Stromtrasse durch den Stadtwald: Bündnis warnt vor vorschnellen Beschlüssen
Lübeck: Archiv - 15.01.2026, 12.59 Uhr: Im kommenden Lübecker Umweltausschuss (20.01.) und in der Bürgerschaftssitzung (29.01.2026) steht eine weitreichende Entscheidung an, teilt das „Bündnis Lübecker Stadtwald retten!“ mit: „Der Netzbetreiber TenneT drängt auf eine Überspannung des Lübecker Stadtwaldes und fordert die Stadt auf, von der möglichen Nordumgehung des Waldes abzurücken, obwohl diese Alternative bislang nicht ernsthaft geprüft wurde.“Das Bündnis weiter: („) Sollte die Stadt der Überspannung jetzt abschließend zustimmen, wird damit faktisch ohne Prüfung die Nordumgehung verhindert. Eine echte Abwägung der Alternativen wäre dann nicht mehr möglich. Das Bündnis für den Erhalt des Lübecker Stadtwaldes hält dieses Vorgehen für inakzeptabel. TenneT hat die Nordumgehung bisher nur unzureichend der Planfeststellungsbehörde vorgelegt. Damit eine fundierte Entscheidung möglich ist, muss die Alternative konkret und vollständig geprüft werden. Eine Zustimmung zur Überspannung des Waldes darf die Stadt als Waldeigentümerin erst dann erteilen, wenn die Umgehungsvariante offiziell geprüft und begründet abgelehnt wurde.
Breite Unterstützung aus der Bevölkerung
Über 6.000 Bürger haben sich in einer Petition klar für den Erhalt des Lübecker Stadtwaldes und für die Nordumgehung ausgesprochen. Diese Stimmen dürfen in einem demokratischen Prozess nicht übergangen werden. Die Haltung des Bündnisses Lübecker Stadtwald retten ist klar: Wir stehen hinter der Energiewende und dem schnellen Ausbau der Stromtrasse, aber nicht auf Kosten von Klimaschutz, Biodiversität und einem gewachsenen, artenreichen Wald. Der Lübecker Stadtwald wird seit über 30 Jahren naturnah bewirtschaftet, ein international anerkanntes Leuchtturmprojekt. Er ist ein wichtiges Naherholungsgebiet, ein großer CO₂-Speicher und beherbergt zahlreiche Tier- und Pflanzenarten sowie wertvolle Strukturen, darunter über 60 sogenannte Biotopbäume. Entgegen der Darstellung von TenneT handelt es sich nicht um eine Kiefern-Monokultur.
Schleswig-Holstein ist mit nur rund 11,5 % Waldanteil das waldärmste Bundesland Deutschlands. Jeder weitere Waldverlust verschärft die Klima- und Biodiversitätskrise.
Warum die Rodung des Waldes nicht nachvollziehbar ist:
− Die Nordumgehung des Waldes ist wirtschaftlich mit der Querung des Waldes vergleichbar, da die Strecke ähnlich lang ist
− Es wären ähnlich viele Strommasten erforderlich
− Bei der Nordumgehung wären nur wenige zusätzliche Landwirte betroffen. Diese würden entschädigt und könnten weiterhin um die Masten herumwirtschaften.
Bislang hat weder TenneT noch die Hansestadt Gespräche mit den Landwirten geführt. Klimaschutz in Lübeck darf nicht am Vermeiden einer einfach zu realisierenden Alternative scheitern oder gar an einer angemessenen und gesetzlich vorgesehenen Entschädigung für sehr wenige teilbetroffene private Kleinstflächen. Demgegenüber stehen bei einer Waldquerung:
− Mindestens 5 Hektar Rodung im Wald für Bauarbeiten
− Einsatz schwerer Maschinen mit Bodenverdichtung
− Der Waldausgleich erfolgt auf weit entfernten Kleinstflächen
− Die Rodung einer seit 10 Jahren bestehenden Ausgleichsfläche, welche für einen Hotelneubau auf dem Priwall gepflanzt wurde
− Enorme Zusatzkosten durch Waldersatzforderungen, dauerhaftes Flächenmanagement und gegebenenfalls höhere Masten
Das wirft eine grundsätzliche Frage auf: Warum werden in Zeiten akuter Biodiversitätskrise private, weiterhin nutzbare Ackerflächen höher gewichtet als ein alter, ökologischer wertvoller Wald im Gemeinbesitz? Aktuelle Gespräche und Vor-Ort-Termin Der geplante Infospaziergang mit dem Umweltminister Tobias Goldschmidt und TenneT konnte witterungsbedingt bislang nicht stattfinden. Umso wichtiger ist der nun anstehende Termin: Am 12. März um 14:30 Uhr Besuch von Umweltminister Tobias Goldschmidt im Bartelsholz, den betroffenen Teil des Lübecker Stadtwaldes. Bereits am Montag fand ein Telefonat zwischen Vertretern des Bündnisses und Umweltminister statt. Am Mittwochabend folgte ein persönliches Treffen zwischen dem Bündnis und TenneT. Diese Gespräche zeigen: Die Diskussion ist noch nicht abgeschlossen und sie darf auch nicht vorschnell beendet werden.
Die Forderung des Bündnisses:
− Ernsthafte Prüfung der Nordumgehung
− Keine Vorfestlegung durch eine Zustimmung zur Überspannung
− Respekt vor den über 6.000 Stimmen für den Erhalt des Lübecker Stadtwaldes
Die Petition kann weiter unterzeichnet werden: openpetition.de.
Die gesammelten Unterschriften für den Erhalt des Lübecker Stadtwaldes werden am 12. März persönlich an Umweltminister Tobias Goldschmidt übergeben.
Fazit: Das Ziel der Stromtrasse ist es, die Windenergie aus dem Norden in den Süden zu transportieren, ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz. Doch Klimaschutz darf nicht bedeuten, wertvolle Wälder zu zerstören, wenn eine realistisch umsetzbare Alternative zur Verfügung steht. Denn: Waldschutz ist Klimaschutz. („)

Sollte die Stadt der Überspannung jetzt abschließend zustimmen, wird damit faktisch ohne Prüfung die Nordumgehung verhindert, argumentiert das Bündnis. Foto: Archiv
Text-Nummer: 177275 Autor: Bündnis/red. vom 15.01.2026 um 12.59 Uhr
