Tarifeinigung für die Busfahrer

Lübeck: Wie die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di Nord) mitteilt, wurde eine Einigung mit dem Kommunalen Arbeitgeberverband Schleswig-Holstein (KAV) über einen neuen Manteltarifvertrag für die Beschäftigten der kommunalen Busunternehmen erzielt. Damit sind weitere Warnstreiks bei den Stadtwerken Lübeck Mobil erst einmal vom Tisch.

Der Tarifvertrag weist viele Verbesserungen für die Beschäftigten der Busunternehmen auf. So wird die tarifliche Sonderzahlung im Rahmen der Laufzeit der Jahressonderzahlung stufenweise um insgesamt 1.400 Euro angehoben. Zuschläge werden zukünftig nach der individuellen Entgeltstufe bezahlt, die Nachtarbeitszuschläge werden auf 21 Uhr vorgezogen. Für die Beschäftigten wurde die Einführung einer sogenannten Einspringprämie für „das Holen aus dem Frei“ je nach Dauer der Arbeitszeit vereinbart. Die Pauschale für sogenannte geteilte Dienste – also Arbeitseinsätze mit längeren Arbeitszeitunterbrechungen am Tag – wird von derzeit 4,50 Euro in drei Schritten auf 9 Euro verdoppelt.

Weiterhin verpflichten sich die Tarifvertragsparteien, Verhandlungen zu einer Eingruppierungsverpflichtung bis zum 30.06.2028 aufzunehmen. Ebenso wurde vereinbart, bei Einführung des autonomen Fahrens verpflichtende Verhandlungen zu einem Zukunftstarifvertrag aufzunehmen.

„Das ist ein guter und vertretbarer Kompromiss, und die Rahmenbedingungen der Kollegen werden in den nächsten 48 Monaten deutlich verbessert. Nun geht unser Fokus in Richtung Verhandlungen über die Entgelte, denn dieser Tarifvertrag wird ab dem 01.07.26 wieder verhandelt“, so Sascha Bähring, Verhandlungsführer von ver.di Nord.

Für einen zukunftsfähigen ÖPNV fordert die Gewerkschaft ver.di erneut von Land und Kommunen eine vernünftige Ausfinanzierung des ÖPNV in Schleswig-Holstein.

„Wer die verkehrspolitische Wende schaffen will, muss auch dafür sorgen, dass die entsprechenden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen geschaffen werden, damit hier die richtigen Schritte gemacht werden können. Nur die Finanzierung modernster Busse reicht nicht, auch die personellen Rahmenbedingungen müssen gefördert und finanziert werden“, so Bähring weiter.

„Wir sind bei dieser Einigung über die Grenzen des Machbaren gegangen“, erklärte Andreas Schulz von der Kieler Verkehrsgesellschaft mbH, stellvertretender Vorsitzender des Fachausschusses für Nahverkehrsbetriebe im Kommunalen Arbeitgeberverband Schleswig-Holstein. Angesichts angespannter Finanzierungsbedingungen und der Herausforderungen durch die Dekarbonisierung sei der Abschluss für die Unternehmen mehr als anspruchsvoll. Gleichzeitig sagte Schulz, dass er hofft, dass die neuen Regeln die Arbeitsbedingungen weiterhin attraktiv machen – besonders für das Fahrpersonal – und dieses hohe Niveau erhalten bleibt.

Auch Jan Jacobsen, Verbandsgeschäftsführer des Kommunalen Arbeitgeberverbandes Schleswig-Holstein, betonte den konstruktiven Verlauf der Gespräche. In der vierten Verhandlungsrunde seien beide Seiten aufeinander zugegangen und hätten gemeinsam ein tragfähiges Maßnahmenpaket geschnürt. Dieses trage den Interessen beider Seiten Rechnung: Die Unternehmen könnten ihr Leistungsangebot im Nahverkehr sichern, während die Beschäftigten spürbare Verbesserungen erhielten.

Das Einigungspaket wurde von beiden Verhandlungskommissionen angenommen, steht jedoch noch bis zum 31. März 2026 unter dem Vorbehalt der Genehmigung der entscheidenden Gremien. Für die Arbeitgeberseite signalisierte Jacobsen, dass die Gremien das Ergebnis mittragen werden. Ziel sei es gewesen, weitere Streikmaßnahmen, wie am vergangenen Freitag, zu vermeiden und die Zuverlässigkeit des öffentlichen Nahverkehrs für die Bevölkerung sicherzustellen.

Der Tarifabschluss hat eine Laufzeit bis zum 31. Dezember 2029.

Bei den Busfahrern gibt es eine Tarifeinigung.

Bei den Busfahrern gibt es eine Tarifeinigung.


Text-Nummer: 178131   Autor: Ver.di/KAV SH/red.   vom 01.03.2026 um 15.38 Uhr

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Kommentare zu diesem Text:

Oliver

schrieb am 02.03.2026 um 07.09 Uhr:
Und wann kommt dann die nächste Preiserhöhung?

J. Gerwien

schrieb am 02.03.2026 um 08.11 Uhr:
Man lese zwischen den Zeilen. Der MANTELtarifvertrag ist jetzt verhandelt und wird wohl angenommen - und da ist bis 2029 Ruhe.
Der Tarifvertrag für die eigentliche Bezahlung steht aber dann im Sommer zur Diskussion? Also nix mit Ruhe, das Feilschen um Prozente kommt gewiss...

Micha

schrieb am 02.03.2026 um 10.06 Uhr:
Moin,

und der Fahrgast zahlt die Zeche!!!!

Joris

schrieb am 02.03.2026 um 12.11 Uhr:
Tarif-Einigung: Wer zahlt die „Grenzen des Machbaren“?

Gewerkschaften sind für unsere Marktwirtschaft unverzichtbar, doch der aktuelle Kurs führt in eine gefährliche Sackgasse. Das jüngste Tarifergebnis für die Busfahrer in Schleswig-Holstein ist ein Paradebeispiel: Die Arbeitgeber geben offen zu, „über die Grenzen des Machbaren“ gegangen zu sein. Was als Erfolg gefeiert wird, ist für den Bürger ein teures Warnsignal.

Die Zeche für Sonderzahlungen von 1.400 Euro und verdoppelte Pauschalen zahlt am Ende nicht ein fiktiver Arbeitgeber, sondern die Allgemeinheit. Da kommunale Betriebe keine Gewinne machen, folgt die Refinanzierung sofort: durch höhere Ticketpreise und steigende Subventionen aus Steuergeldern. Es ist eine Umverteilung von der linken in die rechte Tasche des Bürgers, während die Kommunalkassen finanziell ausbluten.

Ein Blick auf die letzten zehn Jahre zeigt das Kernproblem: Die Bruttolöhne stiegen nominal um über 30 %. Doch beim Arbeitnehmer kommt netto oft zu wenig an, da die Sozialabgaben (bald über 42 %) die Zuwächse auffressen. Verdi profitiert dennoch doppelt: Über die prozentualen Mitgliedsbeiträge steigt das Gewerkschaftsbudget mit jedem Abschluss, während man gleichzeitig nach mehr „Ausfinanzierung“ durch den Staat ruft.

Statt die Lohn-Preis-Spirale weiterzudrehen, muss die Politik endlich die Abgabenlast senken. Wer nur am Brutto schraubt, kauft den sozialen Frieden mit dem Geld derer, die ohnehin schon am Limit sind.

Joris

schrieb am 02.03.2026 um 12.21 Uhr:
Nebenbei, weil immer mal wieder die fragen aufkommen: "NAH.SH , Ticketpreise usw.

Wer oder was ist NAH.SH?
Die NAH.SH GmbH ist der Nahverkehrsverbund für ganz Schleswig-Holstein. Man kann sie sich als die „Dachorganisation“ vorstellen. Sie gehört dem Land und den Kreisen/kreisfreien Städten. Ihr Ziel ist der Schleswig-Holstein-Tarif (SH-Tarif): Ein Ticket, das im ganzen Land gilt – egal ob man in Lübeck in den Bus steigt oder in Kiel in die Bahn.

Warum kann Lübeck nicht allein entscheiden?
Früher kochte jede Stadt ihr eigenes Süppchen. Heute ist Lübeck Teil des SH-Tarifs. Das hat für die Stadt massive Folgen:

Tarif-Diktat der Gemeinschaft: Da es ein landesweit einheitliches Preissystem gibt, können Fahrpreise nur gemeinsam im Verbund geändert werden. Lübeck kann nicht einfach sagen: „Wir erhöhen jetzt um 10 %“ (oder senken die Preise), wenn Kiel oder Flensburg nicht mitziehen. Die Entscheidungen fallen im Aufsichtsrat von NAH.SH, wo alle Kreise und das Land am Tisch sitzen.

Einnahmeaufteilung (Einnahmeaufteilungsschlüssel): Alle Gelder aus Ticketverkäufen fließen in einen großen Topf. NAH.SH verteilt diese Gelder nach einem komplizierten Schlüssel wieder an die Unternehmen (wie Stadtwerke Lübeck Mobil) zurück. Lübeck bekommt also nicht zwingend jeden Euro zurück, den ein Lübecker am Automaten zahlt.

Das Land redet mit: Da das Land Schleswig-Holstein den Schienenverkehr und große Teile des Busnetzes mit Millionenbeträgen bezuschusst, hat das Verkehrsministerium in Kiel bei Preisfragen das letzte Wort.

Die Zwickmühle für Lübeck
Hier entsteht der politisch-wirtschaftliche Wahnsinn:

Lübeck verhandelt vor Ort (über den Kommunalen Arbeitgeberverband) die hohen Löhne für die Busfahrer.

Die Kosten bleiben in Lübeck hängen (Personalbudget der Stadtwerke).

Die Einnahmen werden in Kiel (bei NAH.SH) gesteuert.

Wenn die Lohnkosten in Lübeck durch den ver.di-Abschluss explodieren, die Einnahmen aus dem Verbundtopf aber nicht im gleichen Maße steigen, entsteht ein Defizit, das die Stadt Lübeck aus ihrem allgemeinen Haushalt ausgleichen muss.

Das Ergebnis: Da die Stadt die Ticketpreise nicht eigenmächtig anheben darf, um die Lohnlöcher zu stopfen, greift sie zu den Steuern (z.B. Grundsteuer B), die jeder Lübecker zahlt – egal ob er Bus fährt oder nicht.

Niko Mahn

schrieb am 02.03.2026 um 12.30 Uhr:
Das Geheule ist schon bezeichnend. Jede Erhöhung von Löhnen zahlt am Ende ein Dritter. Entweder kommentieren hier nur Bürgergeldempfänger, oder Mindestlohnempfänger, obwohl, auch deren Bezüge zahlen Dritte.
Schon paradox, nicht wahr?

Andreas Skusa

(eMail: andreas.skusa@gmx.de) schrieb am 02.03.2026 um 12.36 Uhr:
@Joris

Sehr gut, auch für den Laien, kommentiert.

der einzig wahre Dissident

(eMail: Kaliber45@yahoo.com) schrieb am 02.03.2026 um 13.00 Uhr:
na, dann dürfen sich die Fahrgäste schon auf die nächsten deutlichen Fahrpreiserhöhungen freuen. Busfahren, vor allem für Familien und Menschen die noch einer Arbeit nachgehen, wird finanziell für viele immer belastender. Lübeck hat ohnehin mit die teuersten Tarife im ÖPNV.

Attila

schrieb am 02.03.2026 um 14.13 Uhr:
Es ist schön, dass die Streiks offenbar etwas gebracht haben.
Darüber hinaus ist es bezeichnend für die ewigen Nörgler, auch hier etwas gefunden zu haben.

Warum sollten Arbeitnehmer auf ihre Rechte verzichten bzw nicht um ihre Rechts kämpfen? Ich verstehe es nicht! Jeder Arbeitgeber nimmt auch die eigenen Rechte wahr, ohne Rücksicht auf alle und jeden.
Nur weil es die nachweislich schwächere Seite in Anspruch nimmt, wird lamentiert.

Natürlich ist es jedem Arbeitnehmer selbst überlassen, sich ausbeuten zu lassen; das ist dann aber dessen Problem!

Chandler Bing

schrieb am 02.03.2026 um 14.46 Uhr:
@ Joris: Warum können die Kommentarschreiber sich nicht vorher erkundigen und dann den entsprechend Kommentar dazu schreiben. Aber nein, erst einmal meckern.
Joris, sie sollen als erstes gute Kommentare wie diesen schreiben. Dann gibt es garantiert mehr sinnvolle Kommentare. Weiter so.

Micha

schrieb am 02.03.2026 um 14.49 Uhr:
Moin,

Leute, kurbelt die Wirtschaft an und kauft euch ein Auto!!! War ein Scherz!!!

Dingens

schrieb am 02.03.2026 um 14.54 Uhr:
Ich hoffe der Abschluss hilft, den Personalmangel zu bekämpfen.
Natürlich werden die Fahrpreise über kurz oder lang weiter steigen. Man muss aber auch berücksichtigen, dass viele dank Deutschlandticket derzeit um einiges günstiger unterwegs sind als mit den normalen Monatskarten.

Oliver

schrieb am 02.03.2026 um 15.50 Uhr:
@Joris:

Dir ist schon klar, dass verdi.nord nicht nur für Lübeck verhandelt hat? Wo steht im Beitrag, dass es ausschließlich Lübeck betreffen würde?
Es wird von Beschäftigten mehrerer Busunternehmen gesprochen. Es handelt sich also aller Wahrscheinlichkeit um ganz SH und das kann sich sehr wohl direkt auf die Fahrpreise des SH-Tarifs auswirken.

Joris

schrieb am 02.03.2026 um 16.33 Uhr:
@Oliver – Wo habe ich geschrieben, dass ver.di exklusiv nur für Lübeck verhandelt? Richtig: nirgends.

Wir kommentieren hier auf HL-Live einen Beitrag über die Stadtwerke Lübeck – natürlich ziehe ich die lokalen Konsequenzen (Grundsteuer B, Ticketpreise vor Ort) als Beispiel heran. Das ändert aber nichts daran, dass das Bruttoproblem ein bundesweites Systemversagen ist.

Hier noch ein paar Fakten zur „mangelnden Abstraktionsfähigkeit“, damit wir auf derselben Datengrundlage diskutieren:

Die 50-%-Falle: Personalkosten machen im ÖPNV (egal ob Lübeck oder landesweit) rund 50 % der gesamten Betriebskosten aus. Jede 5 % Erhöhung beim Brutto schlägt also mit 2,5 % direkt auf den Ticketpreis oder das kommunale Defizit durch. Da hilft kein Schönreden.

Die Abgaben-Explosion: Während Verdi „Erfolge“ feiert, hat sich der Staat ein Monster geschaffen. Die Sozialversicherungsbeiträge (Kranken-, Pflege-, Renten-, Arbeitslosenversicherung) lagen 2016 bei 39,55 %. Heute liegen wir bei über 41 %, und für 2026 steuern wir laut Prognosen auf 42,3 % zu. Das Brutto steigt, aber der Staat und die Kassen fressen den Löwenanteil.

Das „System Verdi“: Bei einem Mitgliedsbeitrag von 1 % des Bruttolohns bedeutet jede Erhöhung für die Gewerkschaft eine automatische Umsatzsteigerung. Wenn Verdi für 90.000 Beschäftigte im Norden 100 Euro mehr Brutto rausholt, fließen monatlich 90.000 Euro zusätzlich in die Gewerkschaftskasse. Wer ist hier wohl der wahre Gewinner der Inflation?

Die Schulden-Realität: Die Kommunen in SH sitzen auf Milliarden-Altschulden. Da das Land die Ticketpreise (NAH.SH) deckelt, um das 49-Euro-Ticket zu stützen, bleibt den Städten wie Lübeck oft nur die Erhöhung der Grundsteuer B.

Fakt ist: Wir finanzieren hier keine Mobilitätswende, sondern eine ineffiziente Lohn-Preis-Spirale, bei der der Bürger als Fahrgast UND als Steuerzahler doppelt rasiert wird. Wer das als „regionalen Einzelfall“ abtut, hat das System der öffentlichen Finanzen schlicht nicht durchdrungen.

Klink

schrieb am 02.03.2026 um 18.19 Uhr:
(...) Und was ist mit anderen Berufen, die tagtäglich Leben retten und pflegen?

Samu

schrieb am 03.03.2026 um 15.30 Uhr:
@Joris

Super Artikel. Im Zusammenhang betrachtet mit den Folgen habe ich es jetzt kapiert.

Danke.