Extremwetter-Forum: Karsten Schwanke zeigt Lübecks Unternehmen die Klimazukunft
Lübeck: Großes Interesse bei den Lübecker Unternehmen war beim siebten Extremwetterforum spürbar, das gemeinsam von der Lübecker Industrie- und Handelskammer und der Hansestadt Lübeck in den Räumen der IHK durchgeführt wurde. Für die IHK begrüßte die Referentin für Umwelt und Innovation Kathrin Ostertag die Gäste, für die Hansestadt sprach Bürgermeister Lindenau die einleitenden Worte.
Das Interesse war verständlich, hatte man doch mit dem Wissenschaftsjournalisten und Meteorologen Karsten Schwanke einen der profiliertesten Vertreter seines Faches für die Veranstaltung gewinnen können. Sein Vortrag reflektierte dann auch das, was unter Fachleuten weltweit überhaupt nicht mehr umstritten ist. Die Datenlage, die er äußerst anschaulich präsentierte, ergibt eindeutig, dass wir uns bereits mitten im Klimawandel befinden.

Wissenschaftsjournalist und Meteorologe Karsten Schwanke ist einer der profiliertesten Vertreter seines Faches
Auch wenn wir gerade sechs Wochen Winter hinter uns haben, bedeutet das für die Hansestadt Lübeck kurz zusammengefasst, dass es in den Folgejahren wesentlich heißere Sommertage geben wird als bisher. Starkregenereignisse werden zunehmen. Bisher hat man sich bei der Planung immer an Maximalereignissen aus der Vergangenheit orientiert. Karsten Schwanke demonstrierte aber, dass es plötzlich an bisher unverdächtigen Orten zu doppelt so hohen Niederschlagswerten kam, als man bisher für möglich gehalten hatte. Das ist natürlich am viel zu warmen Mittelmeer noch extremer. Bei der Sturzflut von Valencia fiel an einem Tag so viel Regen, wie in Lübeck im gesamten Jahr 2024. Und das war für uns ein niederschlagsreiches Jahr.

Svenja Beilfuß und Nora Siepker von der Klimaleitstelle Lübeck.
Eine weltweite Betrachtung zeigt, dass die Sommer bei uns heißer und trockener werden, die Niederschläge werden zukünftig vorwiegend in den Wintermonaten fallen. Im Grunde also eine Annäherung an Verhältnisse, wie wir sie von den Mittelmeerländern kennen.
Was können Unternehmen nun tun, um sich auf diese Verhältnisse einzustellen. Es wird trockener. Bisher gab es keine Wasserrationierung bei uns, das kann aber irgendwann einmal plötzlich der Fall sein. Unternehmen mit hohem Wasserbedarf in der Produktion sollten sich darauf einstellen, mahnte Schwanke. Wenn die Temperaturen im Sommer über 40 Grad steigen, trifft das die Mitarbeiter und der Krankenstand wird steigen, war eine weitere Warnung.

Sebastian Wache von Wetter-Welt und Dr. Thomas Einfalt von Hydro und Meteo.
Dazu zugeschaltet hatte man aus Bonn Hildegard Boisserée-Frühbuss vom dortigen Wissenschaftsladen. Der Vortrag war zunächst etwas akademisch, kam dann aber zu zahlreichen praktischen Beispielen, in denen insbesondere die klimafreundliche Umgestaltung von Industrieanlagen eine Rolle spielte. Langweiliger Rasen wurde zur bienenfreundlichen Streuobstwiese, Parkflächen wurden durch Bäume und aufgelockerten Boden umweltfreundlicher gemacht und selbst auf scheinbar nutzlosen Randflächen zwischen Gebäuden gab es plötzlich Wildblumen- und Streuobstwiesen.

Svenja Beilfuß von der Klimaleitstelle erläuterte das Gründachkonzept.
Großes Potenzial hat aber die Fassaden- und Dachbegrünung. Da ist die Klimaleitstelle der Hansestadt Lübeck ganz vorn mit dabei. Svenja Beilfuß von der Leitstelle erläuterte die Untersuchungen und Erhebungen, die dazu bereits gelaufen sind. Wer den Mut hat, bereut es nicht, hieß es dazu immer wieder. Infrarotbilder von Drohnen zeigen es ganz deutlich: Begrünte Flächen und Gebäude nehmen drastisch weniger Wärme auf und sparen den Unternehmen damit Kühlungskosten.
Förderung gibt es auch dafür. Dazu gab Förderlotse Sven Ratje von der Investitionsbank Schleswig-Holstein genauere Auskünfte. In diesem Zusammenhang hoffen die Unternehmer auf durchschaubare Bürokratie. Förderlotse Ratje war da auf dem Markt der Möglichkeiten direkt ansprechbar. Ebenso weitere Unternehmen wie der Deutsche Wetterdienst, SH-Magazin, Wettermann Sebastian Wache von der Firma Wetter-Welt oder Dr. Thomas Einfalt von dem Lübecker Wetterunternehmen Hydro und Meteo und natürlich den Bundesverband Gebäudegrün.

Das Team der Lübecker Klimaleitstelle mit Meteorologe Karsten Schwanke
Gut vertreten auch die Lübecker Klimaleitstelle mit Elke Kruse und ihren Mitarbeiterinnen. Natürlich war Zeit für ein Erinnerungsfoto mit Vorbild Karsten Schwanke, wenn man so eine Kapazität schon einmal im Hause hat.
Hören Sie im Originalton Harald Denckmann im Gespräch mit Karsten Schwanke, Elke Kruse und Sebastian Wache.

Meteorologe Karsten Schwanke präsentierte anschaulich die Datenlage, die eindeutig ergibt, dass wir uns bereits mitten im Klimawandel befinden. Fotos: Harald Denckmann
Hier hören Sie den Originalton:
Text-Nummer: 177967 Autor: Harald Denckmann vom 20.02.2026 um 12.47 Uhr
