Polarlichter über Lübeck
Lübeck: Die klirrend kalte, aber sternklare Nacht nutzten am Samstagabend eine Handvoll hart gesottener Astrofotografen der Sternwarte Lübeck, um bei –10 Grad ihrem Hobby nachzugehen. Nach den Schneefällen der Tage zuvor waren die Bedingungen des "Rückseitenwetters" ideal, und je kälter die Temperatur, desto weniger Luftbewegung und Luftfeuchte stören das "Seeing".
Kurz vor Mitternacht schallte es plötzlich "Polarlicht" über das Feld, etwas außerhalb der Lübecker Lichtglocke, und tatsächlich begann damit ein enorm starker Ausbruch des auch Aurora Borealis genannten Naturphänomens. Zunächst war nur ein kräftiger hellgrauer Bogen knapp über dem Horizont zu sehen, der sich fotografisch als grünes Rekombinationsleuchten des Sauerstoffs in der unteren Erd-Atmosphäre zu erkennen gab. Etwas später konnten dann bereits die ersten hoch in den Himmel ragenden Spikes mit dem bloßen Auge gesehen werden, und davon gleich mehrere gleichzeitig. Während die Spikes über den Himmel tanzten, verstärkte sich die Intensität des Polarlichts immer weiter, und kurze Zeit später "brannte" der Himmel in deutlich sichtbaren, kräftig rot-violetten Farben. Etwa 30 Minuten später war der Spuk auch schon wieder vorbei.
Polarlichter entstehen, wenn sich aufgrund starker Sonnenaktivität Plasma von der Sonne löst (sogenannte Sonnenwinde) und schließlich auf das Erdmagnetfeld trifft. Das Erdmagnetfeld leitet die elektrisch geladenen Teilchen zu den Erdpolen, wo sie in der Atmosphäre mit Sauerstoff- und Stickstoffmolekülen kollidieren und diese ionisieren (Elektronen werden aus den Molekülen gelöst). Die nun positiv geladenen Moleküle vereinen sich dann wieder mit den negativ geladenen Elektronen, wobei überschüssige Energie in Form von Photonen (Licht) in charakteristischen Wellenlängen emittiert wird. Dieses Rekombinationsleuchten nehmen wir als Polarlicht wahr.

Die Polarlichter waren deutlich zu erkennen. Fotos: Fotografen der Sternwarte Lübeck
Text-Nummer: 177198 Autor: Martin Schroeder vom 11.01.2026 um 13.33 Uhr

Kommentare zu diesem Text:
HannaH Rau, Lübecker WortWerft
schrieb am 12.01.2026 um 14.42 Uhr:
Weitere beeindruckende Aufnahmen der "Fachgruppe Digitale Astrofotografie" der Sternwarte Lübeck gibt es übrigens gerade in der Lübecker WortWerft in der Dankwartsgrube 39/41 zu sehen. Finissage ist am 31. Januar um 19 Uhr.