Kleingärten: Grüne lehnen Konzept der Verwaltung ab
Lübeck: Die Grünen lehnen das von der Verwaltung vorgelegte Kleingartenentwicklungskonzept in seiner derzeitigen Form ab. Daher beantragt die Grüne Fraktion einer Mitteilung zufolge gemeinsam mit CDU und FDP in der kommenden Sitzung der Lübecker Bürgerschaft mit einem Änderungsantrag ein faires, transparentes und beteiligungsorientiertes Vorgehen bei der künftigen Planung von Kleingartenflächen.Wir veröffentlichen die Mitteilung der Grünen im Wortlaut:
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Silke Mählenhoff, umweltpolitische Sprecherin der Grünen Fraktion: „Ein zentraler Grund, warum wir das Konzept der Verwaltung ablehnen, ist die dort vorgesehene Klassifizierung und öffentliche Benennung von Kleingartenvereinen, deren Flächen perspektivisch zur Umnutzung vorgesehen sind. Ein solches Etikett wirkt für die betroffenen Vereine verheerend und sogar existenzbedrohend. Potenzielle Mitglieder und Pächter werden abgeschreckt, wenn sie glauben müssen, ihre Parzelle bald wieder zu verlieren. Wir sehen die Entscheidungshoheit über Veränderungen oder die Aufgabe von Flächen einzig bei den Kleingartenvereinen selbst – nicht bei der Verwaltung. Das ist bereits die bestehende Regelung, die wir auch beibehalten wollen, und die durch eine öffentliche Klassifizierung aber de facto unterlaufen werden würde.
Entsprechend werden wir in der Bürgerschaftssitzung beantragen, sämtliche Kleingartenflächen auch als solche und dauerhaft im Flächennutzungsplan festzuschreiben und damit die Entscheidung über die Flächen vollständig in die Hände der Vereine zu legen. Statt kleinteiliger Bewertungen und Etikettierungen setzen wir auf Vertrauen, Kooperation und Freiwilligkeit. Kleingärtner haben über Jahre hinweg mit großem Engagement, Eigenleistung und Vertrauen in die Stadt ihre Parzellen gepflegt und entwickelt. Diese Verantwortung verdient Respekt – keine bürokratische Bewertung ihrer Zukunftsfähigkeit. Wo Vereine selbst Veränderungen wünschen, soll die Stadt wie bisher unterstützend und partnerschaftlich begleiten.
Darüber hinaus fordern wir mit unserem Antrag, dass die Neuaufstellung des Flächennutzungsplans und die Freiraumentwicklung in Lübeck gemeinsam mit den Bürgern diskutiert werden. Der Freiraumentwicklungsplan ist eine zentrale Grundlage für die Beurteilung des Kleingartenkonzepts. Er muss endlich öffentlich vorgelegt und in die Stadtteildebatten einbezogen werden. Eine zukunftsfähige Freiraumplanung gelingt nur, wenn die Menschen vor Ort ihre Ideen und Bedürfnisse einbringen können.”
Dr. Axel Flasbarth, Co-Fraktionsvorsitzender, ergänzt: „Auch halten wir es nicht für sinnvoll, jetzt zusätzliche Flächen für weitere Kleingärten zu schaffen. In praktisch allen Kleingartenvereinen und Stadtteilen gibt es zurzeit Leerstand und freie Parzellen, sodass wir hier keinen weiteren Bedarf sehen. Zudem streben wir zusätzliche Bautätigkeit gerade im Innenbereich der Stadt an, um den sehr angespannten Lübecker Wohnungsmarkt zu entlasten. Die vorgeschlagene Umwidmung von Bauland zu Kleingartenflächen lehnen wir daher ebenfalls ab. Äußerst kritisch sehen wir auch den Vorschlag von Bürgermeister Lindenau, die Selbstverwaltungskosten des Kleingartenverbandes aus dem ohnehin schon stark belasteten städtischen Haushalt zu finanzieren. Auch alle anderen Vereine müssen ihre Verwaltungskosten selbst tragen. Bei jährlichen Selbstverwaltungskosten von rund 40.000 Euro und circa 8.000 Pächtern reden wir über eine Belastung von nur etwa 5 Euro pro Jahr und Pächter (entspricht gut 40 Cent pro Monat) – das ist absolut zumutbar. Besonders unverständlich ist dieser Vorschlag von Herrn Lindenau, da er erst im November den wahrscheinlich größten Sozialkahlschlag in Lübecks Geschichte vorgeschlagen hat.
Gemeinsam mit CDU und FDP konnten wir glücklicherweise das allermeiste (aber leider nicht alles) davon verhindern. Aber jetzt aus städtischen Mitteln den Kleingartenverband für Aufgaben zu subventionieren, die zum Standard jedes Vereines gehören, ist vor diesem Hintergrund für uns in keiner Weise nachvollziehbar. Wir wollen Kleingärten als Teil einer lebenswerten, grünen Stadt sichern und zukunftsfähig aufstellen, aber eigenverantwortlich, ohne städtische Bevormundung, Vorverurteilung und zusätzliche Belastungen für den Haushalt.
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Die Grünen lehnen das von der Verwaltung vorgelegte Kleingartenentwicklungskonzept in seiner derzeitigen Form ab. Foto: Archiv/HN
Text-Nummer: 177509 Autor: Grüne/red. vom 28.01.2026 um 16.17 Uhr
