Lübeck erreicht mehr wohnungslose Frauen durch getrennte Hilfsangebote
Lübeck: Archiv - 09.04.2026, 14.31 Uhr: Wohnungslose Frauen müssen anders in den Blick genommen werden als Männer. „Wohnungslose Frauen leben oft unter dem Radar“, sagte Johanne Hannemann, Pastorin und Geschäftsführerin der Diakone Nord Nord Ost, am Rande des Agapemahls für wohnungslose Menschen in Lübeck. „Viele von ihnen haben traumatische Erfahrungen mit Gewalt und Ausbeutung. Deshalb leben sie seltener auf der Straße und meiden geschlechterübergreifende Angebote der Wohnungslosenhilfe, die sie als unsicher wahrnehmen.“„Stattdessen begeben sie sich in prekäre Wohnverhältnisse bei Freundinnen oder Bekannten, gehen Zweckbeziehungen ein oder kehren in gewaltvolle Lebensumstände zurück, um nicht obdachlos zu sein.“ Daher seien beispielsweise getrennte Hilfsangebote für Frauen und Familien sowie für Männer absolut notwendig.
Dass das funktioniert, zeigt sich am Beispiel Lübeck: Die Diakonie Nord Nord Ost hält dort im Auftrag der Hansestadt getrennte Notunterkünfte für Männer, Frauen und junge Erwachsene vor. Auch die entsprechenden Beratungsstellen sind geschlechterspezifisch aufgestellt. „So können wir besser auf die Bedürfnisse von Frauen und jüngeren Menschen eingehen und sie in einer Umgebung begleiten, in der sie sich sicher fühlen“, so Hannemann weiter. „Auf diese Weise ist es uns in den vergangenen Jahren gelungen, immer mehr von Wohnungslosigkeit betroffene Frauen mit unseren Angeboten zu erreichen.“
Die Zahl der Betroffenen steigt stetig. Im vergangenen Jahr haben in Schleswig-Holstein gut 3000 Frauen die Angebote der diakonischen Wohnungslosenhilfe in Anspruch genommen. Insgesamt waren in der Nacht vom 31. Januar zum 1. Februar 2025 in Schleswig-Holstein rund 29.000 Menschen in einer Notunterkunft untergebracht, 1000 mehr als im Vorjahr. Die Diakonie geht davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Betroffenen aber wesentlich höher liegt.
Zum Agapemahl hatte die Diakonie Nord Nord Ost gemeinsam mit der Diakonie Schleswig-Holstein in die Zentrale Beratungsstelle in Lübeck eingeladen. Rund 50 wohnungslose Gäste waren dieser Einladung gefolgt. „Das war einmal mehr eine sehr besondere Veranstaltung mit gutem Essen und – trotz aller Schwere – fröhlicher Atmosphäre. Herzlichen Dank an alle, die das möglich gemacht haben“, sagte Hannemann.

Im Sophie-Kunert-Haus der Diakonie Nord Nord Ost finden wohnungslose Frauen ab 25 Jahren eine sichere Notunterkunft und Unterstützung. Foto: Diakonie
Text-Nummer: 178814 Autor: Diakonie/red. vom 09.04.2026 um 14.31 Uhr
