Auf dünnem Eis: Feuerwehr übt den Ernstfall
Lübeck - St. Jürgen: Auch wenn es in den kommenden Tagen kalt bleibt, die Eisflächen auf den Gewässern sind angetaut. Trotzdem begeben sich immer wieder Menschen in Gefahr. Um noch schneller helfen zu können, wurde in Lübeck jetzt auch eine Freiwillige Feuerwehr in der Eisrettung ausgebildet.
Bei einer Rettung einer ins Eis eingebrochenen Person rücken in Lübeck im Regelfall die Feuerwehrtaucher an. Mit ihren Überlebensanzügen und ihrer Ausbildung sind sie bestens vorbereitet. Sollten sie nicht zur Verfügung stehen, weil gleichzeitig ein anderer Einsatz abgearbeitet werden muss, wurde jetzt auch eine Freiwillige Feuerwehr geschult. Am Sonntag rückten sieben Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Schönböcken an der Wakenitz an. Nach einer theoretischen Schulung stand die Praxis auf dem Programm.

Ein Retter der Freiwilligen Feuerwehr musste sich als Übungsobjekt ins Wasser begeben. Als Rettungsmittel, das sich auf jedem Löschfahrzeug befindet, standen Leitern zur Verfügung. Die verteilen das Gewicht des mit einem Seil gesicherten Retters auf dem Eis und ermöglichen eine Annäherung an das Eisloch.

Einen ähnlichen Effekt hat die Schleifkorbtrage, die sonst zum Transport von Verletzten genutzt wird.

Ein neues Rettungsmittel ist der Rettungssteg. Er wird mit Druckluft aufgeblasen.
Wer eine eingebrochene Person entdeckt, sollte sofort den Notruf 112 wählen. Bei eigenen Rettungsversuchen sollte darauf geachtet werden, dass man nicht selbst in Gefahr gerät.

Die Polizei und die Feuerwehr haben einige Tipps zusammengestellt:
1. Vorsicht ist nicht nur bei fließenden Gewässern, verschneiten Oberflächen und bewachsenen Ufern geboten, auch an Ein- und Ausflüssen kann die Eisstärke plötzlich abnehmen. Vor allem an dunklen Stellen kann das Eis zu dünn sein.
2. Nehmen Sie örtliche Warnhinweise ernst. Kindern müssen die Gefahren erklärt werden.
3. Vermeiden Sie einsame Ausflüge auf dem Eis – bei einem Unfall kann es sonst sein, dass niemand Hilfe holen kann.
4. Wenn das Eis knistert und knackt, Risse aufweist oder schwallweise Wasser auf die Oberfläche tritt: nicht betreten. Wenn Sie bereits auf dem Eis sind: Flach hinlegen, um das Gewicht auf eine größere Fläche zu verteilen, und mit möglichst wenig ruckartigen Bewegungen zum Ufer robben.
5. Rufen Sie im Unglücksfall sofort über den Notruf 112 oder 110 Hilfe beziehungsweise organisieren Sie, dass jemand einen Notruf absetzt. Vor allem bei unübersichtlichem Gelände kann ein Einweiser an einer markanten Wegkreuzung die Anfahrt der Rettungskräfte erleichtern.
6. Wer einbricht, sollte versuchen, sich vorsichtig am Eis festzuhalten oder darauf zu ziehen. Wenn das Eis weiter bricht, kann man sich mit Fäusten oder Ellenbogen einen Weg zum Ufer freischlagen.
7. Helfer sollten sich nicht selbst in Gefahr bringen und die sogenannte Eigensicherung beachten. Sie sollten möglichst Leinen, eine Schwimmweste oder einen Rettungsring benutzen und sich nicht zu weit hinauswagen.
8. Wer sich zum Helfen auf die Eisfläche begibt, sollte dafür eine Unterlage (Leiter, Bretter, Zaun, Hockeyschläger oder Ähnliches) verwenden, um das Gewicht zu verteilen. Die Hilfsmittel kann man der eingebrochenen Person zuschieben. Eine quer über die Einbruchstelle gelegte Unterlage oder Äste erleichtern die Rettung. Hilfreich können auch an Gewässern aufgehängte Rettungsringe sein.
9. Gerettete sollte man in warme Decken (zum Beispiel eine Rettungsdecke) oder Jacken hüllen und vorsichtig erwärmen, ihnen möglichst warmen Tee reichen und auf professionelle Rettungskräfte warten.

Auch eine Freiwillige Feuerwehr wurde in Lübeck für die Eisrettung ausgebildet. Fotos: Oliver Klink
Text-Nummer: 177845 Autor: VG vom 15.02.2026 um 15.16 Uhr
