Rennpiste Gneversdorfer Weg: Stadt sieht keine Problematik

Lübeck - Travemünde: Vor seinem Haus am Gneversdorfer Weg hat Norbert Borszcz innerhalb weniger Monate sieben Unfälle selbst mitbekommen. Travemündes Zufahrt sei besonders am Abend eine „Rennpiste“, sagt er. Ein Problem, das seit Jahrzehnten zu Auffahrunfällen führt. In der Bürgerschaftssitzung regte er jetzt einen festen Blitzer oder eine Tempo-30-Zone an. Die Verwaltung sieht dafür jedoch keine Notwendigkeit.

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Auffahrunfälle seit Jahrzehnten
Im sozialen Netzwerk „Facebook“ hatte Norbert Borszcz im Vorfeld der Sitzung einen Unfall aus dem Jahr 1983 beschrieben: Damals sei ein Lastwagen in einen Ford Granada gekracht und hätte diesen 25 Meter weiter in ein Haus geschleudert. „Reines Glück, dass damals niemand zu Schaden kam“, schreibt er. Leider hätte sich am Unfallgeschehen bis heute nichts geändert.

An der Ampel wird Gas gegeben, an der nächsten Straße kracht es dann
Mehr als vierzig Jahre später schilderte er das immer noch aktuelle Problem der Lübecker Bürgerschaft jetzt so: „Solange die Ampel noch grün ist, treten sehr viele Autofahrer noch aufs Gas, um die Grünphase noch mitzukriegen.“ Norbert Borszcz sprach von Geschwindigkeiten von über 80 Kilometern pro Stunde. Sobald es dann links zum Supermarktparkplatz geht und rechts in die Ringstraße, wird abgebremst – und der Nachfolger fährt auf. „Es sind dort schon sehr viele Unfälle passiert“, sagte Norbert Borszcz. Sieben Unfälle hat er in wenigen Monaten selbst mitbekommen, zweimal sei die Verkehrsinsel an der Stelle komplett überfahren worden. Der Travemünder regte einen festen Blitzer oder eine Tempo-30-Zone als Lösung an.

Stadt sieht keine Problematik
„Aktuell ist dem kommunalen Ordnungsdienst keine Problematik am Ortseingangsbereich Travemünde bekannt“, meinte dazu Senatorin Joanna Hagen in ihrer Antwort. Ein festes Geschwindigkeitsmessgerät „setzt jedoch die Feststellung der Notwendigkeit in diesem Gebiet voraus.“ Auf die Nachfrage, wie denn Unfälle erfasst würden, die die Polizei nicht aufnimmt, meinte Hagen, dass solche „Bagatellunfälle“ als „grob geschätzter Wert“ auftauchen. „Aber nicht über die Einzelunfallaufnahme in der polizeilichen Verkehrsstatistik". Nur 15 Prozent der Unfälle würden in Deutschland erfasst. Im Gespräch mit Harald Denckmann vom Offenen Kanal Lübeck äußerte Anwohner Norbert Borszcz die Befürchtung, dass „es eine Frage der Zeit ist, dass dort vielleicht auch Fußgänger zu Schaden kommen.“

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Der Gneversdorfer Weg sei am Abend eine „Rennpiste“, erzählte Norbert Borszcz. Er berichtete in der Bürgerschaft, auch im Namen weiterer Anwohner, von den vielen Unfällen, die dadurch entstehen.

Immerhin in einer anderen Straße im Seebad soll es ruhiger werden, wie aus einer weiteren Anfrage eines anderen Bürgers hervorgeht. Die Straße „Auf dem Baggersand“ soll Tempo 30 bekommen.

Auch die Kreuzung hält die Stadt für ausreichend
Eine weitere Frage von Norbert Borszcz betrifft die Kreuzung beim Gewerbegebiet Dreilingsberg. Sie wird in wenigen Jahren auch die etwa 1.800 Bürger der „Neuen Teutendorfer Siedlung“ („Travehusen“) bewältigen müssen. Was die Stadt an der „jetzt schön völlig überlasteten Kreuzung“ plane, damit man dort nicht „noch mehr Chaos erlebt, wie wir es jetzt schon haben?“, wollte der Travemünder wissen. Senatorin Joanna Hagen sprach von einer verkehrstechnischen Untersuchung, die erstellt worden sei. „Und mit dieser wurde nachgewiesen, dass die neue Teutendorfer Siedlung über den bestehenden Knotenpunkt Genversdorfer Weg, Moorredder, Am Dreilingsberg leistungsfähig angebunden werden kann, ohne die Verkehrsqualitäten an der bestehenden Kreuzung gegenüber dem Bestand zu verschlechtern.“ Voraussetzung dafür seien Um- und Ausbaumaßnahmen. „Und darauf achten wir natürlich, dass das auch passieren wird“, versprach die Senatorin. Die B75 sei geeignet, „den anstehenden Verkehr aufzunehmen und abzuführen, auch wenn Überlastungssituationen zum Beispiel in der Hauptverkehrszeit entstehen.“

Hören Sie im Originalton Harald Denckmann im Gespräch mit Norbert Borszcz im Vorfeld der Bürgerschaftssitzung.

Oft fährt beim Abbiegen jemand hinten drauf. Manchmal geht es aber auch einfach geradeaus über die Verkehrsinsel. Grund der Unfälle ist die überhöhte Geschwindigkeit im Gneversdorfer Weg. Fotos: Helge Normann(1), Harald Denckmann(2)

Oft fährt beim Abbiegen jemand hinten drauf. Manchmal geht es aber auch einfach geradeaus über die Verkehrsinsel. Grund der Unfälle ist die überhöhte Geschwindigkeit im Gneversdorfer Weg. Fotos: Helge Normann(1), Harald Denckmann(2)


Hier hören Sie den Originalton:

Text-Nummer: 177535   Autor: Helge Normann   vom 01.02.2026 um 18.35 Uhr

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