Haus Seeblick: Abriss-Zoff am Abgrund
Lübeck - Travemünde: „Achtung Wegesperre“ und „Umleitung“: Wanderer am Brodtener Steilufer sind solche Schilder im Bereich des „Haus Seeblick“ längst gewohnt. So schnell wird sich daran auch nichts ändern. Die Stadt will den Abriss, der Eigentümer reißt nicht ab. Die Umleitung über Brodten möchte aber auch kaum jemand auf sich nehmen. Ein inoffizieller Trampelpfad hinter dem Gebäude zeugt davon.
Minustemperaturen und eisiger Wind halten die vielen hundert Spaziergänger nicht auf, die hoch oben am Steilufer zwischen Travemünde und Niendorf unterwegs sind. Ein Hindernis ist dabei das ehemalige Jugendfreizeitheim „Haus Seeblick“. Es steht schon lange so dicht am abbrechenden Steilufer, dass man vor dem Haus nicht mehr entlanggehen kann. Der Weg ist gesperrt. Ein Ärgernis auf der beliebten Wanderroute.

Stadt hat kein Vorkaufsrecht
Der letzte Betreiber, ein Verein, hatte es an einen Privatmann verkauft. Ein Vorkaufsrecht hat die Stadt dort nicht, erklärte Bürgermeister Jan Lindenau auf eine Nachfrage aus dem Publikum bei der jüngsten Stadtteilkonferenz Anfang Januar.

„Wir gehen bauordnungsrechtlich gegen den Eigentümer vor“
Ein anderer Bürger hakte auf der Stadtteilkonferenz im Seebad nach. Man müsse einen großen Umweg fahren, „weil die Frage des Gebäudes noch nicht geregelt ist“. Warum das so sei. Die Antwort gab Bürgermeister Jan Lindenau: „Das Gebäude ist Privateigentum“, erläuterte er. „Der Eigentümer ist aufgefordert, den Rückbau zu organisieren. Weil es einsturzgefährdet ist, gutachterlich bestätigt“, so der Bürgermeister. „Im Moment gehen wir bauordnungsrechtlich gegen den Eigentümer vor, damit die Sicherung erfolgt.“ Damit dann über den Weg gesprochen werden könne.

Hinter dem Haus ist Privatgrundstück
Zum „Haus Seeblick“ gehört auch ein großes Grundstück, sodass sich der Wanderweg nicht einfach hinter dem Haus entlangführen lässt. „Solange der Eigentümer seine Fläche nicht freigibt und insbesondere das Risiko abräumt, können wir da im Moment auch keine andere Wegeführung anbieten“, sagte Bürgermeister Jan Lindenau. Auf einen Einwand aus dem Publikum verdeutlichte er: „Ich weiß nicht, ob Sie ein Grundstück haben. Aber wenn ich jetzt zu Ihnen komme und sage: Darf ich jetzt sämtliche Fußgänger über Ihr Grundstück leiten? Dann schreien Sie bestimmt nicht Hurra. Und das tut der Eigentümer auch nicht.“

Spaziergänger gehen über Privatgelände
Freigabe hin oder her, in der Praxis gehen die wenigsten die ausgeschilderte Umleitung. Ein Trampelpfad hinter dem Gebäude zeugt davon. Er ist mittlerweile so gut ausgetreten, dass er wie ein normaler Weg wirkt. Den wenigsten Spaziergängern dürfte klar sein, dass sie über Privatgelände laufen. Viele bleiben dann noch einmal stehen, sehen sich an, wie wenig Land es nur noch bis zur Abbruchkante ist.
Steilufer arbeitet weiter
Wer die Treppe hinunter ans Wasser nimmt, kann sehen, dass das Steilufer weiterarbeitet. Sobald es das Fundament erreicht, wird man wahrscheinlich Risse in den Wänden sehen, vielleicht fällt die seeseitige Wand zuerst. Mauersteine, Dachpfannen und Balken werden ein schwer zu bergendes Trümmerfeld im Naturschutzgebiet bilden. Sofern das Gebäude nicht doch vorher zurückgebaut wird.

Während um den Abriss gerungen wird, arbeitet sich das Steilufer weiter an das Haus heran. Fotos: Helge Normann
Text-Nummer: 177434 Autor: Helge Normann vom 26.01.2026 um 18.03 Uhr
