Haus Seeblick: Der Abriss hat begonnen
Lübeck - Travemünde: Archiv - 02.03.2026, 14.40 Uhr: Bedroht vom absehbaren Absturz wechselte das berühmte „Haus Seeblick“ in den vergangenen Jahren mehrfach den Besitzer. Und mit dem Besitzer die Verantwortung für den unvermeidbaren Abbruch. Jetzt hat das Ende der berühmten Immobilie begonnen. Das Haus wurde entkernt, die Leitungen gekappt. Am Montag starteten die Abrissarbeiten.
Im Jahre 2011 war schon klar, dass „Haus Seeblick“ nicht mehr allzu viele Jahre bleiben. Die städtische Grundstücksgesellschaft „Trave“ verkaufte das Haus daher für kleines Geld an die Jugendorganisation „Die Falken“. Die konnten die Immobilie mit unverbaubarem Seeblick dann noch erstaunlich lange nutzen. Doch schließlich musste der Betrieb als Jugendhaus eingestellt werden und die „Falken“ verkauften das Haus im Jahr 2024 an einen Privatmann. Der versuchte seinerseits, das Haus über ein Kleinanzeigenportal weiterzuverkaufen. Ohne Erfolg. Er bleibt jetzt auf den Kosten sitzen.

Die Fenster kamen vergangene Woche raus
Das „Haus Seeblick“ bot am Wochenende einen traurigen Anblick: Spaziergänger blickten auf die leeren Fensteröffnungen im Gemäuer. Rund ums Grundstück sollte ein hoher Bauzaun Unbefugte vom Betreten abhalten. Auf dem Außengelände konnte man noch die Steine und Holzböcke sehen, wo die Jugendlichen einst am Lagerfeuer gesessen haben. Auch eine verdreckte Tischtennisplatte zeigte von besseren Tagen. Neben dem Gebäude ist Bauschutt vom Entkernen zu sehen.
Abbruch hat begonnen
Das Abbruchunternehmen wirbt mit großen Bannern auf dem Bauzaun für seine Dienstleistungen. Ein Objekt wie das „Haus Seeblick“ hat man allerdings sicher nicht allzu oft im Auftragsbuch. Am Montag begann der Abriss. Zuerst wurden das Dach und die landeinwärts gelegene Fassade abgerissen.

Letzte Chance zum Gucken
Spaziergänger nehmen allerdings nach wie vor nicht die offizielle Umleitung über Brodten, sondern gehen hinter dem Haus am Bauzaun entlang. Die gesparte Zeit wird mit schmutzigen Schuhen erkauft, denn aufgrund des Tauwetters ist das Gelände recht matschig. In den sozialen Netzwerken bedauern ehemalige Urlauber und auch Spaziergänger das Verschwinden des Gebäudes. Wer kann, geht nochmal vorbei und wirft einen letzten Blick auf das Backsteingebäude.

Zwangsweiser Abriss
Da der derzeitige Eigentümer der Abrissverfügung nicht nachkam und nicht nur Gefahr für Spaziergänger, sondern auch ein „Trümmerfeld im Naturschutzgebiet“ drohte (Wir berichteten), lässt die Hansestadt Lübeck nach kurzem juristischem Scharmützel (Wir berichteten) nun zwangsweise abreißen. Die Kosten werden dem Eigentümer in Rechnung gestellt. Der Grundstückswert dürfte den Betrag kaum decken. Das Gelände wird aber nach wie vor benötigt, um den Wanderweg wieder ordentlich am Steilufer entlangzuführen. So wird „Haus Seeblick“ sicher auch nach seinem Verschwinden ein Thema bleiben.

Für „Haus Seeblick“ hat das letzte Kapitel begonnen. Fotos: Helge Normann
Text-Nummer: 178129 Autor: Helge Normann vom 02.03.2026 um 14.40 Uhr
