Stadtwald: Bündnis wirft Stadt Mutlosigkeit vor

Lübeck - Moisling: „Mit der Entscheidung vom 29. Januar hat die Lübecker Bürgerschaft dem Druck des Netzbetreibers TenneT nachgegeben und beschlossen, den Stadtwald Bartelsholz im Zuge der Elbe-Lübeck-Leitung zu überspannen“, schreibt das „Bündnis Lübecker Stadtwald retten!“ in einer Mitteilung und fragt: „Fehlt der Hansestadt Lübeck der Mut?“

Die weitere Mitteilung des Bündnis: („) Eine Entscheidung, die aus Sicht des Bündnisses „Lübecker Stadtwald retten!“ weder ökologisch noch planerisch überzeugt und ein fatales Signal für den Klima- und Naturschutz in Lübeck setzt.

TenneT und Stadtverwaltung stellen die Nordumgehung des Waldes als nicht genehmigungsfähig dar. Diese Darstellung weist das Bündnis entschieden zurück. Nach eigener Prüfung ist die Nordumgehung rechtlich, wirtschaftlich und planerisch möglich und vor allem die deutlich schonendere Alternative.

Besonders irritierend ist die Abwägung zulasten des Waldes. Während immer wieder der angeblich stärkere Eingriff in landwirtschaftliche Flächen betont wird, bleibt unerwähnt: Die Landwirtschaft wird nicht existenziell gefährdet, betroffene Flächen für die Maststandorte von insgesamt 1.500 Quadratmetern werden entschädigt und die Ackerflächen können weiterhin bewirtschaftet werden. Von einem massiven Eingriff in Privateigentum kann hier keine Rede sein. Demgegenüber steht im Bartelsholz eine großflächige Waldrodung von 50.000 bis zu 100.000 Quadratmetern, ein unwiederbringlicher Verlust für Klima, Artenvielfalt und Stadtökologie!

Auch wirtschaftlich überzeugt die Entscheidung nicht. Die Nordumgehung wäre lediglich rund vier Prozent länger und kostenmäßig vergleichbar. Die Überspannung des Waldes erfordert hingegen höhere Masten, ist dadurch tendenziell teurer und blendet erhebliche Kosten für Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen aus.

Besonders kritisch bewertet das Bündnis den zeitlichen Druck, unter dem die Entscheidung zustande kam. Warum wartet TenneT monatelang ohne Bearbeitung des Themas ab und macht nun aufgrund eigener Untätigkeit Druck!? TenneT informierte die Stadt erst vor wenigen Tagen, dass eine Entscheidung bis Mitte Februar erforderlich sei. Einige Bürgerschaftsmitglieder erfuhren davon erst kurz vor der Sitzung. Aus Sicht des Bündnisses handelt es sich um ein bewusstes Kalkül und eine faktische Erpressung der Hansestadt Lübeck. Die Diskussion um die Eigentumsfragen besteht seit vielen Monaten.

In der Bürgerschaftssitzung wurde der Antrag noch überarbeitet. Unter Punkt 2 erklärt die Bürgerschaft die Nordumgehung zwar weiterhin zur „idealen Lösung“, stimmt der Überspannung des Bartelsholzes jedoch bereits jetzt zu. Gespräche mit den betroffenen Eigentümern sollen geführt werden, jedoch ohne Zeitplan, ohne Verbindlichkeit und ohne erkennbares Ergebnisoffenheitsversprechen.

Damit wird eine schwerwiegende Entscheidung zulasten des Stadtwaldes getroffen, bevor alle Alternativen ernsthaft geprüft und verhandelt wurden. Die Nordumgehung bleibt eine theoretische Option auf dem Papier, während der Wald faktisch zur Disposition gestellt wird. Dabei liegt die Entscheidung über die Genehmigungsfähigkeit nicht bei TenneT und nicht bei der Hansestadt, sondern bei der zuständigen Planfeststellungsbehörde. Dort wird das Bündnis seine Argumente umfassend einbringen und rechtliche Schritte prüfen, da bislang keine ausgewogene und verhältnismäßige Abwägung erkennbar ist.

Die zentrale Frage bleibt: Warum wird ausgerechnet beim Schutz eines wertvollen Stadtwaldes der Klimaschutz hintenangestellt? Fehlt der Hansestadt Lübeck der Mut, sich für Natur, Klima und kommende Generationen klar zu positionieren? („)

Nächste Termine:
– Demonstration für den Erhalt des Bartelsholzes am 21. Februar 2026, 11:00 Uhr, Kohlmarkt
– Ortstermin im Bartelsholz mit Umweltminister SH, Tobias Goldschmidt, 12. März 2026, 14:30 Uhr, Wiese, Moorgartener Str. 19

Die Entscheidung sei ein „fatales Signal für den Klima- und Naturschutz in Lübeck“, wirft das Bündnis den Politikern vor. Foto: Harald Denckmann/Archiv

Die Entscheidung sei ein „fatales Signal für den Klima- und Naturschutz in Lübeck“, wirft das Bündnis den Politikern vor. Foto: Harald Denckmann/Archiv


Text-Nummer: 177544   Autor: Bündnis/red.   vom 30.01.2026 um 12.33 Uhr

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