Zwei Chöre, ein Orchester und: Olga Mull
Lübeck - St. Lorenz Süd: Zum 25-jährigen Dienstjubiläum von Olga Mull als Kirchenmusikerin fand das erste Konzert am Samstag in der Lutherkirche statt. Am Ende des Konzertes gab es nur glückliche Gesichter, sowohl bei den zahlreichen Zuhörern als auch bei den Musikern.
Besonders kleineren Chören tut es gut, wenn man bei Aufführungen zwei oder gar drei Ensembles zusammenlegt. Olga Mull hat die Kantorei der Ratekauer Feldsteinkirche bei ihrem Amtsantritt im Jahr 2000 übernommen, und sie leitet auch den 2003 gegründeten Kammerchor der Gemeinnützigen an der Lübecker Musikschule. Schon einige bemerkenswerte Aufführungen sind den Sängern, oft in Zusammenarbeit mit anderen, auch größeren Chören, gelungen, am vergangenen Samstag war die 1837 komponierte Kantate op. 42 "Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser" nach dem Psalm 42 von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847) in der Lutherkirche zu hören. Der gemischte Chor agierte unter Olga Mulls temperamentvoller Leitung sicher und immer hoch motiviert, das Vicelin-Orchester, von Olga Mull 2014 gegründet, es ist ebenfalls eine Laiengruppe, durch einige Profimusiker verstärkt, bot eine sichere, klangschöne Grundlage.
Die Sopranistin Susanna Proskura verfügt über eine strahlende Höhe, sie singt kernig und mit großem Einsatz. Leider stand sie hinter dem Orchester, den solistischen Teilen mangelte es daher an Textverständlichkeit – man hätte sich eine deutlichere Präsenz der Arien und Rezitative gewünscht, die sich ja bewusst von den musikalischen Gestaltungen der Chorsätze abheben. Kann man Mendelssohns op. 42 in seiner relativen Kürze und der klaren Formsprache mit angehauchten, zart gefühlvollen Zügen als Komponisten der Frühromantik ansehen, so muss das Orgelkonzert Nr. 1. in F-Dur op. 137 von Gabriel Joseph Rheinberger (1839–1901) der Spätromantik zugeordnet werden. Im ersten Teil des Konzertes konnte man Olga Mull mit diesem Werk als versierte Organistin erleben. Zwar ist Rheinberger mit seiner ästhetisch eher konservativen Haltung nicht mit den damaligen revolutionären Tendenzen eines Liszt oder Wagner zu vergleichen, doch Olga Mull gelang es, durch abwechslungsreiche Registrierungen sowie durch feine Flötenklänge starke Kontraste aufzubauen, auch der Schweller kam zum Einsatz. Als Registrant war übrigens der Hausherr tätig, Organist und Kantor der Lutherkirche, Sven Fanigk, der in der Mendelssohnkantate dann auch im Chor mitsang.
Das Orgelkonzert dirigierte Olga Mulls Ehemann Michael Mull. Er hat seine Diplome an der Lübecker Musikhochschule absolviert und ist Honorardozent an der Lübecker Musikschule der Gemeinnützigen in den Fächern Horn, Jagdhorn, Posaune, Trompete und Tuba.
Mull unterrichtet im ganzen Nordbereich von Hamburg bis Fehmarn an verschiedenen Musikschulen, bereitet Schüler für Aufnahmeprüfungen an Musikhochschulen vor und begleitet zahlreiche Schüler erfolgreich zu Wettbewerben. Er ist Orchestermitglied und Mitorganisator der Sinfonietta Lübeck und des Lübecker Kammerorchesters. Darüber hinaus ist er ein führender Spezialist und Ausbilder im Bereich der Jagdhornmusik.
Olga Mull entstammt einer kulturbegeisterten russischen Familie in Kasachstan, ihre Hochbegabung wurde früh erkannt und so erhielt sie schon ganz früh intensive musikalische Förderung. Als sie 1995 über den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) nach Deutschland kam, hatte sie bereits einen Abschluss mit Auszeichnung als Konzertpianistin und Organistin, Kammermusikerin und Korrepetitorin in der Tasche sowie einige Jahre Berufserfahrung als Klavierbegleiterin. 1994 gewann sie im Chopin-Wettbewerb den Preis für die beste Etüden-Interpretation. Im selben Jahr nahm sie an der Bayerischen Musikakademie Marktoberdorf am Internationalen Orgel Sommer-Seminar teil. Hier erhielt sie Unterricht unter anderem vom Lübecker Orgelprofessor Hans Gebhard, der sie zu einem Studium in Lübeck einlud, und so ergänzte sie hier ihre Ausbildung, erhielt für besondere musikalische Leistungen ein Stipendium der Marie-Luise-Imbusch-Stiftung und schloss mit Diplomen als Konzertorganistin und Klavierpädagogin ab.
Seitdem arbeitet die erfolgreiche und vielseitige Musikerin als Chor- und Orchesterleiterin. Sie ist Dozentin beim Bildungswerk Rhythmik, arbeitet als Pianistin, Cembalistin, Organistin, Korrepetitorin und Klavierbegleiterin, spielt in vielen Konzerten unterschiedlicher Art: Gesangsabende, Kammermusik- und Symphoniekonzerte, sie unterrichtet Klavier, Orgel und Gesang.
Seit dem Jahr 2000 ist sie Kirchenmusikerin in der Ratekauer Feldsteinkirche, einer der vielen Vicelinkirchen in Ostholstein, die auf die Christianisierung der Gegend vor allem durch den Missionar und Bischof Vicelin (ca. 1090–1154) zurückgeht.
Das Programm ist noch zweimal zu erleben, und zwar zunächst am Samstag, 28. Februar 2026, um 19 Uhr in der Feldsteinkirche Ratekau. Hier wird es ab 18 Uhr eine Einführung in das Konzertprogramm geben, hier wird an diesem Tag und mit diesem Konzert das 25-jährige Dienstjubiläum von Olga Mull als Kirchenmusikerin in Ratekau gefeiert. Am Sonntag, den 8. März 2026 findet dieses Konzert ein drittes Mal statt, und zwar um 17 Uhr in der Gleschendorfer Feldsteinkirche bei Scharbeutz.

Olga Mull feiert ihr 25-jähriges Dienstjubiläum mit drei öffentlichen Konzerten. Fotos: Svea Regine Feldhoff
Text-Nummer: 177987 Autor: Svea Regine Feldhoff vom 22.02.2026 um 12.40 Uhr
