Galgenfrist für das Bartelsholz
Lübeck - Moisling: Der Ausschuss für Umwelt, Sicherheit und Ordnung hat es sich nicht leicht gemacht am Dienstagnachmittag im Sitzungssaal 7. Stock im Verwaltungszentrum an der Kronsforder Allee. Auf der Tagesordnung stand die geplante Stromtrasse durch das Bartelsholz in Moisling. Am Ende gab es einen Kompromiss. Das Thema wird im April wieder aufgegriffen.Es ging um den Lübecker Stadtwald, und zu diesem Thema hatten sich etwa 40 interessierte Bürger aus den unterschiedlichsten Initiativen eingefunden, sodass zunächst einmal weitere Stühle in den Sitzungssaal geholt werden mussten. Unter den Zuschauern auch Stadtpräsident Henning Schumann, der sich aus erster Hand informieren wollte, was demnächst in Hauptausschuss und Bürgerschaftssitzung auf der Tagesordnung stehen wird. Und noch mehr Prominenz hatte sich angesagt. Aus dem Ministerium für Energiewende, Klimaschutz, Umwelt und Natur war Staatssekretär Joschka Knuth dabei, und für den Projektentwickler TenneT sprach vor allem Philipp Schröder, dort zuständig für Planung und Genehmigung der Elbe-Lübeck-Leitung.
Für die soll, wie inzwischen wohl alle wissen, eine breite Schneise durch das Bartelsholz geschlagen werden, das dem Lübecker Stadtwald angehört, der für sein richtungsweisendes Waldkonzept seit Ende des vergangenen Jahrhunderts Weltruf genießt. Erst kürzlich war der ehemalige Leiter des Stadtwaldes von der Beratung der Regierung in Georgien zurückgekehrt. Es gibt die Freunde des Lübecker Stadtwaldes und ein „Bündnis Lübecker Stadtwald retten“, das von zahlreichen Initiativen getragen wird und mit Demonstrationen, Informationen und Menschenketten auf die drohende Abholzung im Bartelsholz aufmerksam gemacht hat.
Die Lage ist festgefahren. Leidenschaftlich warben Joachim Schulz vom Naturschutzbeirat und Jörg Baeskow vom Bündnis für die Konkretisierung der sogenannten Nordtrasse, die eine Schneise durch den Wald verhindern würde, weil die Masten dann über Ackerflächen führen würden.
Stimmen Sie der Vorlage nicht zu, rief Jörg Baeskow in den Saal, hier stehen sich 1000 Quadratmeter Ackerland und 50 000 Quadratmeter Wald gegenüber". Doch Projektentwickler TenneT wollte da nicht ran. Projektleiter Philipp Schröder argumentierte, dass man einen genehmigungsfähigen Vorschlag bereits eingebracht hat. Dann lernten alle von Staatssekretär Joschka Knuth dazu, dass das Ministerium letztlich gar nicht über die Planung entscheidet, sondern das Amt für Planfeststellung Energie, das dem Ministerium zwar zugeordnet ist, aber unabhängig entscheidet und vor allem prüft, ob der von den Planern gestellte Antrag genehmigungsfähig ist. Dieses Amt gibt es seit 2013.
TenneT bietet nun an, einen neuen Antrag zu stellen, der eine Überspannung des Bartelsholzes vorsieht und einen geringeren Eingriff in den Waldbestand bedeuten würde. Eine komplette Umgehung des Waldes werden sie nicht vorschlagen, weil sie diese Variante nach Aussagen von Projektleiter Schröder nicht für genehmigungsfähig halten.
Bei Ablehnung der Vorlage hätte nun gedroht, dass die für den Wald und seine Unterstützer schlimmste Variante durchgeführt wird. In dieser Situation stellte Ausschussmitglied Kimberley d'Amico von den Grünen den Antrag, der im Prinzip beinhaltet, dass man sich erst noch einmal verstärkt für eine Nordtrasse einsetzt und den Erwerb von Flächen für eine Nordumgehung des Waldes unterstützt. Viele Ausschussmitglieder waren der Meinung, dass diese Variante noch nicht hinreichend konkret geprüft worden war. Sollte all das nicht realisierbar sein, will man sich für eine Überspannung mit höheren Masten einsetzen. Das alles soll bis zum Ende des ersten Quartals 2026 realisiert werden.
Vor diesem Hintergrund gab die Vorsitzende Silke Mählenhoff bekannt, dass der Ausschuss nach dieser Phase im April wieder zusammentritt. In dieser Sitzung wird dann dem Ausschuss über das Ergebnis der Bemühungen zu berichten sein. Die endgültige Entscheidung über den Trassenverlauf ist also erst einmal vertagt.
Im Original-Ton hören Sie ein Interview von Harald Denckmann mit Kimberley d'Amico von den Grünen.
Im Ausschuss für Umwelt, Sicherheit und Ordnung der Bürgerschaft wurde umfassend über die Möglichkeiten der Stadt diskutiert. Fotos, O-Ton: Harald Denckmann
Hier hören Sie den Originalton:
Text-Nummer: 177365 Autor: Harald Denckmann vom 20.01.2026 um 22.14 Uhr
