Kontroverse Umweltdebatte mit Minister im Bartelsholz

Lübeck - Moisling: Archiv - 12.03.2026, 21.27 Uhr: Minister Tobias Goldschmidt war bei seinem Besuch am Donnerstag sichtlich angetan von der sachlichen, aber nichtsdestoweniger engagierten Umweltdebatte im Lübecker Bartelsholz über die geplante Stromtrasse. Viele Hoffnungen konnte er den zahlreichen Teilnehmern an dem Termin aber nicht machen.

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Das Bündnis für die Nordumgehung des Waldstücks hatte schon länger zu diesem Termin geladen, aber das letzte Mal machte Sturmtief Elli einen Strich durch die Rechnung. Dieses Mal spielte das Wetter mit, auch zur Freude des Landtagsabgeordneten für Lübeck-Süd, Jasper Balke von den Grünen, der seinen Parteifreund Tobias Goldschmidt dringend gebeten hatte, sich unbedingt vor Ort ein Bild der Lage zu machen.

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Als Minister für Energiewende, Klimaschutz, Umwelt und Natur sitzt der natürlich in der anstehenden Frage mitten in der Quadratur des Kreises. Für die Energiewende muss er dafür sorgen, dass die Leitungen in den Süden möglichst schnell realisiert werden. Was Klimaschutz, Umwelt und Natur betrifft, müsste er sich im Grunde schützend vor das Bartelsholz stellen.

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Der Minister versuchte, ein realistisches Bild der Lage zu vermitteln. Um in endlicher Zeit die Energiewende zu bewältigen, wurde eine Beschleunigung des Netzausbaus beschlossen. Die Firma Tennet als Vorhabenträger hat dazu eine Planung vorgelegt, die jetzt nach geltendem Recht von der Planungsbehörde begutachtet wird. Von der ursprünglichen Variante der Schneise durch das Bartelsholz ist Tennet bereit abzuweichen. Die Überspannung als Kompromissvariante steht im Raum. Goldschmidt wollte den Kundgebungsteilnehmern keine Illusionen machen. Seiner Meinung nach ist am Ende diese Überspannungsvariante das wahrscheinlichste Ergebnis des Prozesses. Die Kundgebungsteilnehmer wehrten sich vehement dagegen.

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Der ehemalige Bartelsholz Revierleiter Jörg Baeskow bohrte nach, warum denn die vom Bündnis geforderte Nordvariante nicht einmal geprüft wurde. Es hieße immer nur, sie sei nicht genehmigungsfähig, aber vom Flächenverbrauch her die eindeutig sinnvollere Variante.

Reinhard Degener vom BUND und der Lübecker Naturschutzbeauftragte Joachim Schulz hoben auf den biologischen und technischen Klimaschutz ab. Der Schutz der Lebensgrundlagen ist ihrer Meinung nach viel zu wenig Teil der Abwägung aller Belange. Diese Abwägung möchte das Umweltministerium nicht vornehmen. Man vertraut auf die rechtmäßig nachvollziehbare Entscheidung der unabhängigen Planungsbehörde.

Darauf setzt auch Tennet als Vorhabenträger. Planungschef Philipp Schröder hält die Überspannung für einen "guten Kompromiss". Bedenken von direkten Anwohnern bezüglich Straßenschäden und Bauschäden wurden von ihm schnell abgeräumt. Da gibt es keine leeren Versprechungen, verkündete er. Alles wird auf Kosten der Firma wieder ordnungsgemäß hergestellt. Dazu kündigte er einen Wegenutzungsvertrag mit der Hansestadt an, inklusive Schadenregulierung.

Dann ergriff der ehemalige, hochverdiente Leiter des Lübecker Stadtwaldes noch einmal das Wort. Lutz Fähser rief unter Beifall, dass der Lübecker Stadtwald 220 000 private Besitzer hat, nämlich die Lübecker Bürger. Die müssen ihren Willen artikulieren, wie seinerzeit bei den Lübecker Linden, die für tot erklärt wurden, aber von den Bürgern am Leben gehalten wurden.

Allen war am Ende klar, dass sich am Sachstand wenig bewegt hatte. Im Planungsverfahren will man seitens der Initiativen weiter auf die Nordumgehung des Waldes hinwirken. Viele Teilnehmer hatten den Eindruck, dass die geforderte Abwägung zwischen Natur und Technik wohl letztlich von einem Gericht entschieden werden muss, mit unklarem Ausgang, wie immer bei derartigen Verfahren.

Im Original-Ton hören Sie Interviews von Harald Denckmann mit Hannes Napp, Lutz Fähser, Minister Tobias Goldschmidt, dem Landtagsabgeordneten Jasper Balke und Philipp Schröder von Tennet.

Schleswig-Holsteins Umweltminister Tobias Goldschmidt stellte sich vor Ort der Diskussion mit den Bürgern. Fotos, O-Ton: Harald Denckmann

Schleswig-Holsteins Umweltminister Tobias Goldschmidt stellte sich vor Ort der Diskussion mit den Bürgern. Fotos, O-Ton: Harald Denckmann


Hier hören Sie den Originalton:

Text-Nummer: 178359   Autor: Harald Denckmann   vom 12.03.2026 um 21.27 Uhr

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