Priwall: Kooperation möchte Tourismus stärken

Lübeck - Travemünde: Archiv: Die Zukunft des Priwall stand im Mittelpunkt einer Zukunftswerkstatt, zu der Lübecks Wirtschafts- und Sozialsenatorin Pia Steinrücke Vertreter aus Beherbergung, Gastronomie, Dienstleistung und Freizeiteinrichtungen eingeladen hatte. Konkret ging es um die Fährpreise, ein neues gastronomisches Angebot und gemeinsames Marketing.

Ziel des Beteiligungsformats war es, auf Grundlage des Tourismusentwicklungskonzeptes Lübeck und Travemünde 2030 (TEK) eine Bilanz der bisherigen Entwicklung zu ziehen und darauf aufbauend konkrete Ansätze für eine nachhaltige und zukunftsfähige Weiterentwicklung der Halbinsel zu erarbeiten.

„Der Priwall ist ein besonderer Ort mit großem Potenzial. Dieses Potenzial wollen wir gemeinsam mit allen Beteiligten verantwortungsvoll und mit einem mutigen Blick nach vorn weiterentwickeln“, betont Senatorin Pia Steinrücke. Ziel sei es insbesondere, das touristische Angebot stärker ganzjährig auszurichten und qualitativ weiterzuentwickeln.

Der Priwall ist als Teil des Seebads Travemünde ein bedeutender Bestandteil des Tourismusstandortes Lübeck. Mit rund 1,2 Millionen Übernachtungen jährlich entfällt etwa die Hälfte der touristischen Nachfrage im Gesamtraum Lübeck–Travemünde auf Travemünde; rund ein Viertel dieser Übernachtungen wird auf dem Priwall generiert. Damit trägt die Halbinsel substanziell zur Wertschöpfung im Tourismus bei.

Als besonderer Natur- und Erlebnisraum an der Ostsee verbindet der Priwall eine ökologisch sensible Küstenlandschaft mit touristischer Infrastruktur und gewachsenen Wohnstrukturen. Zudem ist er in den sogenannten Promenadenrundlauf eingebunden – eine zentrale Wege- und Erlebnisachse des Seebads, die das touristische Profil Travemündes maßgeblich prägt.

Die Hansestadt Lübeck setzt mit der Zukunftswerkstatt bewusst auf Dialog, Transparenz und kooperative Entwicklung. In moderierten Arbeitsgruppen wurden zentrale Handlungsbedarfe identifiziert und prioritäre Maßnahmenvorschläge erarbeitet. Im Fokus standen insbesondere folgende Themenfelder:

-Erreichbarkeit, Besucherfrequenz und Steuerung des Tagestourismus
-Veranstaltungen, Besuchsanlässe und zielgerichtetes Marketing
- Infrastruktur und Facility Management
- Kooperatives Standortmanagement.

Christian Martin Lukas, Geschäftsführer der Lübeck und Travemünde Marketing GmbH (LTM), unterstreicht die Bedeutung klarer Zuständigkeiten und abgestimmter Prozesse: „Wir wollen Transparenz in Verantwortlichkeiten schaffen und Schnittstellen optimieren, damit die Aufenthaltsqualität auf dem Priwall weiter steigt. Eine bessere ganzjährige Auslastung der vorhandenen Betten kann nur gelingen, wenn Angebot, Infrastruktur und Kommunikation stimmig ineinandergreifen und zusätzliche Besuchsanlässe geschaffen werden.“ Für die kommende Saison seien neue Veranstaltungsformate geplant; im Herbst starte zudem eine Marketingkampagne mit Fokus auf die Nebensaison.

Uwe Kirchhoff, Leiter des Kurbetriebs Travemünde, begrüßt die breite Beteiligung an der Zukunftswerkstatt: „Mehr als 30 Akteure haben sich konstruktiv eingebracht und zentrale Stellschrauben identifiziert. Nun geht es darum, priorisierte Maßnahmen zügig umzusetzen und sichtbare Verbesserungen für Gäste und Einheimische zu erzielen. Ein wesentlicher Baustein für das ganzheitliche Erlebnis des Promenadenrundlaufes – und damit verbunden die Steigerung der Frequenzen auf dem Priwall – ist eine niederschwellige und preislich attraktive Gestaltung der Fährnutzung, die insbesondere Fußgängern und Radfahrern den unbeschwerten Wechsel zwischen beiden Ufern ermöglicht.“

Auch private Investoren engagieren sich für eine Weiterentwicklung des Angebots auf dem Priwall. Unter dem Namen PriWilly Cosmos plant zum Saisonstart eine Investorengruppe im Aktivitätscenter der Beach Bay neue Erlebnis- und Gastronomieangebote für unterschiedliche Zielgruppen. „Gemeinsam mit den Akteuren vor Ort möchten wir Motor für eine ganzjährige touristische Bespielung des Priwall sein“, so Michael Ritter von PriWilly Cosmos.

Die Interessenvertretung Priwall Waterfront (IvPW) sowie örtliche Vermittlungsagenturen für Ferienwohnungen diskutierten insbesondere Fragen eines abgestimmten Standortmanagements. Im Mittelpunkt stehen reibungslose Abläufe im Ferienwohnungssegment, eine qualitätsgesicherte Gästebetreuung sowie die Pflege und Unterhaltung von Außenanlagen. Hier gilt es, private und öffentliche Interessen, unterschiedliche Eigentumsverhältnisse und Zuständigkeiten klar zu definieren und besser zu koordinieren. Manfred Soyke von der IvPW dazu: „Wir haben proaktiv den Dialog mit den zuständigen städtischen Akteuren gesucht und freuen uns, dass unser Engagement auf fruchtbaren Boden gefallen ist. Wir bringen uns gern ein und laden die Beteiligten zu einem nächsten Termin im März ein, um weitere Bausteine für eine eigenverantwortliche und kooperative Weiterentwicklung des Priwall zu erarbeiten.“

Die beteiligten Akteure werden die inhaltliche Vertiefung nun in themenspezifischen Arbeitsgruppen fortsetzen und erste Umsetzungsschritte einleiten. Für den Herbst ist ein weiteres Werkstattgespräch in großer Runde vorgesehen. Mit dem Beteiligungsprozess unterstreicht die Stadt ihren Anspruch, die Entwicklung des Priwall im konstruktiven Austausch mit Wirtschaft, Eigentümern und Öffentlichkeit zu gestalten. Die Zukunftswerkstatt versteht sich als Auftakt für einen kontinuierlichen Dialog- und Umsetzungsprozess.

Folgende Institutionen und Leistungsanbieter haben an der Zukunftswerkstatt teilgenommen: DLRG, Edeka Jans, fwi Hamburg, GLC/Urlaubsglück.de, Homes by the Sea, Interessenvertretung Priwall Waterfront (IvPW), Nordic GmbH, Novasol Priwall, Ostseestation, Planet Gruppe, Port 54°, PriWilly Cosmos GmbH, SlowDown, Travemünder Wirtschaftsgemeinschaft e. V., Hansestadt Lübeck: Bereich Wirtschaft und Soziales, Bereich Schule und Sport und Bereich Stadtplanung, Kurbetrieb Travemünde, Lübeck und Travemünde Marketing GmbH sowie dwif Consulting GmbH.
Zuletzt gab es Kritik an der Entwicklung auf dem Priwall. Jetzt wollen die Beteiligten gemeinsam die Situation verbessern. Foto: LTM
Zuletzt gab es Kritik an der Entwicklung auf dem Priwall. Jetzt wollen die Beteiligten gemeinsam die Situation verbessern. Foto: LTM

Text-Nummer: 178282    Autor: LTM/red.    vom 9.3.2026 15.38 Uhr

Kommentare zu diesem Text (8):

Priwallus

schrieb am 9.3.2026 16.59 Uhr:
Wenn man bedenkt, wie lange schon die Situation auf dem Priwall kritisiert wird, ohne dass es irgend jemand gelungen ist, mit einem funktionierenden Projektvorschlag einen Erfolg zu haben, kommt diese Mammutschau ziemlich spät. Es ist so wie seit Jahren bereits von der Bip und anderem zutreffend vorausgesagt, der Priwall durch diese Betonwüste vermasselt und verbaut. Jetzt stehen da zwar so um die 50 Töpfe mit Bäumen, die schon zu Bauzeiten dringend gefordert wurden, aber eine entscheidende Änderung haben sie nicht gebracht. Städtebaulich ein ohne Abriss und professionelle Neugestaltung nicht korrigierbare Situation.

Alex

schrieb am 9.3.2026 20.52 Uhr:
Wenn die Preisgestaltung wie bei den alten Betreibern ist, wird das ganze Konzept auch wieder gegen die Wand laufen...

Der Priwall war mal familienfreundlich, kostengünstig und ursprünglich.

Vor dem Bäcker beim Supermarkt bilden sich im Sommer täglich lange Schlangen, während die ehemalige Promenaden-Backwaren-aufbäckerei mit Wucherpreisen leer blieb.

Ein alt eingesessenes Restaurant konnte sich halten, ist immer gut gefüllt.
Preis Leistung stimmen hier einfach.

Just saying...

Helmut Winter

schrieb am 9.3.2026 20.59 Uhr:
Das ist alles schon sehr traurig. Wie viel Proteste gab es gegen diese Verschandlung des Priwalls. Aber unser lieber Bürgermeister - und auch andere - wollte davon nichts wissen. Sogar Waterfront 2 sollte es noch geben.

Jetzt fällt ihm dieser Mist vor die Füße, die Warnungen aller Kritiker sind eingetreten, da drüben herrscht gähnende Leere. Und wo ist unser lieber Bürgermeister jetzt?

Wahrscheinlich Fototermin. Woanders.

Travemünder

schrieb am 10.3.2026 7.05 Uhr:
Wenn ich die Liste der beteiligten Institutionen und Interessenvertretungen lese, fällt mir auf, dass die Vertretung der Priwallbewohner nicht aufgeführt ist. Wurde sie nicht eingeladen oder hatte sie kein Interesse an der Teilnahme?

Gemeinschaft der Priwallbewohner

schrieb am 10.3.2026 9.01 Uhr:
Auch die Gemeinschaft der Priwallbewohner fragt sich zurecht, warum wieder mal die Bewohner des Priwall, die es direkt betrifft, nicht eingeladen worden sind.
Unverständlich, da wir bisher eine gute Kommunikation mit der Stadt gepflegt haben und wir uns auch sehr über den Besuch des Bürgermeisters auf dem Priwall gefreut hatten!
Leider werden die Anwohner wieder als letztes gefragt. Meistens dann, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist.
Dann ist leider immer die Not groß. Wie gerade jetzt.
Warum müssen es immer Menschen - Ketten sein, damit irgendetwas passiert oder die Stadt aufwacht?!?
Ich hoffe das jetzt schnellstmöglich die Kommunikation mit der Gemeinschaft der Priwallbewohner aufgenommen wird.
Wir freuen uns über jede Kontaktaufnahme und sind mit 450 Mitgliedern, die den Priwall am besten kennen sicherlich gerne mit bei der Gestaltung der Zukunft dabei!
info@priwallbewohner.de

gernotM

schrieb am 10.3.2026 10.25 Uhr:
Wenn ich schon lese "Investoren-Gruppe"...
Das Übel ist dieses vollkommen fehl geplante Projekt selber !
Mahnende Stimmen wurden geflissentlich überhört...
Da nützen auch salbungsvolle Worte sog. "Experten" nichts.
Es ist so wie auch sonst in der Politik !
Es soll gelingen, was nicht gelingen kann !
Abreißen und vernünftig gestalten, dann kann man dort auch wieder Geld verdienen !

Bernd Feddern

schrieb am 10.3.2026 20.58 Uhr:
Frage:
Warum sollten Bürgermeister große Füße haben?

Damit es nicht ganz so laut wird, wenn ihnen alles auf die Füße kracht - so wie hier ...

Andreas Holtz

schrieb am 11.3.2026 14.55 Uhr:
Aus Sicht eines langjährigen Priwall-Fans kann ich sagen, dass sich die Attraktivität allein durch die Preisentwicklung deutlich verringert hat.

Wir sind als Familie mit kleinen Kindern das erste Mal im Juni 2016 in einem der gemütlichen Holzhäuschen von Landal gewesen und waren seitdem mindestens einmal im Jahr wieder dort, weil wir uns in den Ort einfach verliebt hatten und viele wunderschöne Erinnerungen dort entstanden sind.

Damals konnte man so ein Haus eine Woche lang für 600-800 Euro mieten und in einem wunderbaren Umfeld zwischen Wald und Strand einen erholsamen Urlaub verbringen.

Wenige Jahre später lag der Preis schon bei über 1000 Euro, mittlerweile werden in den Sommerferien auch gerne mal 2000 Euro und mehr verlangt. Das sind Preise, die - selbst wenn man es sich leisten kann und will - preis-/leistungsmäßig aus unserer Sicht nicht mehr zu rechtfertigen sind. Daher kommt für uns der Priwall für den Sommerurlaub leider nicht mehr in Frage, zumal die neuen Unterkünfte an der Beach Bay noch höhere Preise aufrufen und auch nicht den gleichen Charme bieten, wie die Holzhäuser.

Wir kommen immer noch wirklich gerne, allerdings nur noch für lange Wochenenden zu reduzierten Preisen in der Nebensaison.