BfL: Mehr bauen statt bremsen
Lübeck: Die Bürger für Lübeck (BfL) fordern einer Mitteilung zufolge angesichts der angespannten Lage auf dem Wohnungsmarkt in Lübeck ein Umdenken in der Wohnungspolitik. „Die Wählergemeinschaft sieht in der Mietpreisbremse kein ausreichend wirksames Instrument, um langfristig für Entlastung zu sorgen“, so die BfL.(„)
„Bezahlbarer Wohnraum ist eine der zentralen sozialen Fragen unserer Zeit – auch hier in Lübeck“, erklärt die BfL. Gerade für Familien, Auszubildende, Studenten und Menschen mit geringerem Einkommen sei die Situation zunehmend belastend. „Deshalb ist es richtig, dass Politik handelt. Entscheidend ist aber, dass die Maßnahmen auch nachhaltig wirken.“
Die Mietpreisbremse gilt seit 2015 bundesweit in angespannten Wohnungsmärkten. Aus Sicht der BfL zeigt sich jedoch, dass sie die grundlegenden Probleme nicht löst. Zwar steigen die Angebotsmieten teilweise langsamer, doch diese Entwicklung greife zu kurz.
Ein wesentlicher Punkt ist der sogenannte Kompositionseffekt: Wenn vor allem kleinere oder weniger gut ausgestattete Wohnungen neu vermietet werden, sinkt die durchschnittliche Miete statistisch – ohne dass Wohnen tatsächlich günstiger wird. Viele Mieter zahlen weiterhin hohe Quadratmeterpreise, erhalten jedoch weniger Wohnfläche oder Qualität.
Zugleich wird das Angebot knapper. Auch in Lübeck ist zu beobachten, dass Wohnungen schwerer verfügbar sind und die Konkurrenz unter Wohnungssuchenden steigt. Besonders betroffen sind Menschen, die neu auf den Markt kommen.
„Unser Ziel muss es sein, dass Menschen wieder real eine Wohnung finden – nicht nur auf dem Papier entlastet werden“, so die BfL. Die Erfahrung zeige, dass sich Märkte bei starken Regulierungen häufig über geringeres Angebot und Qualität anpassen.
Die BfL betont zugleich, dass Mieter weiterhin Schutz benötigen. „Gerade in angespannten Märkten darf niemand verdrängt werden. Sozialer Ausgleich und verlässliche Rahmenbedingungen gehören für uns zusammen.“
Um den Wohnungsmarkt nachhaltig zu entspannen, setzt die BfL daher auf eine Stärkung der Angebotsseite. Dazu zählen schnellere Genehmigungsverfahren, einfachere Bauvorschriften und bessere Investitionsbedingungen. Nur wenn wieder mehr gebaut werde und Planungssicherheit bestehe, könne zusätzlicher Wohnraum entstehen.
„Dauerhaft bezahlbare Mieten entstehen nur dort, wo ausreichend Wohnraum vorhanden ist“, so das Fazit der BfL.
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Die Bürger für Lübeck (BfL) fordern „ein Umdenken in der Wohnungspolitik“. Foto: Archiv
Text-Nummer: 178077 Autor: BfL/red. vom 26.02.2026 um 10.12 Uhr

Kommentare zu diesem Text:
Misanthrop
schrieb am 26.02.2026 um 13.28 Uhr:
Ach der BfL wieder...
Wenn neuer Wohnraum entsteht, nehmen wir mal die Wohn"meile", passiert genau was?
Für einen gewissen Prozentsatz der Wohnungen wird der WBS benötigt. Ist ja auch richtig und wichtig.
Der Rest geht dann aber an Spekulanten und sonst wen, die horrende Mieten verlangen.
Lübeck hat genug leer stehende Wohnungen. Das Problem sind die ausufernden Mieten. Ist das denn so schwer zu verstehen? Mittlerweile zahlt man für 60qm halt zwischen 800€ bis 1000€ Warmmiete. Man muss bald 50% und mehr vom Nettolohn für die Miete auf den Tisch legen. Und die Nebenkosten werden jetzt noch mehr steigen, da die CDU das Heizungsgesetz gekippt hat. Als Mieter wird das Wohnen immer schwieriger.
Aber halt, ich vergaß. Der BfL sagt ja, dass man sich halt einfach mal nebenher nen 6-stelligen Kredit nehmen soll, damit es mit dem Wohneigentum klappt. Dann hat man ja auch kein Problem mehr mit zu hohen Mieten. Rückzahlung? Geschenkt. Wen interessiert es schon, wenn die Zinsen wieder mal steigen?
(...)
Lothar Möller
schrieb am 26.02.2026 um 14.46 Uhr:
@ Misanthrop
Der Frust über steigende Mieten ist absolut nachvollziehbar – gerade in Lübeck spüren das viele Menschen ganz konkret im Alltag.
Ein paar Punkte sollten aber auseinandergehalten werden:
Dass Neubauten oft höhere Mieten haben, stimmt. Das liegt an Baukosten, Zinsen und Auflagen. Aber ohne Neubau wird es nicht besser – im Gegenteil: Wenn keine zusätzlichen Wohnungen entstehen, bewerben sich immer mehr Menschen auf denselben Bestand. Genau das treibt die Mieten weiter nach oben, auch bei älteren Wohnungen.
Zum Thema „alles geht an Spekulanten“: In vielen Projekten gibt es inzwischen feste Anteile für geförderten Wohnraum (WBS). Gleichzeitig wird aber niemand bauen, wenn es sich wirtschaftlich gar nicht mehr rechnet. Dann entsteht am Ende schlicht gar kein Wohnraum – und das verschärft die Lage für alle.
Der oft genannte Leerstand löst das Problem ebenfalls nicht. Ein Teil davon ist gar nicht kurzfristig verfügbar (Sanierung, Erbschaften, Streitfälle etc.). Und selbst wenn man alles aktivieren würde: Ohne kontinuierlichen Neubau reicht das auf Dauer nicht aus.
Dass Mieten zu hoch sind, ist unstrittig. Die Frage ist nur: Bekämpft man die Ursache oder nur das Symptom? Hohe Mieten entstehen vor allem dort, wo Wohnraum knapp ist.
Und noch ein Punkt: Es geht nicht darum, dass „jeder sich einen Kredit nehmen soll“. Eigentum ist nur eine Möglichkeit. Entscheidend ist, dass insgesamt mehr Wohnraum entsteht – egal ob zur Miete oder zum Kauf.
Am Ende wollen alle dasselbe: bezahlbares Wohnen. Die Frage ist nur, welcher Weg dauerhaft dahin führt.
Peter Schöttler
schrieb am 26.02.2026 um 17.38 Uhr:
@Misanthrop:
Sie schreiben:
"Aber halt, ich vergaß."
Nicht nur das, Sie sind doppelt vergesslich, denn schon am 26.10.2025 hatten die BfL die ultimative Universal-Lösung zum Wohnungsmangel parat: man muss nur den ÖPNV "ausbauen und effizient gestalten", damit ganz doll viel Wohnraum tatsächlich entsteht. Siehe:
https://www.hl-live.de/text.php?id=175819
Un' nü (das ist pseudo-sächsisch und bedeutet "und nun") kommen wir zur PM der BfL: Angebot und Nachfrage regeln einen Markt; das ist eine Binsenweisheit und keine PM wert. Offensichtlich hat der Möller mal wieder viel gelesen und nichts verstanden, aber was Tolles gefunden, mit dem er politisch auftrumpfen möchte: "der sogenannte Kompositionseffekt". Herr Möller, wo haben Sie den Blödsinn nun wieder her? In vielen Bereichen haben Zusammensetzungen (Kompositionen) Auswirkungen (Effekte) auf das Ergebnis einer Arbeit, es gibt nicht nur "den" Kompositionseffekt, sondern derer viele. Das von Ihnen beschriebene Beispiel beschreibt lediglich, wie man das Ergebnis einer Statistik im Bereich Wohnraum-Mieten steuern könnte, allerdings würde kein halbwegs gebildeter Mensch eine derart verfälschte Statistik ernst nehmen. Meine klare Meinung dazu: wer die BfL wählt, die so einen Unfug zu einer PM verwursten, muß wohl mit dem Klammerbeutel gepudert sein.
Lothar Möller
schrieb am 27.02.2026 um 09.44 Uhr:
@Herr Schöttler:
Vielen Dank für den lebhaften Beitrag – ganz ohne „Klammerbeutel“ kommt die Diskussion offenbar auch nicht aus.
Zwei kurze Punkte zur Einordnung:
Erstens: Der Hinweis auf besseren ÖPNV und mehr Wohnraum ist kein Widerspruch, sondern ergänzt sich. Wer Mobilität verbessert, erweitert den faktischen Wohnungsmarkt – weil mehr Menschen auch außerhalb der Innenstadt realistische Wohnoptionen haben. Das ist kein „Allheilmittel“, sondern ein Baustein.
Zweitens: Zum „Kompositionseffekt“. Sie haben völlig recht – den einen gibt es nicht. Gemeint ist hier aber ein sehr konkreter, in der Statistik gut bekannter Effekt: Wenn sich die Zusammensetzung der vermieteten Wohnungen ändert (z. B. mehr kleine Wohnungen), verändert sich der Durchschnittswert, ohne dass die Preise pro Quadratmeter tatsächlich sinken. Genau darum geht es.
Das ist weder „Blödsinn“ noch besonders exotisch, sondern ein Standardproblem bei Durchschnittswerten – und übrigens auch der Grund, warum seriöse Analysen immer mehrere Kennzahlen betrachten.
Und zum Schluss:
Dass Angebot und Nachfrage eine Rolle spielen, ist tatsächlich keine neue Erkenntnis. Die spannende Frage ist eher, warum man sie in der politischen Debatte so oft ignoriert.
Trotz unterschiedlicher Ansichten: Danke für die Diskussion.