SPD: Stadt soll Kosten für Verhütung wieder übernehmen
Lübeck: "Die Übernahme von Kosten für Verhütungsmittel ist eine entscheidende Aufgabe der Schwangerenberatungsstellen", so die Lübecker SPD. "Von Armut betroffene Frauen sind darauf angewiesen." Deshalb fordern die Sozialdemokraten eine Rücknahme der Einsparungen in diesem Bereich.Wir veröffentlichen die Mitteilung der SPD-Fraktion in der Bürgerschaft im Wortlaut:
(")Wir sind erschüttert, dass die Rathausmehrheit diese Mittel komplett gestrichen hat. Das hätten wir nicht vermutet, so Renate Prüß, sozialpolitische Sprecherin der Fraktion. Die Schwangerenberatungsstellen haben nicht nur in einem gemeinsamen Schreiben, sondern auch im Sozialausschuss im Mai 2024 sehr anschaulich ihre wichtige Arbeit dargestellt. Es blieb kein Zweifel daran, dass die Zuschüsse für Frauen für Verhütungsmittel (54.000) in Verbindung mit Beratung unverzichtbare Präventionsmaßnahmen der Schwangerenberatungsstellen sind. Die Beratungsstellen baten darum, die schon im Vorjahr gekürzten Mittel wegen des steigenden Bedarfs wieder auf 80.000€ aufzustocken. Stattdessen sind sie nun komplett gestrichen worden.
Die SPD-Fraktion hatte in ihrem Haushaltsbegleitbeschluss für 2026 eine Förderung von 80.000 € mit entsprechendem Vorschlag zur Gegenfinanzierung beantragt.
Auch wenn die Stadt Lübeck in den letzten Jahren eine „freiwillige“ soziale Leistung übernommen hat, für die dringend eine bundeseinheitliche Regelung notwendig ist: „Hier trifft die Streichung Lübecker Bürgerinnen und zwar Frauen und Familien mit geringem Einkommen. Das ist nicht nur sozial- sondern auch frauenpolitisch verwerflich, so Sandra Odendahl, gleichstellungs- und gesundheitspolitische Sprecherin der Fraktion. Verhütung ist nicht nur Schwangerschaftsverhütung, sondern auch Gesundheitsprävention.
In ihrer finanziellen Not versuchen Frauen, die Verhütungsmittel zu teilen oder zu strecken. So entstehen ungewollte Schwangerschaften, die psychisch belastend sind, gesundheitliche Risiken erhöhen und selbstverständlich auch Kosten verursachen. Hier hat die Rathausmehrheit erneut gezeigt, dass sie Prävention im psychosozialen Bereich nicht im Blick hat, ergänzt Sandra Odendahl.
Diese kurzsichtigen Sparmaßnahmen, die unabhängig von dem Leid der Betroffenen hohe Folgekosten im sozialen/gesundheitlichen Bereich einschließlich der Jugendhilfe haben, konterkarieren betriebswirtschaftlich ausgerichtete Bemühungen der nachhaltigen Kostensenkung: Lieber teuer „reparieren“ als günstig vorbeugen, ist eine vermeidbare Kostenfalle. Die setzt aber die Bereitschaft zum Umdenken und Umsteuern voraus. Die 54.000€ waren in der Vergangenheit gut investiertes Geld in die Familienplanung und die Selbstbestimmung von Frauen, so Renate Prüß.
Die SPD-Fraktion fordert die Rathausmehrheit auf, die Entscheidung zur Streichung der kompletten Mittel für Familienplanung zurückzunehmen, insbesondere wenn es den Schwangerenberatungsstellen nicht gelingt, Drittmittel dafür einzuwerben.
In einer Zeit großer Zukunftsängste, sinkender Geburtenraten, zunehmender Armut, steigender Gewalt gegen Frauen und der Anschlussfähigkeit vieler unzufriedener Menschen an rechtsextreme Gesinnung, sind solche Einsparungen das völlig falsche Signal von demokratischen Parteien.(")

Die SPD-Fraktion in der Bürgerschaft fordert eine Rücknahme der Einsparungen bei Verhütungsmitteln.
Text-Nummer: 177193 Autor: SPD/red. vom 11.01.2026 um 14.10 Uhr

Kommentare zu diesem Text:
Hannes
schrieb am 12.01.2026 um 06.43 Uhr:
Ich habe wenig Verständnis für die Behauptung, man könne sich Verhütungsmittel grundsätzlich nicht leisten. Eine Dreimonatspackung der Pille kostet je nach Präparat etwa 15 bis 60 Euro – das sind umgerechnet 17 bis 60 Cent pro Tag. Wer Grundsicherung erhält, bekommt Leistungen für den Lebensunterhalt, dazu gehört auch eine gewisse Eigenverantwortung.
Irgendwann hört es auch mit dem ständigen Fordern auf. Wenn für immer mehr persönliche Lebensentscheidungen eigene staatliche Zuschüsse verlangt werden, kann man genauso gut Beihilfen für die Hundesteuer, den Friseurbesuch oder andere Alltagsausgaben fordern. Der Sozialstaat ist keine Rundum-Vollkaskoversicherung.
Thorsten Fürter
schrieb am 12.01.2026 um 08.55 Uhr:
Es ist interessant, dass die SPD die Streichung der Mittel nicht erwartet hatte. War es doch der SPD-Bürgermeister, der die Streichung für die Haushaltsaufstellung vorgeschlagen hat. Reden die nicht miteinander?
In der Sache bleibt festzuhalten: Das hohe Defizit der Stadt zwingt zum Umsteuern. Wir haben mit dem Sparen gerade erst angefangen. Weitere Schritte werden folgen. Es ist alternativlos.
Hans
schrieb am 12.01.2026 um 10.07 Uhr:
Die Ausführungen sind wirr und in sich widersprüchlich. "Schwangerenberatungsstellen" sind per Definition für Schwangere zuständig - da war wohl nichts mit Verhütung. Und: "In Zeiten ... sinkender Geburtenraten...": Da ist doch gerade die Nicht-Verhütung ein probates Gegenmittel, oder ? Und was Rechtsextremismus damit zu tun hat - es ist mir nicht bekannt, dass die AfD das Mutterkreuz wieder einführen will. Aber vielleicht sorgt ja Herr Klüssendorf für die geforderte "bundeseinheitliche Lösung", da müsste sich doch im Sozialhaushalt von Bärbel Bas doch die eine oder andere Milliarde auftreiben lassen.
Jahrgang1953
schrieb am 12.01.2026 um 11.30 Uhr:
Wie hoch ist die monatliche Grundsicherung im Sozialamt?
Wie hoch ist die Grundsicherung? Die Grundsicherung bemisst sich nach der jeweiligen Regelbedarfsstufe der Sozialhilfe und den angemessenen Wohn- und Heizkosten sowie weiteren Aspekten. Der monatliche Grundbedarf für alleinstehende Erwachsene liegt derzeit (Stand März 2025) bei 563 Euro monatlich.
Zuzüglich Miete Heizung und Nebenkosten.
Ehrlich, das ist jammern auf hohem Niveau.
Man liest hier oft diese oder jene Partei "fordert".
Ja bitte wovon??? Deutschland ist pleite, kaputt gewirtschaftet.
Wenn man den größten Teil der Steuern zweckentfremdet ins Ausland verschleudert oder ins 17. Bundesland verschenkt wundert mich nix mehr.
Nachgefragt
schrieb am 12.01.2026 um 12.05 Uhr:
Jahrgang1953, ich stimme Ihnen zu 100 Prozent zu.
Ute
schrieb am 12.01.2026 um 12.08 Uhr:
Wer fordert die Verhütungsmittel vom Steuerzahler zu finanzieren lebt wohl auf einem anderen Stern es ist schlichtweg eine Unverschämtheit da fehlen einem langsam alle Worte.
Peter Menken
schrieb am 12.01.2026 um 13.11 Uhr:
Vielleicht könnten sich die Sozialdemokraten auch in dieser Sache mal vertrauensvoll an SPD-Bürgermeister Lindenau und SPD-Sozialsenatorin Steinrücke wenden, die diese Streichung im Haushalt vorgeschlagen haben.
Bir
schrieb am 12.01.2026 um 18.00 Uhr:
Ohne Worte, der Ehrliche ist doch immer der Dumme. Egal wo und wann.
Wir arbeiten und zahlen alles selbst. Dann müssen die Männer halt Kondome kaufen.
Pille von der Stadt, ich dachte zuerst an einen Aprilscherz.
Was für eine Anspruchshaltung.
Jane M.
schrieb am 13.01.2026 um 05.18 Uhr:
Bei den Kommentaren hier kriege ich echt das (...). So viel Missgunst.
Freuen sie sich wenn es für sie Peanuts sind. 50€ sind aber viel Geld. Und es ist ja eben nicht nur die Pille zu zahlen. Zudem darf auch nicht das ideale Präparat für jeden ist.
Und es gibt immer unerwartete Ausgaben. Am Ende muss man sich dann entscheiden. Und das ist bei manchen Verhütungsmitteln keine Option.
Einsparung 64.000€/Jahr. Geholfen werden konnten damit über ca 350 Bedürftigen pro Jahr.
Eine ambulante Betreuung in der Jugendhilfe kostet bereits ~ 1.000€/Monat.
Wenn durch diese Einsparung nur 6 Familien am Ende Hilfe benötigen, ist es bereits teurer geworden. Muss ein Kind am Ende in eine Pflegestelle sind es noch weniger. Kommt ein Kind dadurch in ein Heim, ist es genau 1 einziges Kind um die Einsparung aufzufressen.
Alle hier sehen nur bis zur Nasenspitze. Das reicht es nichtmal bis zum Tellerrand.
Verstehe
schrieb am 14.01.2026 um 23.00 Uhr:
Jahrgang1953 hat recht!
Es wird auf sehr hohem Niveau gefordert, obwohl die Grundsicherung und fast alle weiteren Kosten vom Sozialstaat getragen werden!
Letztendlich lohnt sich die normale Arbeit nicht mehr, selbst mit dem Mindestlohn ist man schlechter gestellt als wenn man Grundsicherung bezieht!
Otto Schneider
schrieb am 15.01.2026 um 04.43 Uhr:
Danke @ Jane
Die Menschen,
meist männlich und wohl auch gut "betucht",
kritisieren hier etwas,
was sie selbst noch nie fühlen mussten: weibliche Armut, verursacht vom (alltäglichen, oft unbewussten) Patriarchismus.
Auf Kosten vom Wohl der Kinder und Frauen auf diese Art zu sparen,
ist derart kurzsichtig und wird der Gesellschaft bald auf die Füße fallen.
Ungewollte Schwangerschaft, zudem aus Armut,
ist kein individuelles Schicksal,
sondern eine von maßgeblich reichen, weißen Männern geführte Politik,
vor allem von vornehmlich wirtschaftsorientierten Parteien,
denen gewisse Bevölkerungs-"Schichten" relativ gleichgültig sind.
Aber:
Eine Gesellschaft kann nur gewinnen und gelingen,
wenn alle Beteiligten mitgenommen werden!
Stichwort:
Soziale Unruhen...