St. Annen Museum widmet sich der Seidenstraße

Lübeck - Innenstadt: Archiv - 05.03.2026, 12.55 Uhr: „Unterwegs“ lautet das diesjährige Motto der Lübecker Museen. Passend dazu nimmt die Lübecker Sammlung Kulturen der Welt eine der bekanntesten Handels- und Reiserouten seit der Antike in den Blick: Am 6. März wird die Ausstellung „Der Lübecker Divan. Ein Reiseführer für die Seidenstraße“ im St. Annen-Museum eröffnet.

Bild ergänzt Text

Im Fokus stehen die Beziehungen zwischen Lübeck und den Ländern Ost- und Zentralasiens bis in die Gegenwart, veranschaulicht durch 96 Exponate aus 18 Ländern, darunter die Zentralasien-Sammlung des ersten Direktors des Lübecker Völkerkundemuseums aus dem frühen 20. Jahrhundert. Der Titel der Schau wird dabei ganz wörtlich genommen, da sie auf klassische Museumstexte verzichtet, sondern den Besuchenden die Thematik mittels Infoboxen im Jargon von Reisehandbüchern vermittelt. Zudem bietet die Sammlung Kulturen der Welt im Herbst auch erstmalig eine begleitete Reise durch Turkmenistan und Usbekistan an. Die Ausstellung wurde vom Sammlungsdirektor Dr. Lars Frühsorge zusammen mit seinem wissenschaftlichen Mitarbeiter Dr. Olaf Günther kuratiert und ist bis zum 30. August 2026 zu sehen.

Bild ergänzt Text

Der Begriff „Seidenstraße“ wurde 1877 von dem deutschen Geografen Ferdinand von Richthofen geprägt, um ein Netzwerk von Handelsrouten von China durch Zentralasien bis nach Europa zu beschreiben. Mit rund 6400 Kilometern verbanden ihre Karawanenwege ab etwa 200 v. Chr. China über Zentralasien mit dem Mittelmeerraum. Dementsprechend spannt die Ausstellung einen zeitlichen Bogen von der Antike bis in die Gegenwart. Neben den wechselvollen Beziehungen zwischen China und Deutschland, gewissermaßen den Endpunkten der Seidenstraße, liegt der Fokus auf den Ländern Zentralasiens entlang der Seidenstraße. Auf diesen Routen wurden nicht nur Seide, sondern auch eine Fülle anderer Produkte wie Tee, Porzellan, Gewürze, Glas und Opium zwischen Ost und West gehandelt. Noch wichtiger ist jedoch, dass auf diesen Routen auch technisches, mathematisches, astronomisches, kartografisches und medizinisches Wissen nach Europa gelangte, da die Kulturen Asiens im Mittelalter den europäischen Wissenschaften weit voraus waren. Über Reisende wurden aus den chinesischen und islamischen Kulturen zudem Kunst, Musik, Architektur, Religion und Literatur Europas beeinflusst. Exemplarisch dafür werden in der Ausstellung Erfindungen wie Papier oder Buchdruck, Schießpulver, Steigbügel oder das Schachspiel gezeigt und sogar das vermeintlich typische Lübecker Marzipan als persische Erfindung „entlarvt“. Doch auch die negativen Aspekte einer solchen Handelsroute wie kriegerische Auseinandersetzungen oder Epidemien sollen nicht verschwiegen werden.

Bild ergänzt Text

Der Titel der Schau „Der Lübecker Divan“ wurde bewusst gewählt und orientiert sich an dem Konzept des „Divan“, mit dem im islamischen Kulturbereich eine Sammlung poetischer Meisterwerke bezeichnet wurde. Dieser Begriff wurde bereits von Goethe aufgegriffen, der 1819 eine eigene, von persischen Poeten wie Hafis und Rumi inspirierte Gedichtsammlung mit dem Titel „West-östlicher Divan“ veröffentlichte. In der aktuellen Ausstellung steht die Bezeichnung Divan aber nicht für eine Sammlung poetischer Meisterwerke, sondern für eine Zusammenstellung künstlerischer und kulturhistorischer Höhepunkte aus den Beständen der Sammlung Kulturen der Welt.

Bild ergänzt Text

Herzstück der Ausstellung ist die Zentralasien-Sammlung des ersten Direktors des Lübecker Völkerkundemuseums, Richard Karutz. Er bereiste 1903 bis 1907 Zentralasien und dokumentierte in zwei Büchern anhand von Fotos und Objekten das traditionelle Leben in den nomadischen Gemeinschaften und uralten Oasenstädten, bevor diese durch die russische Kolonisation und die Eingliederung in die Sowjetunion nachhaltig verändert wurden. Aus seiner Sammlung zu sehen sind unter anderem kostbare Gewänder, Teppiche, Skulpturen oder Gebrauchsgegenstände, die teilweise noch nie öffentlich gezeigt wurden. Das älteste Exponat der Ausstellung stammt aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. und ist ein Keilschrifttext des biblischen Königs Nebukadnezar, den der Lübecker Weltreisende Gustav Pauli von einer Asienreise mitgebracht hat. Doch auch Gegenwartskunst ist zu sehen, so etwa ein eigens für die Ausstellung gefertigtes Hochzeitskleid oder Gemälde, die eine Vision von einem faireren Miteinander der Handelspartner in Ost und West entwerfen.

Die Ausstellung bietet zudem einen interaktiven E-Guide, auf dem die Gäste nicht nur vertiefende Informationen und Podcasts zu jedem Exponat erhalten, sondern auch eigene Ideen posten können. Die Plattform divan.community-museum.de wurde unter Zuhilfenahme Künstlicher Intelligenz im Vorfeld der Ausstellung geschaffen, um unter anderem auch Studierenden aus Zentralasien die Möglichkeit zu bieten, sich mit den Lübecker Exponaten und somit mit ihren kulturellen Wurzeln zu beschäftigen.

Die Schau konnte durch die finanzielle Unterstützung der Possehl-Stiftung, Frau und Kultur e. V. sowie der Friedrich Bluhme und Else Jebsen-Stiftung realisiert werden.

Dr. Lars Frühsorge, Leiter der Sammlung der Kulturen der Welt, stellte die Ausstellung am Donnerstag vor. Fotos: JW

Dr. Lars Frühsorge, Leiter der Sammlung der Kulturen der Welt, stellte die Ausstellung am Donnerstag vor. Fotos: JW


Text-Nummer: 178207   Autor: Museen/red.   vom 05.03.2026 um 12.55 Uhr

Text teilen: auf facebook +++ auf X (Twitter) +++ über WhatsApp

Text ausdrucken. +++  Text ohne Bilder ausdrucken.