Tankstellen stellen sich auf Osterverkehr ein
Lübeck: Neue Höhen im Phantasiepreis des Tages. Um 12 Uhr am 4. April wurde an einer Lübecker Tankstelle ein Preis von 2,43 Euro für einen Liter Super E5 notiert. Alle anderen Zapfsäulen lagen aber auch bereits mit ihren Preisen über der Marke, etwa um 2,30 Euro pro Liter herum. Harald Denckmann berichtet weiter über die Lage an den Lübecker Zapfsäulen.
Die gewohnte Entspannung und Nivellierung gab es natürlich am Nachmittag, allerdings auf ungewohnt hohem Niveau, sodass die Preise am Ostersonntag bis 12 Uhr eben auch noch hoch sein werden. Gegenüber dem Spitzenwert des Tages hätte man am Samstag um 17 Uhr aber immerhin 14 Cent pro Liter eingespart.
Denn um 17 Uhr am Samstag haben wir den günstigsten Preis im Lübecker Raum mit 2,26 Euro pro Liter feststellen können, der teuerste Anbieter verlangte zu dem Zeitpunkt 2,29 pro Liter. Das ergibt also nur eine Differenz von 3 Cent pro Liter, für die es sich um 17 Uhr nicht gelohnt hätte, weite Wege innerhalb des Stadtgebietes zu fahren. Da verfährt man bei den Preisen mehr Benzin, als man durch den günstigeren Preis einspart.
Warten wir einmal ab, wie sich die Osterpreise weiterentwickeln. Die Rohstoffbörsen befinden sich in der Osterpause, der letzte Handelswert von der Wall Street lag bei etwa 108 US-Dollar pro Barrel. Vom Kartellamt hört man so gar nichts. Eigentlich sollten die Konzerne doch unrealistisch hohe Preise besonders begründen und Absprachen sollte es in diesem Zusammenhang gar nicht geben. Die sind auch gar nicht nötig. Genau wie wir sehen die Konzerne ja bei recht guter Markttransparenz, was die Kollegen so verlangen, und können bei Bedarf einfach anpassen. Dazu muss man nicht einmal telefonieren oder verräterische Emails herumschicken. Man kann einfach geräuschlos dem Verhalten des Wettbewerbers folgen.
Und auch dafür hat der Wirtschaftslateiner den passenden Ausdruck im Köcher. 'Oligopolistisches Parallelverhalten' nennt das der Fachmann und das ist in keiner Weise strafbar. Für uns ist das zwar teuer, aber es schärft auch den Sinn für Kreativität, wir lernen schließlich täglich etwas über Ökonomie dazu.

Um 12 Uhr am Samstag stieg der Preis für E5 auf bis zu 2,43 Euro pro Liter. Foto, Grafik: Harald Denckmann
Text-Nummer: 178742 Autor: Harald Denckmann vom 04.04.2026 um 18.47 Uhr

Kommentare zu diesem Text:
Misanthrop
schrieb am 07.04.2026 um 09.20 Uhr:
Wer glaubt eigentlich daran, dass wenn die Straße von Hormus wieder auf ist, sich die Benzinpreise wieder unter 2€ einpegeln werden?
Die Mineralölkonzerne sehen doch, wie brav der Deutsche weiterhin zur Zapfe fährt, etwas grummelt und auf den Staat schimpft. Die wären schön blöd, die Preise zu senken. Hat ja in der Gastronomie auch wunderbar funktioniert:
MwSt. während Corona gesenkt. Keine Weitergabe an die Kunden.
Nach Corona die MwSt. wieder angehoben. Alles wurde teurer.
MwSt. wurde erneut gesenkt und wieder wurde kein Preis reduziert.
Was in der Gastronomie funktioniert hat, funktioniert auch bei Benzin.
Diese Krise zeigt nur eins: die Politik ist machtlos bzw. hat keinerlei Interesse was dran zu ändern bei Konzernen. Ein Hoch auf den jahrzehntelangen Lobbyismus und die Parteien rechts der SPD, die diese (...) anfeuern. Wer braucht schon soziale Politik, solange wir Wachstum haben?
Wenn ich höre, dass Porsche einen Gewinneinbruch von 91% hat, machen die immer noch 9% mehr Gewinn als im Vorjahr. Die Einzigen, die darunter "leiden", sind die armen Aktionäre, die dann halt ne kleinere Dividende bekommen.
Nur mal so als Gedanke...