Verkauf ohne Liegeplatz: Wohin geht der Traveblick?
Lübeck - Travemünde: Ein Vierteljahrhundert gingen Gäste über einen Steg in der Vorderreihe „an Bord“ des Restaurants „Traveblick“. Das ungewöhnliche Restaurant schwimmt auf Pontons am Anleger. Wer zu seiner gebratenen Scholle auch ein wenig Seefahrt-Feeling haben wollte, ohne wirklich ablegen zu müssen, der war dort richtig. Entsprechend hatte das Restaurant eine treue Stammkundschaft. Bis die Verwaltung zum Jahresende den Liegeplatz kündigte. Jetzt steht der „Traveblick“ zum Verkauf. Ohne Liegeplatz.
Eine kleine Protestwelle rollte durch die sozialen Medien, als HL-live.de kurz vor dem Jahreswechsel über das Aus für den Traveblick berichtete. Der Jahresvertrag war von der Stadt gekündigt worden, als Begründung wurde die fehlende Baugenehmigung angeführt – nach immerhin einem Vierteljahrhundert Betrieb in prominentester Lage des Seebades. Auf der Stadtteilkonferenz sprach Senatorin Joanna Hagen dann noch einmal öffentlich von der Genehmigungslage, während die ehemaligen Gäste Grablichter vor ihrem Lieblingsrestaurant aufstellten (Wir berichteten). Im Februar nahm sich die „Travemünder Runde“ des Themas an und schlug einen Mediator zwischen Stadt und Unternehmerin vor (Wir berichteten). Es half alles nichts.
Traveblick steht ohne Liegeplatz zum Verkauf
Auf der großen Kreidetafel vor dem Restaurant standen früher die Menüs, nach der Schließung dann Durchhalteparolen, jetzt klebt dort eine Verkaufsanzeige. „Traveblick zu verkaufen – ohne Liegeplatz“ ist dort zu lesen. Dazu eine E-Mail-Adresse des Maklers, an welche Kaufanfragen gerichtet werden können. Damit dürfte sich jede Hoffnung der langjährigen Stammgäste zerstreut haben, auch weiterhin „ihr“ schwimmendes Restaurant im Lübecker Seebad besuchen zu dürfen. Die urige Konstruktion mit dem markanten weiß-roten Leuchtturm muss ihren Platz räumen.

Traveblick als Hausboot?
Doch wer soll ein schwimmendes Restaurant ohne Liegeplatz kaufen? „Die Zielgruppe ist im Grunde recht offen“, sagt dazu Immobilienmakler Mathias Walter auf Nachfrage von HL-live.de. „Selbstverständlich können die Pontons aufgrund der kompletten Ausstattung auch weiterhin von Gastronomen genutzt und den entsprechenden Bedürfnissen und Wünschen der neuen Eigner baulich verändert werden, wie zum Beispiel durch Umbau in ein großes Hausboot mit toller Dachterrasse und eigenem Bootsanleger längsseits. Die für den Umbau erforderlichen Genehmigungen sind natürlich von den neuen Eignern jeweils zu berücksichtigen.“
Erste Interessenten haben sich gemeldet
„Es gibt bereits einige Interessenten mit unterschiedlichen Konzepten“, verrät Mathias Walter. „Ob ´unser Traveblick` in Travemünde bleibt oder einen neuen Heimathafen anlaufen wird, ist noch nicht abzusehen“, sagt er. Näheres gibt es vielleicht bei der „Travemünder Runde“, die für ihr Treffen im April den „Traveblick“ noch einmal auf die Tagesordnung setzt. Ein genauer Termin für das Treffen ist noch in der Abstimmung.

Das Travemünder Restaurant „Traveblick“ steht jetzt ohne Liegeplatz zum Verkauf. Fotos: Helge Normann
Text-Nummer: 178498 Autor: Helge Normann vom 20.03.2026 um 17.20 Uhr
