Gedenken an die Brandanschläge auf die Lübecker Synagoge
Lübeck - Innenstadt: Zahlreiche Menschen haben am 25. März 2026 der Brandanschläge auf die Lübecker Synagoge in den 90er-Jahren gedacht. Mit Blumen setzten sie ein Zeichen für jüdisches Leben, gegen Antisemitismus und gegen das Vergessen.
Jüdisches Leben hinter Stahlzaun
Im Herzen Lübecks, in unmittelbarer Nachbarschaft zur St.-Aegidien-Kirche, pulsiert jüdisches Leben – geschützt hinter einem hohen Stahlzaun und unter ständiger Polizeibewachung. „Manchmal geht die Tür auf und jemand huscht hinein oder hinaus. Das ist schon sehr traurig“, sagt Nicola Nehmzow, Pastorin an St. Aegidien. „Ich komme hier jeden Tag vorbei – für mich sind es Nachbarn wie all die anderen auch. Ich finde es toll, dass es sie hier gibt, und gleichzeitig ist mir bewusst, wie zerbrechlich jüdisches Leben ist.“
Genau deshalb organisierte das Bündnis gegen Antisemitismus Lübeck am 25. März 2026 die Gedenkveranstaltung „Für jüdisches Leben – mitten in Lübeck und überall!“ direkt vor der Carlebach-Synagoge. Lübeckerinnen und Lübecker kamen zusammen, um Blumen am Zaun zu befestigen, innezuhalten, zu gedenken und miteinander ins Gespräch zu kommen.

Gedenken an Brandanschläge in den 90er-Jahren
Hintergrund der Veranstaltung ist der Brandanschlag auf die Lübecker Synagoge durch vier junge rechtsextreme Männer am 25. März 1994. Es war der erste Anschlag auf ein jüdisches Gotteshaus in Deutschland seit dem Ende der NS-Herrschaft – und löste weltweit Empörung aus. In der Nacht zum 8. Mai 1995 gab es einen weiteren Brandanschlag.

„Wir wollen jedes Jahr daran erinnern – und an all die anderen Anschläge, denen jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger ausgesetzt sind. Das jüdische Leben ist mitten unter uns, und das ist gut so!“, betont Organisatorin Astrid Fiehland van der Vegt. „Jüdisches Leben gehört seit Jahrhunderten zu Lübeck. Wir wollen, dass Jüdinnen und Juden in unserer Mitte sicher und sichtbar leben können. Deshalb engagieren wir uns für den Abbau von Vorurteilen, für eine lebendige Erinnerungskultur und ein respektvolles Miteinander.“

Zeichen der ökumenischen Verbundenheit
Auch junge Menschen beteiligten sich: Die Konfirmandinnen der Lübecker Domgemeinde, Hilde und Maria, brachten Narzissen am Zaun der Synagoge an und setzten damit ein Zeichen gegen das Vergessen. „Für uns ist es wichtig, im Rahmen unseres Konfirmandenkurses hier zu sein, um die jüdische Geschichte besser zu verstehen“, sagen sie.
Bärbel Baum von der Neuapostolischen Kirche möchte mit ihrer Anwesenheit jüdisches Leben in Lübeck unterstützen und ihre ökumenische Verbundenheit zeigen. „Auch für mich ist es selbstverständlich, meine Solidarität mit dem jüdischen Volk zu bekunden“, ergänzt Chelen Jonas von der Pfarrei zu den Lübecker Märtyrern.

Chelen Jonas und Bärbel Baum bekunden ökumenische Unterstützung und Solidarität mit den jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern in Lübeck und weltweit. Fotos: Steffi Niemann
Text-Nummer: 178612 Autor: KKLL/red. vom 26.03.2026 um 13.09 Uhr
