GEW: Brand in der Hafenstraße gehört in den Unterricht

Lübeck: Archiv - 18.01.2026, 11.36 Uhr: Zum 30. Jahrestag der Brandkatastrophe in der Lübecker Hafenstraße fordert die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Lübeck das Thema auch im Schulunterricht zu behandeln.

Wir veröffentlichen die Mitteilung der GEW Lübeck im Wortlaut:

(")Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Lübeck fordert anlässlich des 30. Jahrestages des Brandanschlags auf das Asylbewerberheim in der Lübecker Hafenstraße, dieses Ereignis verbindlich im Unterricht zu behandeln. Der Anschlag wurde am 18. Januar 1996 verübt und jährt sich in diesem Jahr zum dreißigsten Mal. Er zählt bis heute zu den schwersten rassistisch motivierten Gewalttaten in der Geschichte der Bundesrepublik.

Die GEW Lübeck betont die besondere Verantwortung von Schulen, junge Menschen für gesellschaftliche Entwicklungen zu sensibilisieren und ihnen historisches Bewusstsein zu vermitteln. Der Brandanschlag ist ein zentraler Bestandteil der Lübecker Stadtgeschichte und ein Mahnmal für die Gefahren von Rassismus, Ausgrenzung und rechter Gewalt.

„Wenn wir wollen, dass Schüler demokratische Grundwerte verinnerlichen, müssen wir ihnen auch die historischen und gesellschaftlichen Hintergründe vermitteln, die zeigen, wohin Rassismus führen kann“, erklärt Ulli Lessin von der GEW Lübeck. „Der Anschlag in der Hafenstraße gehört untrennbar zu Lübecks Geschichte – und damit in den Unterricht.“

Die GEW Lübeck sieht in der schulischen Auseinandersetzung mit dem Brandanschlag einen wichtigen Beitrag zur Stärkung demokratischer Kultur. In den vergangenen Tagen hat die GEW selbst einen aktiven Beitrag geleistet, indem sie für Schulklassen den Dokumentarfilm „Tot in Lübeck“ gezeigt hat. Der Film beleuchtet die bis heute nicht aufgeklärten Ermittlungen nach dem Anschlag, bei dem zehn Menschen ums Leben kamen. Während Spuren ins Neonazi-Milieu nicht verfolgt wurden, konzentrierten sich die Ermittlungen auf den Asylbewerber Safwan Eid. In der Dokumentation kommen sowohl der damalige Staatsanwalt als auch Eids Verteidigerin ausführlich zu Wort; kommentiert wird das Geschehen vom Kabarettisten Dietrich Kittner.

Die GEW betont, dass Erinnerung nicht musealisiert werden darf, sondern lebendig bleiben muss – besonders in Zeiten, in denen rassistische und menschenfeindliche Positionen wieder lauter werden. „Wer die Zukunft gestalten will, muss die Vergangenheit verstehen“, so Lessin. „Wir schulden den Opfern, den Überlebenden und der Stadtgesellschaft, dieses Kapitel nicht zu verdrängen, sondern aktiv aufzuarbeiten – auch und gerade in der Schule.“(")

Die GEW Lübeck fordert, die Brandkatastrophe auch im Schulunterricht zu thematisieren. Foto: Archiv

Die GEW Lübeck fordert, die Brandkatastrophe auch im Schulunterricht zu thematisieren. Foto: Archiv


Text-Nummer: 177309   Autor: GEW/red.   vom 18.01.2026 um 11.36 Uhr

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