Volt will keine autogerechte Asphaltwüste am Mühlentorteller

Lübeck: „Die Straßenverkehrsbehörde versteht vielleicht den Text ihrer Gesetze, ihr Handwerk versteht sie nicht“, erklärt Volt in einer Mitteilung. „Anders ist es nicht zu erklären, dass der Politik seit einem Dreivierteljahr keine der Situation vor Ort angemessenen Lösungen vorgeschlagen werden“, sagt Tim Stüttgen, Bürgerschaftsmitglied für die europäische Partei Volt. Die Partei fordert „echte Lösungen statt autogerechte Asphaltwüste am Mühlentorteller“.

Wir veröffentlichen die Mitteilung von Volt im Wortlaut:

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Tim Stüttgen: „Statt im Hauruck-Verfahren den 3,5 Millionen Euro teuren Umbau in eine Kreuzung zu beschließen, sollten wir die kommenden Jahre, in denen die Mühlentorbrücke saniert wird, dazu nutzen, unterschiedliche Verkehrsführungen zu testen. Als Teil einer Umleitungsstrecke während des Umbaus des Berliner Platzes ist der Mühlentorteller ohnehin ungeeignet.“

Wer Straßen ‚sät‘, wird Verkehr ‚ernten‘
„Wer Straßen ‚sät‘, wird Verkehr ‚ernten‘.” Das sagt Tim Stüttgen und ist auch das Ergebnis aller Untersuchungen zum Thema Ausbau von Verkehrswegen. Gleiches gilt für den Ausbau von Verkehrsknoten. Deshalb ist bereits jetzt klar, wie die Zukunft aussehen würde: „Der Umbau des Mühlentortellers in eine autogerechte Kreuzung wird die Menge an Autos hier und in den auf ihn zuführenden Straßen erhöhen. Damit erreichen wir genau das Gegenteil von dem, was wir uns eigentlich zum Ziel gesetzt haben“, so Tim Stüttgen. „Und wir befinden uns nicht an einer Umgehungsstraße für den überregionalen Kraftfahrzeugverkehr, sondern im Zulauf auf die verkehrsberuhigte Altstadtinsel und im Randbereich des Weltkulturerbes.“

Kommunalspur – eine eigene Spur für Busse und Radfahrer
Wie könnte also eine dem Ort gerecht werdende Lösung aussehen? „An mehreren Zufahrten gibt es bereits Busspuren. Diese könnten an allen vier Zufahrten ab etwa 100 Meter vor dem Kreisel zu einer Spur für Busse und Radfahrer (Kommunalspur) ausgebaut werden. Radfahrer wären so schon frühzeitig gut sichtbar. Kurz vor dem Kreisverkehr, unmittelbar vor dem Fußgängerüberweg, müsste sich dann der übrige Verkehr einfädeln. Rechts abbiegende Radfahrer sollten dabei schon frühzeitig mittels Bypässen aus dem Verkehrsgeschehen im Kreisverkehr herausgenommen werden“, so Tim Stüttgen. „Wenigstens einen Verkehrsversuch wäre diese Lösung doch wert.“

Oder man wählt einen anderen Ansatz:
Am Lindenplatz, am Lohmühlenteller, am Gustav-Radbruch-Platz – überall weichen die Lösungen an den einzelnen Zufahrten voneinander ab. „Einfache Kreisverkehre in Randlagen können sicher an allen ihren Zufahrten nach demselben Prinzip gestaltet werden. Kreisverkehrsanlagen, die in verdichteten Innenstadtlagen komplexe Verkehrsströme bewältigen müssen, kann man so nicht angehen", so Tim Stüttgen. „Vielmehr müssen die unterschiedlichen Gegebenheiten der einzelnen Ein- und Ausfahrten sowie die im Tagesverlauf schwankenden Nutzerzahlen bei den verschiedenen Verkehrsmitteln mit einbezogen werden.“

… wo möglich, verschiedene Ebenen:
Vorgeschlagen wurde unter anderem, Fußgänger und Radfahrer auf einer eigenen Ebene unabhängig vom Kraftfahrzeugverkehr zu führen. „Im Fall der Zufahrt Mühlentorbrücke haben wir diese Situation aber im Grunde längst durch den Weg entlang der Kanal-Trave unterhalb der Mühlentorbrücke. Dieser müsste nur ertüchtigt, ausgebaut und besser an andere Wege angeschlossen werden,“ so Tim Stüttgen. „Zumindest prüfen könnte man, auch die Hüxtertorallee kreuzungsfrei zu unterführen. Platz sollte an beiden Seiten ausreichend sein. Zur Kanal-Trave hin fällt das Gelände ab, sodass man hier nicht einmal den Eindruck hätte, hinunter in eine Unterführung zu müssen.“

Direkter Weg zur Furt
Bereits heute ist die Furt für Fußgänger und Radfahrer über die Hüxtertorallee etwa 30 Meter vom Mühlentorplatz zurückgesetzt. „Diese abgesetzte Führung des Fuß- und Radverkehrs gilt als ungünstig. Aber wie wäre es, wenn Fußgänger und Radfahrer bereits beginnend am Brink in gerader Linie auf die Querung hin geführt würden?“ fragt Tim Stüttgen.

Angepasste Ampelschaltungen
An Schultagen bündeln sich Radverkehrsströme aus dem ganzen Lübecker Süden am Mühlentorplatz, um über die Mühlentorbrücke zu den Schulen auf der Altstadtinsel zu fahren. „Diese ‚Morgenspitze‘ der Schüler dauert aber nur 10–15 Minuten. Wir haben in den letzten Jahren viel Geld dafür ausgegeben, dass wir unsere Ampeln besser steuern können. Wäre es nicht möglich, die Ampeln auch der umliegenden Kreuzungen für diesen kurzen Zeitraum so zu steuern, dass weniger Kraftfahrzeuge in Richtung Mühlentorteller fahren können, um den Schülern einen sichereren Schulweg zu ermöglichen, und trotzdem den Bussen durch eigene Spuren und Ampeln den Weg durch den Mühlentorteller zu ermöglichen?“, fragt Tim Stüttgen.

Interessenvertreter wurden nicht gehört
„Dass der Umbau in die Asphaltwüste einer Kreuzung eine städtebauliche Katastrophe wäre, dürfte inzwischen als erwiesen gelten und war im Grunde von Anfang an klar“, so Tim Stüttgen. „Völlig unklar ist mir indes, warum man nicht vor über einem Jahr bei allen betroffenen Bereichen und Interessenvertretern um eine Stellungnahme gebeten hat. Damit hätte man sich dieses Desaster ersparen können.“
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„Der Umbau des Mühlentortellers in eine autogerechte Kreuzung wird die Menge an Autos hier und in den auf ihn zuführenden Straßen erhöhen“, warnt Tim Stüttgen (Volt). Foto: Archiv/HL

„Der Umbau des Mühlentortellers in eine autogerechte Kreuzung wird die Menge an Autos hier und in den auf ihn zuführenden Straßen erhöhen“, warnt Tim Stüttgen (Volt). Foto: Archiv/HL


Text-Nummer: 177854   Autor: Volt/red.   vom 16.02.2026 um 10.27 Uhr

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