland brauchen. Trotzdem darf im Flächenland mit dem geringsten Waldanteil und einer sich zuspitzenden Biodiversitätskrise ökologisch hochwertiger Wald nicht zerstört werden – gerade dann nicht, wenn Alternativen bestehen.
Dabei hat die Trassenführung am Bartelsholz die Chance, Präzedenzfall zur Vereinigung zwischen Natur- und Klimaschutz dank guter Absprache vor Ort zu werden. Die TenneT ist mit ihrer Bereitschaft, mehr Geld für die Trassenführung in die Hand zu nehmen, um besseren Naturschutz zu realisieren, bereits einen großen Schritt in Richtung der Hansestadt gegangen.
Die Bürgerschaft hat sich am 24.07.2025 mit großer Mehrheit für die Prüfung einer Umgehung des Bartelsholz ausgesprochen und damit den Erhalt der Forstfläche als unverkennbares Ziel formuliert. Es muss daher weiterhin Aufgabe der Stadtverwaltung sein, diesen Beschluss und das politisch formulierte Ziel umzusetzen. Wir erwarten deshalb, dass die Hansestadt die eigentumsrechtlichen Fragen auf der Alternativtrasse klärt und den Austausch mit den betroffenen Flächeneignern, sowie TenneT weiterhin sucht.
Es ist die Aufgabe der Politik, in dieser Frage alles zu unternehmen, um die beste Lösung für den Erhalt des Waldes und den vorhandenen Interessen zu finden. Damit schaffen wir Rechts- und Planungssicherheit mit minimalem Klagerisiko und verhindern zusätzliche Verzögerungen. Wir finden es wichtig, dass die Leitung schnellstmöglich kommt, auch um dazu beizutragen, ausreichende Netzkapazitäten für den in Schleswig-Holstein regenerativ erzeugten Strom zu haben.(")
Silke Mählenhoff, umweltpolitische Sprecherin der Grünen Fraktion Lübeck ergänzt:
(")Wir haben uns stets entschieden gegen die Variante der Durchquerung des Stadtwaldes ausgesprochen und sind froh, dass die große Mehrheit der Bürgerschaft dies auch so sieht. Der Lübecker Stadtwald ist ein über Jahrzehnte ökologisch bewirtschafteter, naturnaher Forst, der nicht nur eine zentrale Rolle für das Stadtklima und die Biodiversität spielt, sondern auch ein wichtiges Naherholungsgebiet für die Bürger ist. Eine Zerschneidung des Stadtwaldes und die Rodung von rund 10 Hektar Waldfläche sowie die damit verbundene Zerstörung von gewachsenen Ökosystemen und wertvollem Mischwald ist nicht hinnehmbar. Auch die von TenneT vorgeschlagene Überspannung des Waldes mit 85 Meter hohen Masten stellt einen erheblichen Eingriff in den Stadtwald dar. Hierfür müssten immer noch 5 Hektar Wald gerodet werden und die Trasse bliebe eine dauerhafte Wunde im Wald.
Wir erwarten, dass die Verwaltungsspitze sich klar und öffentlich für den Erhalt des Lübecker Stadtwaldes in seiner jetzigen Form positioniert und alle verfügbaren Optionen gründlich ausschöpft.
Wir haben hier ein einmaliges Waldprojekt, das bundesweit als Vorbild für nachhaltige Waldwirtschaft bekannt ist. Mit ca. 11,5 Prozent Waldanteil ist Schleswig-Holstein das waldärmste Flächenbundesland (Bundesdurchschnitt: 30 Prozent). Das aktuelle Ziel der Landesregierung ist es, den Waldanteil auf 12 Prozent zu erhöhen. Lübeck muss dieses Ziel mittragen und eine Rodung zugunsten von Infrastrukturprojekten kann nur der allerletzte Weg sein. Zunächst müssen alle alternativen Varianten vollumfänglich geprüft worden sein. Dies ist beim Bau der TenneT-Trasse derzeit noch nicht der Fall.
Der Ausbau der Stromtrassen ist ein elementarer Bestandteil der Energiewende. Wenn wir hierfür jedoch unsere raren und wertvollen Wälder opfern, treten wir beim Klimaschutz auf der Stelle.(")

Die Grünen fordern die Verwaltung auf, mit den Eigentümern der Flächen für eine Umgehung des Bartelsholzes zu sprechen. Foto: Bündnis Stadtwald retten
Text-Nummer: 177192 Autor: Grüne/red. vom 11.01.2026 um 11.55 Uhr

Kommentare zu diesem Text:
Matthias schlecht
schrieb am 12.01.2026 um 02.29 Uhr:
Es sollte in der heutigen Zeit selbstverständlich sein, dass Projekt zu realisieren und dabei den Wald zu erhalten!!! Gerade in diesem Falle, wo Alternativen möglich sind.
Heiko Stehmeier
schrieb am 12.01.2026 um 13.52 Uhr:
Lübeck sollte sich auch nicht auf ein Erdkabel einlassen, denn auch das würde wegen der notwendigen Trassenbreite für den Bau- und die spätere Reparaturmöglichkeiten zu einer ähnlichen Waldzerstörung führen! Das Waldstück sollte umgangen werden!
Rainer
schrieb am 12.01.2026 um 13.54 Uhr:
Hat nicht bereits der Habeck die Gesetze so "verbogen", dass sich der Naturschutz dem Klimaschutz und der Lobby von seinen "Grünstrominvestoren" unterzuordnen hat und alle Einwände von Bürgern möglichst rasch "abgebügelt" werden können?