Ali Alam zur Vorderreihe: Stadt soll Gewerbe mit einbeziehen
Lübeck - Travemünde: Seit Anfang April ist die Vorderreihe ganzjährig Fußgängerzone (wir berichteten). Ali Alam fordert nun in einer Mitteilung, die dort ansässigen Geschäftsleute einzubeziehen. Dabei geht es ihm sowohl um die bisherige Sommer-/Winterregelung als auch um die neuen Regelungen für den Lieferverkehr. „Auf dem Papier klingt das ordentlich, in der Realität wirkt es eher wie eine Schnitzeljagd für Lieferanten“, so der Travemünder Kommunalpolitiker.Wir veröffentlichen die Mitteilung von Ali Alam im Wortlaut:
(„)
Die Vorderreihe soll jetzt wirklich komplett nur noch für Fußgänger sein. Aber was ist eigentlich mit den Travemündern? Warum fragt man nicht die Leute vor Ort, wie sie es haben möchten? Oder das Gewerbe in Travemünde, das doch das Herzstück der Vorderreihe ist? Man darf nicht vergessen, wie hoch die Mieten dort sind.
Die Betriebe zahlen enorme Summen und zusätzlich Gewerbesteuer. Das sind Einnahmen für die Stadt Lübeck. Und trotzdem wird das Gewerbe nicht angehört. Nicht einmal diese eine zusätzliche Stunde für den Lieferverkehr wird ihnen zugestanden.
Und dann kommt der beste Teil: für immer Fußgängerzone. Einfach so entschieden. Keine Winterregelung mehr, keine Flexibilität mehr. Einmal festgelegt und fertig. Als ob sich eine lebendige Straße das ganze Jahr über gleich verhält. Im Sommer ist es voll, klar. Aber im Winter? Da pfeift der Wind durch und man könnte gefühlt einen Strandkorb quer hinstellen. Aber egal, Hauptsache, alles ist einheitlich geregelt. lol
Was wäre diese Straße ohne das Gewerbe? Die Fußgänger sind nicht das, was diese Straße ausmacht. Es sind die Läden, die Gastronomie, das Leben. Ohne das Gewerbe bleibt am Ende nur eine große, leere Fläche. Das nennt man dann wohl Aufenthaltsqualität.
Warum entscheidet die Verwaltung in Lübeck über so ein Thema, ohne das Gewerbe direkt einzubeziehen? Warum setzt man sich nicht gemeinsam an einen Tisch und findet eine vernünftige Lösung? Als Travemünder kann ich das nicht nachvollziehen. Wir wollen doch alle ein gutes Miteinander. Aber so fühlt man sich einfach übergangen.
Es gab nicht einmal eine Bürgerentscheidung in Travemünde oder eine echte Einbindung des Gewerbes. Dabei wäre genau das doch eine Möglichkeit gewesen. Stattdessen wird alles komplizierter, alles teurer und alles schwieriger. Und dann kommt noch die Stadtverwaltung mit immer neuen Regeln dazu, bis es für das Gewerbe einfach nur noch anstrengend wird.
Lieferzeiten von 5 bis 10 Uhr morgens und dann wieder von 19 bis 22 Uhr abends. Als ob jedes Geschäft seine komplette Logistik so starr planen kann. Und die eine Stunde mehr, um die gebeten wurde? Wird nicht erlaubt, wegen Verkehrssicherheit. Gleichzeitig dürfen Taxis jederzeit reinfahren. Das soll dann weniger gefährlich sein.
Dann diese Ausweichlösungen … Hier eine Ladezone, dort ein eingeschränktes Halteverbot, irgendwo noch eine Ecke an der Kurgartenstraße. Die ist jetzt schon eng, wo sich Busse und Lastwagen begegnen. Auf dem Papier klingt das ordentlich, in der Realität wirkt es eher wie eine Schnitzeljagd für Lieferanten.
Es ist einfach schade, dass diese Kommunikation fehlt. Travemünde ist für die Menschen vor Ort da. Aber Lübeck wirkt oft so, als wäre Travemünde nur ein Stadtteil, den man verwaltet, nicht einer, bei dem man wirklich hinschaut, was gebraucht wird.
Man sollte sich einfach mal zusammensetzen. In der Vorderreihe, vielleicht bei einem Fischbrötchen, auch wenn das inzwischen schon ziemlich teuer geworden ist, und gemeinsam überlegen, wie man eine Lösung findet. Probleme löst man nur gemeinsam. (Das stimmt wirklich!)
Und mal ehrlich: Waren die Verantwortlichen aus der Stadtverwaltung überhaupt schon mal in Travemünde unterwegs? Haben sie sich die Promenade wirklich angeschaut? Selbst die Politessen beschweren sich über solche Entscheidungen, weil sie den ganzen Frust abbekommen und den Leuten keine vernünftigen Antworten geben können. Das zeigt doch deutlich, dass etwas nicht rund läuft.
Im Moment wirkt es so, als hätte man alles unnötig kompliziert gemacht, nur damit am Ende ein Regelwerk steht. Aber eine Straße lebt nicht von Regeln, sondern von den Menschen, die dort arbeiten und täglich alles am Laufen halten.
Travemünde ist für alle da. Auch für Lübeck. Auch wenn es sich manchmal anders anfühlt.
Ein einfacher Lösungsvorschlag ohne großes Theater: keine Entscheidung für die Ewigkeit treffen, wenn sich ständig alles verändert. Eine flexible Regelung einführen, im Sommer anders als im Winter. Realistische Lieferzeiten ermöglichen.
Und vor allem das Gespräch mit dem Gewerbe und den Menschen vor Ort suchen, bevor Entscheidungen getroffen werden. Lösungen erst testen, bevor man sie endgültig festlegt.
Denn am Ende lebt eine Straße von den Menschen. Und die sollte man vielleicht einfach mal fragen. Und das stimmt wirklich.
(„)

Die Vorderreihe ist jetzt ganzjährig Fußgängerzone. Ali Alam fordert von der Stadt mehr Kommunikation mit den Betroffenen. Foto: Archiv
Text-Nummer: 178759 Autor: Ali Alam/red. vom 07.04.2026 um 09.29 Uhr


