Haus Seeblick: Jetzt steht nur noch der Gartenzaun
Lübeck - Travemünde: Archiv - 08.03.2026, 13.45 Uhr: Anfang März konnten Spaziergänger durch den Bauzaun noch einen letzten Blick auf „Haus Seeblick“ werfen. Eine Woche später steht der Bauzaun immer noch, doch dahinter ist nichts. Das komplette Haus ist weg, die Trümmer sind abgeräumt. „Haus Seeblick“ ist verschwunden. Was geblieben ist, sind der hölzerne Gartenzaun und ein Graffiti auf der Garagenwand, das an die früheren Nutzer erinnert.
Gesprächsthema ist „Haus Seeblick“ auch jetzt noch auf dem Steilufer-Wanderweg zwischen Travemünde und Niendorf. „Wo ist denn das Haus, das versetzt werden soll?“, fragt etwa ein Spaziergänger. Überregional hatten Medien über den Abriss und die Pläne des Eigentümers berichtet, aus denen allerdings nichts wurde: Am Montag (02.03.2026) hatte der Abriss des mehr als 100 Jahre alten denkmalgeschützten Gebäudes begonnen (Wir berichteten). Auf Veranlassung der Hansestadt Lübeck und gegen den Willen des Eigentümers. Die Gefahr, dass Menschen durch die näher rückende Abbruchkante zu Schaden kommen, schien zu groß. Davon zeugt auch der gesperrte Strand unterhalb des Grundstücks.



Grundstück ist geräumt
Was jetzt noch durch den Zaun zu sehen ist, ist ein ordentlich beräumtes Loch im Erdreich. Spaziergänger gehen drumherum. Es gibt noch eine alte Feuerstelle aus Steinen und Baumstümpfen, wo sicher manch gemütlicher Abend verbracht wurde. Und eine einsame Tischtennisplatte, auf der kein Match mehr ausgetragen wird. In einem Unterstand sind ordentlich aneinander gelehnt weiße Fenster gelagert. Ein Schuttcontainer steht noch da und der Abbruchbagger. Doch seine Arbeit scheint getan.

Hammer und Sichel an der Garagenwand
„Das ist traurig, das hat so lange da gestanden“, sagt eine Spaziergängerin, als sie an dem leeren Grundstück vorbeikommt. Und eine andere fragt: „Was war das mal, eine Jugendherberge oder so?“ Tatsächlich hatte, bevor es in private Hände ging, die „Sozialistische Jugend Deutschlands - Die Falken“ das Gebäude genutzt. Davon zeugt ein großes Graffiti auf der Garagenwand. Das ist im „Bubble-Style“ gehalten und schwer zu lesen, aber mit etwas gutem Willen lässt es sich als „Falken“ interpretieren. Eindeutig zu erkennen sind das markante rote Vogelsymbol, der „Falke“. Direkt daneben prangt ein roter Stern mit Hammer und Sichel – Symbole, die den politisch bewegten Geist unterstreichen, der hier über Jahrzehnte wehte.


Uferabbrüche werden sich fortsetzen
Der Bagger wird sich bald anderen Aufgaben zuwenden. Was mit dem Grundstück wird, ist noch unklar. Langfristig wird es sich die Natur holen, Stück für Stück, im Durchschnitt etwa einen Meter pro Jahr. Die Stadt hat die Gefahrenquelle beseitigt. Wanderer haben einen vertrauten Orientierungspunkt verloren. In ein paar Jahren wird wohl kaum noch etwas an das Haus erinnern, das dem Meer am Ende einfach zu nahe gekommen war.

Der alte Holzzaun grenzt das Grundstück ab, auf dem vor wenigen Tagen noch das schmucke Rotklinker-Gebäude hoch oben am Steilufer thronte. Fotos: Helge Normann
Text-Nummer: 178249 Autor: Helge Normann vom 08.03.2026 um 13.45 Uhr
