Nach Tod des Gründers: Steht der Lübecker Küchengarten vor dem Aus?

Lübeck - St. Jürgen: Der Lübecker Küchengarten, seit fünf Jahren für biologisches Gemüse und Obst bekannt, hat seinen Gründer Michael Bahlrühs unerwartet nach schwerer Krankheit verloren. Der Gärtnermeister mit Lehrbefugnis verwirklichte seinen Traum von gesunder Nahrung auf 6000 Quadratmetern am Krummesser Baum.

Die 2020 entstandene Idee: Unter hochstämmigen Obstbäumen, genutzt vom Hanse-Obst e.V., eine Etage tiefer noch Gemüse und Kräuter anzubauen. Der Hanse-Obst-Küchengarten wurde zum innovativen Baustein im Netzwerk der Essbaren Stadt Lübeck. Es entstanden mit Fördergeldern unter anderem große und kleine Folientunnel, die zum Teil mittels eines sogenannten Biomeilers mit Wärme versorgt werden konnten.

Visionär Bahlrühs hatte jede Menge Einfälle, die er bald mit einem Dutzend ehrenamtlichen Helfern umsetzte. Um ihn scharten sich mehrere gelernte Gärtner und Naturbegeisterte. Sein basisdemokratischer Führungsstil mit regelmäßigen Sitzungen und seine hilfsbereite Art für jedermann führten dazu, dass zeitweise drei Mitbewohner vor Ort mithalfen. Der zunächst vereinseigene Küchengarten bekam bald eine eigenständige Rechtsform: die Lübecker Küchengarten gUG, der neben Bahlrühs zunächst ein zweiter Gärtnermeister vorstand. Diese gemeinnützige Unternehmensgesellschaft arbeitet bis heute ohne chemischen Pflanzenschutz, ohne künstliche Düngung und mit reiner Muskelkraft. Die 70 Zentimeter breiten Beete werden nie mit schweren Maschinen bewirtschaftet. Herzstück ist eine Doppelgrabegabel, eine sogenannte Grelinette, mit der der Boden jedes Jahr gelockert wird.

Das Entfernen unerwünschter Beikräuter erfolgt durch Hacken, meist stehend, manchmal auch auf den Knien. Selbst angezogen werden saatechte Pflanzen, darunter alte Gemüsesorten, meist Bingenheimer Saatgut nach Bio-Standards. Die naturbelassenen Beete sind umgeben von Schleswig-Holstein-Knicks. Dort singen bei der Arbeit noch Feldlerche oder Nachtigall, Eidechsen und Weinbergschnecken wohnen hier.

In diesem Naturidyll haben Kinder von Beginn an einen festen Platz: Pfadfinder, Kita- und Schulkinder besuchen den Küchengarten und lieben besonders die Hühner, die zum Projekt gehören. Etliche Schüler-Praktikanten und ein „Bufti“ vom Bundesfreiwilligendienst haben den stets gutgelaunten Gärtnermeister Bahlrühs kennengelernt. Alle werden ihn in guter Erinnerung behalten.

1957 in Grömitz geboren, hat Bahlrühs nach seiner Fachhochschulreife eine Gärtnerlehre absolviert und Jahre später mit viel Fleiß per Abendschule seinen Meister in Garten- und Landschaftsbau gemacht. Sein abwechslungsreicher Berufsweg führte über Stationen in Berlin, Travemünde, der Gemeinde Jersbek schließlich nach Lübeck. Meist als Gärtner, zwischendurch als Eisdielenbesitzer, Energiefachberater, Kraftfahrer für Sondertransporte, widmete sich Bahlrühs als Rentner seinem Lebenstraum vom gesunden Gemüse, nach einfachen Regeln vor der eigenen Haustür. Der visionäre und tatkräftige Pflanzenzüchter brauchte stets ein Team Gleichgesinnter um sich, Buchhaltung und Bürokratisches erledigten andere für ihn.

Zur Blütezeit des Küchengartens wurde Gärtner Bahlrühs unterstützt von der zuverlässigen Moni, der fleißigen Ulrike, der realistischen Doro, der kommunikativen Mahi und dem strukturierten Holger. Als sein Team bröckelte, geriet der Küchengarten in Schieflage. Die Pflanzenaufzucht ist ins Stocken geraten. Die Beete sind für die neue Saison kaum vorbereitet. Die Abo-Kisten müssen ausgesetzt werden. Wie wird es mit dem Vermächtnis des Ende März verstorbenen Gärtnermeisters weitergehen? Noch bestehen Hoffnung und der Wunsch, den Lübecker Küchengarten zu erhalten. Informationen beim Hanse-Obst e.V. unter Telefon 0176 278 40625.

Gärtnermeister Bahlrühs mit Schülerinnen im Lübecker Küchengarten. Foto: Hanse-Obst

Gärtnermeister Bahlrühs mit Schülerinnen im Lübecker Küchengarten. Foto: Hanse-Obst


Text-Nummer: 178705   Autor: Hanse-Obst/red.   vom 01.04.2026 um 16.59 Uhr

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