Grüne zum Mühlentorplatz: Alle Optionen für sicheren Kreisverkehr prüfen
Lübeck - St. Jürgen: Der Bauausschuss hat in seiner Sitzung einstimmig die Entscheidung über eine Neukonzeption des Mühlentorplatzes um vier Wochen vertagt. Das berichten die Lübecker Grünen in einer Mitteilung unter dem Titel „Alle Optionen für sicheren Kreisverkehr prüfen“.Wir veröffentlichen die Mitteilung der Grünen im Wortlaut:
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Dazu Arne-Matz Ramcke, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen Fraktion: „Trotz des Zeitdrucks halten wir die gestrige Vertagung der Entscheidung für richtig. An einem verkehrstechnisch und städtebaulich so wichtigen Ort brauchen wir eine Lösung, die auf der Abwägung und Einbeziehung aller wissenschaftlichen und verkehrsrechtlichen Erkenntnisse basiert.
In der gestrigen Sitzung mussten wir leider feststellen, dass noch nicht alle Potenziale, den jetzigen Kreisverkehr aus dem Bestand heraus sicherer zu machen, ausgeschöpft wurden. Es gibt naheliegende Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit, die von der Verwaltung allerdings noch nicht hinreichend untersucht wurden.
Das Hauptargument für den kompletten Umbau dieses Verkehrsknotenpunktes begründet sich seitens der Verwaltung in der Sicherheit für den Radverkehr. Bei genauer Betrachtung stellen wir fest, dass sich ein Teil der Unfälle bei wenig Verkehr in den Abendstunden ereignet hat. Notwendige Maßnahmen, um solche Unfälle zu vermeiden, lassen sich ohne Frage auch in dem Bestandskreisel umsetzen und begründen keinen kompletten Umbau.
Wir würden uns an dieser Stelle wünschen, dass die Verwaltung auch die weiteren Unfälle analysiert und dann mit minimalen Anpassungen für Abhilfe und einer Minimierung des Unfallrisikos sorgt. In den Niederlanden wird seit Jahrzehnten auf geschützte Kreisverkehre gesetzt, bei denen getrennte Fahrbahnen für mehr Übersicht, ohne tote Winkel sorgen. Eine solche Variante sollte für den Mühlentorplatz geprüft werden, bevor wir hier einen komplett neuen kosten- und stauintensiven Neubau planen und bauen.
Wir sehen zudem die gravierenden städtebaulichen Hinweise vom Architekturforum, dem Gestaltungsbeirat und dem Bund Deutscher Architekten, wonach der Mühlentorplatz nicht nur ein bloßer Verkehrsknotenpunkt ist, sondern auch ein identitätsstiftender historischer Stadteingang mit Wiedererkennungswert.
Eine Kreuzung wäre aus vielerlei Hinsicht die falsche Lösung. Dies halten wir nur für zustimmungswürdig, wenn nach Prüfung aller anderen Optionen und auf Basis angemessener wissenschaftlicher Studien, nur mit dieser Lösung die Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer*innen erhöht werden kann.”
Sascha Peukert, Mitglied im Bauausschuss, ergänzt: „Die am Montag im Bauausschuss diskutierte Vorlage zum Mühlentorplatz, liegt seit über einem Jahr vor. Seitdem haben wir auf viele Antworten von der Verwaltung gewartet, um uns überhaupt ein vollständiges Bild machen zu können. Denn diese Entscheidung will wohl überlegt sein. Daher erscheint es uns befremdlich, wenn die SPD im Bauausschuss sagt, sie sei bereits von Anfang an auch ohne diese relevanten Informationen entscheidungsbereit gewesen. Lübeck hat mehr verdient als Entscheidungen, die auf Bauchgefühlen basieren.
Schlussendlich geht es darum, die Verkehrsinfrastruktur für Lübecks Zukunft zu gestalten. So waren es CDU und SPD selbst, die vor Jahren einen Anstieg des Radverkehrs sowie den Ausbau des ÖPNV beschlossen haben. Dies können wir nicht erreichen, wenn wir mit einer Kreuzung genau das Gegenteil machen, nämlich den Radverkehr ausbremsen und Bedingungen schaffen, die den motorisierten Individualverkehr bevorzugen und sogar noch fördern werden.
Zudem müssen wir mit Blick auf die Haushaltslage weitsichtig mit unseren Geldern umgehen. Wir können nicht Millionen in den Bau des Radschnellwegs an der Ratzeburger Allee ausgeben und gleichzeitig den Radverkehr an dessen Ende mit einer Kreuzung wieder ausbremsen.”
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Die Grünen wollen „alle Optionen für sicheren Kreisverkehr prüfen“. Foto: VG/Archiv
Text-Nummer: 178466 Autor: Grüne/red. vom 18.03.2026 um 13.57 Uhr
