OzD: Eltern fürchten räumlich zersplitterte Schule

Lübeck - Innenstadt: „Wir erleben die Situation weiterhin als wenig zufriedenstellend. Die Stadt wirkt aus unserer Sicht nach wie vor nicht wirklich handlungsfähig beziehungsweise reagiert nicht mit dem nötigen Nachdruck“, heißt es in einer E-Mail des Schulelternbeirates der Oberschule zum Dom (OzD). Man habe den Eindruck, immer wieder vertröstet zu werden, und nun „zunehmend keine Lust mehr, dieser Untätigkeit tatenlos zuzuschauen“. Deshalb wurde ein Elternbrief an die Stadt verfasst.

Das Thema werde laut Schulelternbeirat aktuell „aus unserer Sicht nahezu vollständig auf dem Rücken der Schülerinnen ausgetragen – sie sind diejenigen, die die Konsequenzen tragen müssen, während an anderer Stelle Verantwortlichkeiten hin- und hergeschoben werden. Wir hoffen sehr, dass sich nun endlich etwas Substanzielles bewegt und die Stadt beginnt, klarer und verlässlicher mit uns zu kommunizieren sowie realistische und umsetzbare Lösungen auf den Weg zu bringen.“

Wir veröffentlichen den Brief des Schulelternbeirates an die Stadt im Wortlaut:

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Sehr geehrter Herr Bürgermeister Lindenau, sehr geehrter Herr Dr. Friedemann, sehr geehrte Mitglieder des Ausschusses Schule und Sport der Hansestadt Lübeck,

wir wenden uns als Elternschaft der Schülerinnen und Schüler der Oberschule zum Dom (OzD) an Sie, da die aktuelle Situation an unserer Schule äußerst besorgniserregend ist. Uns fehlt nicht nur eine klare Perspektive für die Zukunft, sondern auch eine offene und konstruktive Kommunikation zwischen Politik, Verwaltung und Schule. Aus diesem Grund möchten wir Sie auf die drängenden Probleme und Sorgen unserer Schulgemeinschaft aufmerksam machen, die nicht länger tragbar sind. In den vergangenen Wochen wurden in der Presse zahlreiche wohlwollende Artikel veröffentlicht, die jedoch lediglich einen Teil der Wahrheit darstellten und die tatsächliche Lage – möglicherweise gerade im Hinblick auf die bevorstehenden Schulwahlen – aus unserer Sicht beschönigten. Für das kommende Schuljahr fehlen der OzD sechs dringend benötigte Klassenräume. Dieser Mangel ist seit Langem dokumentiert und sowohl der Politik als auch der Verwaltung bekannt. Trotzdem steht unsere Schule weiterhin ohne eine tragfähige und verbindliche Lösung da. Nach unserem Kenntnisstand laufen derzeit Gespräche zwischen Politik und Verwaltung bezüglich des Standorts der Domschule und einer möglichen Nutzung durch die OzD. Bis Ende des ersten Quartals 2026 soll geprüft werden, wohin die Domschule verlegt werden kann. Wir erwarten daher spätestens zum 1. April 2026 eine klare Entscheidung oder zumindest eine transparente Information über das weitere Vorgehen. Da nur noch etwa zwei Wochen verbleiben, stellen wir Ihnen folgende dringende Fragen:

Wie weit sind die Gespräche und vorbereitenden Prüfungen tatsächlich fortgeschritten?
Wie lautet der aktuelle Zwischenstand?
Wie verlässlich sind die in Aussicht gestellten Lösungen oder Modellvorhaben?

Unsere Schulgemeinschaft hat ein berechtigtes Interesse an Transparenz und Planungssicherheit. Schon in der Vergangenheit wurden verschiedene Modelle entwickelt, doch nach der jüngsten Streichung der geplanten Sanierungsmaßnahmen (Dachausbau) sowie der Modulschule für die Domschule auf dem Buniamshof steht die OzD erneut ohne Perspektive da. Wiederholt wurden Lösungen angekündigt, zum Teil bereits konkret mit allen Beteiligten besprochen, und anschließend doch zurückgenommen oder vertagt. Diese permanente Unsicherheit ist für eine Schule unserer Größe und Bedeutung nicht länger hinnehmbar und absolut inakzeptabel!

Die geplante Nutzung der Modulschule an der Hüxwiese als Ausweichquartier bedeutet für die OzD eine deutlich größere Belastung als für andere Innenstadtgymnasien. Die Entfernung von der OzD zur Hüxwiese beträgt laut Google Maps rund 1,5 km – das sind mindestens 18 bis 20 Minuten Fußweg pro Strecke. Unterrichtszeiten, Pausen und Aufsichten müssen entsprechend neu organisiert werden, was die Planungen für das kommende Schuljahr und den Schulalltag massiv erschweren. Hinzu kommt die ohnehin unvorteilhafte ÖPNV-Anbindung der OzD. Die Sperrung der Mühlenbrücke zwingt viele Buslinien zu Umwegen, wodurch sich der Schulweg für zahlreiche Kinder weiter verlängert. Eine Auslagerung an die Hüxwiese würde diese Problematik noch verschärfen und ist verkehrstechnisch für unsere Schülerschaft sehr ungünstig. Bereits jetzt ist die OzD räumlich stark belastet, zum Beispiel durch den Sportunterricht in der LT-Halle. Sollte zusätzlich die Hüxwiese genutzt werden, wäre die Schule faktisch auf mehrere Standorte im Stadtgebiet verteilt – mit Unterrichts- und Sportstätten, die bis zu drei Kilometer auseinanderliegen. Für unsere Schülerinnen und Schüler bedeutet diese Verteilung weit mehr als nur längere Wege: Schule ist ein zentraler Lebensraum, in dem Kontinuität, Verlässlichkeit und soziale Nähe entscheidend sind. Eine räumlich zersplitterte Schule verliert diese Grundlagen und damit das Gefühl von Zusammenhalt und Geborgenheit. Wenn Unterricht, Sport und andere schulische Aktivitäten über mehrere Kilometer verteilt stattfinden, geht das verbindende Element verloren.

Begegnungen werden seltener, spontane Abstimmungen erschwert, und die Gemeinschaft fragmentiert. Besonders für jüngere Schülerinnen und Schüler sind klare räumliche Strukturen wichtig für Sicherheit, Orientierung und Zugehörigkeit. Eine gebündelte Übergangslösung – beispielsweise in der Hanseschule und/oder Domschule – würde nicht nur organisatorische Vorteile bieten, sondern vor allem pädagogisch überzeugen. Sie würde den Fokus auf das Wesentliche lenken: erfolgreiches Lernen in einer starken und verlässlichen Schulgemeinschaft. Zusätzlich zu den Raumproblemen litt die Schule Anfang des Jahres unter wiederkehrenden Heizungsausfällen. Der in diesem Zusammenhang aufgetretene Rohrbruch sowie weiterhin ungeklärten Fragen rund um das verunreinigte Trinkwasser im Lehrerzimmer stellen weitere ernsthafte Herausforderungen der Schule dar. Unsere diesbezügliche Anfrage im Ausschuss Schule und Sport blieb bislang unbeantwortet und wurde laut jüngster Auskunft auf Ende April vertagt. Auch die angekündigte Überprüfung und Reparatur der Wasserleitung ist bisher nicht erfolgt, sodass die Lehrkräfte seit geraumer Zeit unter diesen Einschränkungen arbeiten müssen. Wir erwarten von der Politik und Verwaltung eine sachliche, vollständige und eine transparente Kommunikation.

Im Namen der Elternschaft der OzD bitten wir Sie eindringlich, sich für eine zeitnahe und zukunftsfähige Lösung der Raumproblematik an unserer Schule einzusetzen und die berechtigten Interessen unserer Schulgemeinschaft bei Ihren Entscheidungen zu berücksichtigen. Unsere Schülerinnen und Schüler haben ein Recht auf verlässliche Rahmenbedingungen, die ihnen ein erfolgreiches Lernen und eine starke Schulgemeinschaft ermöglichen.
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„Uns fehlt nicht nur eine klare Perspektive für die Zukunft, sondern auch eine offene und konstruktive Kommunikation zwischen Politik, Verwaltung und Schule“, schreibt die Schulelternschaft an die Stadt. Foto: Archiv

„Uns fehlt nicht nur eine klare Perspektive für die Zukunft, sondern auch eine offene und konstruktive Kommunikation zwischen Politik, Verwaltung und Schule“, schreibt die Schulelternschaft an die Stadt. Foto: Archiv


Text-Nummer: 178442   Autor: Schuleltern/red.   vom 17.03.2026 um 15.37 Uhr

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