Haus Seeblick: Der Abriss hat begonnen
Lübeck - Travemünde: Bedroht vom absehbaren Absturz wechselte das berühmte „Haus Seeblick“ in den vergangenen Jahren mehrfach den Besitzer. Und mit dem Besitzer die Verantwortung für den unvermeidbaren Abbruch. Jetzt hat das Ende der berühmten Immobilie begonnen. Das Haus wurde entkernt, die Leitungen gekappt. Am Montag starteten die Abrissarbeiten.
Im Jahre 2011 war schon klar, dass „Haus Seeblick“ nicht mehr allzu viele Jahre bleiben. Die städtische Grundstücksgesellschaft „Trave“ verkaufte das Haus daher für kleines Geld an die Jugendorganisation „Die Falken“. Die konnten die Immobilie mit unverbaubarem Seeblick dann noch erstaunlich lange nutzen. Doch schließlich musste der Betrieb als Jugendhaus eingestellt werden und die „Falken“ verkauften das Haus im Jahr 2024 an einen Privatmann. Der versuchte seinerseits, das Haus über ein Kleinanzeigenportal weiterzuverkaufen. Ohne Erfolg. Er bleibt jetzt auf den Kosten sitzen.

Die Fenster kamen vergangene Woche raus
Das „Haus Seeblick“ bot am Wochenende einen traurigen Anblick: Spaziergänger blickten auf die leeren Fensteröffnungen im Gemäuer. Rund ums Grundstück sollte ein hoher Bauzaun Unbefugte vom Betreten abhalten. Auf dem Außengelände konnte man noch die Steine und Holzböcke sehen, wo die Jugendlichen einst am Lagerfeuer gesessen haben. Auch eine verdreckte Tischtennisplatte zeigte von besseren Tagen. Neben dem Gebäude ist Bauschutt vom Entkernen zu sehen.
Abbruch hat begonnen
Das Abbruchunternehmen wirbt mit großen Bannern auf dem Bauzaun für seine Dienstleistungen. Ein Objekt wie das „Haus Seeblick“ hat man allerdings sicher nicht allzu oft im Auftragsbuch. Am Montag begann der Abriss. Zuerst wurden das Dach und die landeinwärts gelegene Fassade abgerissen.

Letzte Chance zum Gucken
Spaziergänger nehmen allerdings nach wie vor nicht die offizielle Umleitung über Brodten, sondern gehen hinter dem Haus am Bauzaun entlang. Die gesparte Zeit wird mit schmutzigen Schuhen erkauft, denn aufgrund des Tauwetters ist das Gelände recht matschig. In den sozialen Netzwerken bedauern ehemalige Urlauber und auch Spaziergänger das Verschwinden des Gebäudes. Wer kann, geht nochmal vorbei und wirft einen letzten Blick auf das Backsteingebäude.

Zwangsweiser Abriss
Da der derzeitige Eigentümer der Abrissverfügung nicht nachkam und nicht nur Gefahr für Spaziergänger, sondern auch ein „Trümmerfeld im Naturschutzgebiet“ drohte (Wir berichteten), lässt die Hansestadt Lübeck nach kurzem juristischem Scharmützel (Wir berichteten) nun zwangsweise abreißen. Die Kosten werden dem Eigentümer in Rechnung gestellt. Der Grundstückswert dürfte den Betrag kaum decken. Das Gelände wird aber nach wie vor benötigt, um den Wanderweg wieder ordentlich am Steilufer entlangzuführen. So wird „Haus Seeblick“ sicher auch nach seinem Verschwinden ein Thema bleiben.

Für „Haus Seeblick“ hat das letzte Kapitel begonnen. Fotos: Helge Normann
Text-Nummer: 178129 Autor: Helge Normann vom 02.03.2026 um 14.40 Uhr

Kommentare zu diesem Text:
gerd
schrieb am 02.03.2026 um 16.13 Uhr:
Schande über die Stadt Lübeck
Jensyderzweite
schrieb am 02.03.2026 um 16.54 Uhr:
@gerd
Warum?
Was hat sich denn nach der Nutzung durch die Jugendlichen an der Situation verändert, dass eine privater Kauf sinnvoll würde?
Zu retten war doch schon vor 10 Jahren nichts mehr
Horst B. Bock
schrieb am 02.03.2026 um 17.02 Uhr:
Warum Schande? Die Stadt hat für die Sicherheit zu sorgen, also wird das Haus abgerissen. Wer möchte beim spazierengehen am Strand denn von Teilen des Hauses getroffen werden? Jetzt wirds sarkastisch: sollte man nicht auch mal überlegen alte Brücken abzureissen?
Matthias
schrieb am 02.03.2026 um 17.14 Uhr:
@Gerd
Warum Schande?
Hatten sie eine andere Idee gehabt das Gebäude plus Untergrund zu retten? Oder ein Sponsor, der der alles anders bewerkstelligt hätte?
Klären sie mich mal auf.
Der Katen war nicht mehr zu retten.
Gruß Matthias
Lolbert
schrieb am 02.03.2026 um 17.28 Uhr:
@Gerd.
Was für ein unqualifizierter Nörgelkommentar!
Sie haben damit Schande über sich selbst gebracht, weil zumindest ich Sie nicht mehr als ernstzunehmenden Mitbürger wahrnehme.
Tim Kock
schrieb am 02.03.2026 um 17.36 Uhr:
Der Käufer hat sich gehörig verspekuliert.
Schön, dass Gier im Zusammenhang mit Immobilien auch mal Konsequenzen hat.
Travemünder
schrieb am 02.03.2026 um 17.48 Uhr:
Warum gerade dieses Haus? Es steht so viel Schrott in Lübeck rum, der dringend abgerissen werden müsste. Ich denke die Verwaltung will mal zeigen wie stark sie ist.
Unser amerikanischer Freund macht sowas gerade auch, nur in größerem Stil.
creativmara
schrieb am 02.03.2026 um 18.12 Uhr:
Moin,
leider hat der Zahn der Zeit, oder der allmählich steigende Spiegel der Ostsee es verursacht!Ich habe es über Jahre verfolgt! Der Klimawandel ist bereits da,das beschleunigt es zusätzlich, leider.
Jeder der dort in der Vergangenheit einmal, sollte mit Vorverurteilungen vorsichtig
sein. Älter/auch jüngere sollten es nicht dazu benutzen, Vorhaltungen ohne genaue Kenntnisse des ganzen zu machen.
Einen schönen Tag.
creativmara
Holger
schrieb am 02.03.2026 um 19.18 Uhr:
Frage zum Grundstückswert: Wieviel Geld erhält der Bauer für die Wegenutzung an der Abbruchkante und wieviel Geld kann der Grundstückseigentümer die nächsten 50 Jahre für einen Weg über sein Grundstück von der Stadt erwarten? Das deckt doch die Abrisskosten locker, oder???
Quintessenz Biker
schrieb am 02.03.2026 um 20.39 Uhr:
.. soooo schade. So eine Schande.. das perfekte Haus für die Jugend... solche Erlebnisse in so einer Atmosphäre mit der Aussicht sind unvergesslich,prägend fürs Leben... sooo schade...
Ich erinnere mich gerne an die Zeiten als Gast dieses Hauses..
Es hätte eine bessere Lösung verdient.. aber niemand machte Nägel mit Köpfen.. Ergebnis. Siehe Fotos.. soooo schade
Clemens Lau
schrieb am 02.03.2026 um 21.46 Uhr:
Es ist wirklich eine Schande. Die Stadt schmeißt so viel Geld raus, aber wollen ein Haus, dass voller Erinerungen steckt nicht retten.
Matthias
schrieb am 03.03.2026 um 00.31 Uhr:
@Quintessenz Biker
Dann erzählen sie doch mal von den besseren Lösungen.
Was wollten sie denn zur Rettung der Hütte beitragen?
Ich habe in den letzten Monaten nichts davon von Ihnen gelesen.
Hinterher sabbeln ist ja sooo schön einfach
Gruß Matthias
Alex
schrieb am 03.03.2026 um 08.42 Uhr:
Was für ein Gejammer!
Die Tage vom Haus waren schon beim Bau gezählt, das war nie "für die Ewigkeit".
Auch ich habe dort in meiner Jugend eine schöne Zeit verbracht. Haken dran, damals ist vorbei, es geht weiter.
Der Investor hat sich verzockt, es wurde immer kommuniziert, dass das Haus aus verschiedenen Gründen abgerissen werden muss und nicht "versetzt" werden kann, da kann man dieses Mal der Stadt nun wirklich keinen Vorwurf machen.
Wäre die Hütte beim nächsten Abbruch im Teich gelandet, wäre der Aufschrei noch viel größer.
Also, an dieser Stelle ein Lob an die Stadt, gerne weiter Bauruienen entfernen und den Besitzern die Kosten in Rechnung stellen. Mahngebühren bringen auch Geld!
OV
schrieb am 03.03.2026 um 12.34 Uhr:
Alex,
ein Investor investiert in etwas. Es handelt sich hier nicht um Investition, sondern um Spekulantentum. Und ja, der Eigentümer hat sich nach allem was öffentlich bekannt ist, verspekuliert. Die Immobilie wurde nach dem Kauf erfolglos über ein Kleinanzeigen-Portal zum Weiterverkauf angeboten. Na, sehr seriös klingt das nicht. Es wird am Ende vielleicht darauf hinauslaufen, dass der Eigentümer die Abbruchkostenrechnung nicht bezahlen wird und sich ein Wegrechtsstreit über das Grundstück an der Kante des Steilufers anschließt. Mit den möglichen Einnahmen aus dem Wegerecht für den Wanderweg Brodterner Steilufer wird man sicher nicht reicht, geschweige denn, dass diese die Abbruchkosten decken würden.
Matthias
schrieb am 03.03.2026 um 17.21 Uhr:
@All.. sorry Leute,irgendwer missbraucht meinen Namen und macht hier die Leute schief an,ohne Sinn und Verstand.