Diskussion um den Traveblick geht weiter
Lübeck - Travemünde: Lebhaft geht es beim Thema „Traveblick“ nicht nur in den sozialen Netzwerken zu. Auch bei der „Travemünder Runde“ war das schwimmende Restaurant jetzt wieder ein Thema. Die Stadt hatte den Vertrag für den Liegeplatz zum Jahresende gekündigt (Wir berichteten). Bei der Diskussion ging es jetzt um die Art der Baugenehmigung, es gab harsche Kritik an Travemünder Bürgerschaftsmitgliedern und einen Verdacht gegen die Verwaltung.
Die „Travemünder Runde“ unter der Leitung von Michael Matthies trifft sich regelmäßig überparteilich zu Travemünder Themen. Der rührige Lokalpolitiker hatte diesmal Cornelia Süchting, Inhaberin des Restaurants „Traveblick“ eingeladen, über ihre Sicht der Dinge zu sprechen.
Inhaberin zur Baugenehmigung: „Ja, haben wir“
Teilnehmer des Treffens wollten natürlich zunächst einmal wissen, gibt es nun eine Baugenehmigung oder nicht? Die überraschende Antwort von Cornelia Süchting: „Ja, haben wir!“ Aber: „Das Problem ist, die wollen neuerdings eine Baugenehmigung nach LBO haben.“ Die Gastronomin erklärte, dass sie für ihr schwimmendes Restaurant über eine Wasserbaugenehmigung verfüge, jedoch nicht über eine nach der Landesbauordnung (LBO). 25 Jahre lang sei die vorhandene Genehmigung ausreichend gewesen. „Einen Tag vor Heiligabend ist den Herrschaften dann eingefallen, dass es nun die LBO sein muss“, so die Gastronomin bitter.
Kündigung während laufender Gespräche
Dem kursierenden Vorwurf, man hätte sich nicht gekümmert, widersprach ein Vertreter der Gastronomin so: „Seit fünf Jahren unterhält man sich darüber mit der Stadt“. Ende 2024 hätte man mit Lübeck Port Authority (LPA) zusammengesessen, um die Themen zu klären, ob das Restaurant jetzt im Hafengebiet liegt oder nicht, ob die Landesbauverordnung gilt oder nicht. „Genau in dieser Verhandlung, in dem Gespräch hat dann die Stadt gekündigt, mit der Begründung, es liegt keine Baugenehmigung vor.“ Obwohl man selbst in den Gesprächen gewesen sei, ob die überhaupt erforderlich ist.
Argumente nur vorgeschoben?
Einen für alle Anwesenden neuen Aspekt brachte Jan Ingwersen (CDU) in die Runde. Er verwies auf die neuen, großen Schiffe, die bald den Skandinavienkai anlaufen sollen. Die hätten dann Schwierigkeiten mit der schmalen Trave. Er erinnerte an vergangene Diskussionen, deshalb vom Priwall etwas abzugraben. „Diese uralte Geschichte wird wieder ausgegraben“, so Ingwersen. In der Verwaltung hätte man Angst, dass die Trave zu schmal sei für den ganzen Schiffsverkehr. Und dass da einer mal „reinbrettert“. Daraufhin drehte sich die Diskussion im Saal darum, ob die Verwaltung vielleicht „kalte Füße“ bekommen habe und nun mit dem „Trick der Baugenehmigung“ arbeite, was manche für plausibel hielten.
Matthies enttäuscht vom Schweigen Travemünder CDU-Politiker
Der „Traveblick“ war auch kurz Thema auf der Travemünder Stadtteilkonferenz im Januar (Wir berichteten). Was ihn da enttäuscht habe, seien Henning Schumann und Jochen Mauritz (beide CDU) gewesen, erklärte Michael Matthies. Beide hätten vorn in der ersten Reihe gesessen. Doch als das Thema aufkam, hätten sie „nicht einen Ton gesagt“, schimpfte Matthies vor den rund 30 Teilnehmern der Runde. „Wenn die hier in Travemünde gewählt werden, dann erwarte ich von unseren Bürgerschaftsmitgliedern, dass sie die Travemünder Interessen vertreten und sich zu Travemünder Themen auch positionieren. Und das tun sie beide nicht. Und das finde ich enttäuschend.“
Das sagt der Bürgermeister
Bürgermeister Jan Lindenau hatte die Situation in einem Facebook-Kommentar Mitte Januar so dargelegt: „Tatsächlich wurde vor vielen, vielen Jahren der Pachtvertrag geschlossen mit der Auflage, die nötigen behördlichen Genehmigungen einzuholen. Das wurde lange nicht gemacht. Stattdessen wurde das Restaurant um- und ausgebaut. Es gibt bis heute keine Baugenehmigung. Zum letzten Jahresende 2024 sollte bereits gekündigt werden. Dann haben die Kollegen ein Jahr Aufschub gewährt, um alles zu regeln. Ein Bauantrag wurde trotzdem nicht eingereicht. Die Pächterin hat nun gegenüber der städtischen Verwaltung, der Lübeck Port Authority, die Absicht bekundet, den Betrieb nicht mehr fortführen zu wollen. Eine Fortsetzung der Nutzung mit einem neuen Pächter ist aufgrund der nicht gesicherten Genehmigungslage nicht möglich. Deshalb wurde das Pachtverhältnis ordnungsgemäß zum 31.12.25 gekündigt.“
Wie geht es weiter?
Noch schwimmt das geschlossene Restaurant auf seinen Pontons an der Trave, auch wenn die Lichter der Gasträume indessen erloschen sind. „Ich weiß nicht mehr, was ich machen soll“, sagte Gastronomin Cornelia Süchting. Ohne mehrjährigen Vertrag, den sie in der Vergangenheit auch schon mal bekommen habe, könne sie das Restaurant nicht weitergeben. Und den, so ihr Makler, bekäme sie nicht ohne Baugenehmigung. An dem Punkt schließt sich der Kreis. So kam die „Travemünder Runde“ zu dem Schluss, dass ein Mediator zwischen Unternehmerin und Verwaltung her müsse. Man plant, sich darum zu bemühen, dass Detlev Stolzenberg von den Unabhängigen das übernimmt.

Die Bemühungen um die Rettung des Restaurants „Traveblick“ gehen weiter. Fotos: Helge Normann
Text-Nummer: 177605 Autor: Helge Normann vom 03.02.2026 um 15.03 Uhr
