Benzinpreise geben ganz langsam nach

Lübeck: Archiv: Seit Beginn des Krieges gegen den Iran beobachtet Harald Denckmann die Auswirkungen auf die Tankstellen in Lübeck. Der verkündete Waffenstillstand hat zu leicht sinkenden Preisen geführt.

Es geht tatsächlich. Nach langen Tagen stetigen Wachstums bewegen sich die Benzinpreise langsam, wie vorhergesagt, einmal wieder nach unten. Oftmals wird der Vergleich mit 'raketenhaft nach oben – federleicht nach unten' gezogen und diese Beschreibung erweist sich als anschaulich und richtig.



Am 9. März um 12.20 Uhr nach vollständiger Preisübermittlung an die Apps konnte in Lübeck ein Spitzenwert von 2,33 Euro pro Liter Super E 5 festgestellt werden. Die günstigsten Zapfsäulen verlangten zu dem Zeitpunkt satte 15 Cent pro Liter weniger, nämlich 2,18 Euro pro Liter. Das hat sich nach Einführung der neuen Regeln eigentlich jeden Tag so gezeigt, mittags zwischen 12 und 13 Uhr hat sich als der ungünstigste Zeitpunkt des Tages zum Tanken erwiesen. Insgesamt ist das Preisniveau immer noch hoch.

Bewegung in die Preise ist durch die Ankündigung eines Waffenstillstandes im Iran Konflikt gekommen. Erstaunlicherweise gilt am Rohölmarkt der Vergleich mit der Feder bei fallenden Preisen nicht. Der Rohölpreis für 'Brent' schoss raketenartig von etwa 110 US-Dollar auf 90 US-Dollar pro Barrel herunter. Ganz langsam scheinen die Benzinpreise bei uns zu folgen. Der Durchschnittspreis für Benzin ist nach unseren Beobachtungen tatsächlich um etwa 7 Cent pro Liter gesunken. Nach den ersten Ankündigungen sollte die Straße von Hormus längst offen sein. Ist sie aber nicht. Das Schauspiel ist so erbärmlich wie peinlich. Trotz zahlloser Opfer erklären alle Seiten erst einmal, sie hätten einen grandiosen Sieg errungen. Dann beginnen alle Seiten damit, das vermeintliche Abkommen in die ihnen genehme Richtung zu interpretieren, sodass die Welt langsam nicht mehr weiß, was eigentlich genau vereinbart worden ist.

Deshalb stecken die Tanker immer noch im Golf fest und die Realisten an der Rohstoffbörse zahlen mittlerweile schon wieder etwa 100 US-Dollar für ein Barrel der Sorte 'Brent', weil sie mit warmer Luft nicht handeln können.

Verfolgen wir also die Preise erst einmal weiter und warten ab, was die Sieger auf allen Seiten sich so ausdenken. Vielleicht macht unsere Regierung ja auch noch etwas. Das gab es zu Beginn des Ukrainekonfliktes auch schon einmal, und daran haben seinerzeit die Mineralölkonzerne glänzend verdient.



Um 14 Uhr am 9. April ergibt sich an den Lübecker Tankstellen ein etwas realistischeres Bild als genau um 12 Uhr. Der Spitzenpreis ist auf 2,26 Euro gesunken und das günstigste Benzin bekommt man jetzt für 2,17 Euro, immerhin 1 Cent billiger. Diesel ist mit Preisen um 2,40 Euro deutlich teurer, E10 etwa 6 bis 8 Cent pro Liter günstiger. Dadurch sinkt natürlich auch der Durchschnitt. Der lag für die Lübecker Zapfsäulen um 14 Uhr bei 2,21 Euro pro Liter Super E5, den wir als Demonstrationswert beobachten.
Die Benzinpreise sind leicht rückläufig. Foto, Grafiken: Harald Denckmann
Die Benzinpreise sind leicht rückläufig. Foto, Grafiken: Harald Denckmann

Text-Nummer: 178825    Autor: Harald Denckmann    vom 9.4.2026 14.53 Uhr

Kommentare zu diesem Text (3):

Gustav Rudolf Üne

schrieb am 9.4.2026 16.06 Uhr:
"Verfolgen wir also die Preise erst einmal weiter und warten ab, was die Sieger auf allen Seiten sich so ausdenken. Vielleicht macht unsere Regierung ja auch noch etwas. Das gab es zu Beginn des Ukrainekonfliktes auch schon einmal, und daran haben seinerzeit die Mineralölkonzerne glänzend verdient."

Wieso immer dieses Verlangen nach Senkung der Steuer? Bringt doch rein garnichts. Österreich hat zum 01.04.2026 die Literpreise um 10 Cent je Liter gesenkt. Die Preise sind mittlerweile fast genauso hoch wie bei uns. Trotz Deckelung durch den Staat. Das läuft also so gar nicht.

Aber immer schön Stimmung gegen die (aktuell eh sehr unfähige) Politik machen. Bloß nicht in Richtung der Konzerne schießen... Der Kapitalismus funktioniert nicht so. Der lässt sich dank der Lobbyarbeit schon lange nichts mehr vom Staat sagen. Ein Dank hierfür an alle Parteien rechts der Linken und der Grünen, die über Jahrzehnte lieber Politik für Firmen als für die Menschen gemacht haben. Gab es doch zum Ende der Politiklaufbahn dann einen gemütlichen Aufsichtsratposten als Dankeschön.
Selbst die Griechen sagen, dass Lobbyismus nur ein anderes Wort für Korruption ist.

Und eine gewisse Alternative Partei wird genauso Lobbyarbeit machen. Mein Tipp: einfach mal ChatGPT fragen, ob es sich lohnt, Partei A oder B zu wählen. Ein paar Eckdaten angeben (Miete oder Haus, Art des Einkommens - das reicht schon) und das Programm wirft einem eine sehr neutrale Analyse aus, die sagt, ob man von der jeweiligen Politik einer Partei profitiert oder halt nicht. (...)

Und glaubt eigentlich überhaupt noch jemand daran, dass die Preise jemals wieder unter die 2,-€ pro Liter fallen?

Die Mineralölkonzerne sehen doch, wie brav der Deutsche weiterhin zur Zapfe fährt, etwas grummelt und auf den Staat schimpft. Die wären schön blöd, die Preise zu sehr zu senken. Hat ja in der Gastronomie auch wunderbar funktioniert:
MwSt. während Corona gesenkt. Keine Weitergabe an die Kunden.
Nach Corona die MwSt. wieder angehoben. Alles wurde teurer.
MwSt. wurde erneut gesenkt und wieder wurde kein Preis reduziert.
Was in der Gastronomie funktioniert hat, funktioniert auch bei Benzin.

Nun macht sich die Lobbyarbeitder letzten Jahre für die Mineralölkonzerne bezahlt. Die Autoindustrie ist, was E-Mobilität betrifft, nur noch ein zurückgelassenes Kind ohne Chance auf Zukunft. Erneuerbare Energien sind ebenfalls verpöhnt.

Ist auch gar nicht zufällig, dass die Förderer von Fossilen Energien (Öl, Gas und Atom) rein zufällig in den Aufsichtsräten diverser Großverlage sitzen. So kann man ganz wunderbar die WELTanschauung und die BILDung durch aktuelle NUIS-richten lenken und manipulieren. Und der einfache "Wut"bürger glaubt das brav.

Innovation bedeutet Fortschritt. Und nur wer fortschreitet, entwickelt sich weiter. Wer sich dem verschließt, bleibt stehen und wird schlußendlich abgehängt.
Siehe die Autoindustrie.

Bin gespannt, ob dieser sehr sachliche Beitrag überhaupt veröffentlicht wird.

Justin_Time

schrieb am 9.4.2026 16.57 Uhr:
Werden die Steuern gesenkt, wird wieder mehr gefahren, was die Nachfrage und somit die Preise wieder steigen lässt. Das wäre der Effekt, weil die Preise global an der Börse gehandelt werden.

Die Preise werden hoch bleiben, da muss man sich mit abfinden.

Jammerlappen

schrieb am 9.4.2026 18.59 Uhr:
Hohe Benzin- und Dieselpreise sind ärgerlich, keine Frage. Dennoch empfinde ich dieses Gejammere und das polemisieren nicht nur unerträglich, sondern vor allem peinlich.

Da gibt es die einen, die noch vor kurzem behauptet haben, Gas und Öl wären die sicheren Energieträger der Zukunft und jede Nutzung alternative Energiequellen sei nicht nur überflüssig, sondern sogar unverantwortlich. Die heulen nun besonders laut und fordern Steuersenkungen und Preisregulierungen.

Erstaunlich – aber eigentlich nicht gerade verwunderlich – ist, dass besonders diejenigen, die sonst immer gegen jegliche Einmischung des Staates in irgendwelche vermeintlichen Freiheiten sind, hier besonders laut ein Eingreifen des Staates fordern.

Auch die, die unserer Regierung zum Vorwurf gemacht haben, sie würde nicht in Länder wie das vermeintlich vorbildliche Österreich schauen, jammern nun, weil die Preise plötzlich der politischen Vorgabe folgend zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt ihren Höchststand erreichen. Naja, irgendwas ist immer.

Ebenso wie diejenigen, die sowieso keine Gelegenheit auslassen, den Staat zu verteufeln und auch vor (verbalen) Tiefschlägen gegen Politiker und Andersdenkende nicht zurückschrecken. Je nach politischem Lager sind nun wieder einmal die anderen Schuld. Wahlweise, die CDU, Herr Merz, die EU, die Landesregierung, die „Altparteien“, irgendwelche Lobbyisten – was auch immer den eigenen Ideologien nahe kommt.

Nebenbei gibt es Trittbrettfahrer, die meinen man könne das tausend mal totgetretene Thema Tempolimit noch mal wieder aufs Tablett bringen. Als wenn dadurch der Kraftstoff plötzlich billiger würde.

Ja, es ist ärgerlich. Sehr ärgerlich. 40 Cent pro Liter sind 20 € pro Tankfüllung. Aber mal ganz Ehrlich: Eben nur 20 € (Bevor ich jetzt irgendwelche Hasskommentare abbekomme: Auch für mich sind 20 € sehr viel Geld, aber davon geht nicht gleich die Welt unter und einen Teil davon kann ich durch mein eigenes Verhalten kompensieren). Wer von all denen, die hier in den letzten Wochen böse oder fiese Kommentare geschrieben haben, tankt tatsächlich jede Woche oder wenigstens zwei Mal im Monat? Ihr habt jetzt genug gehetzt und gehatet. Wenn diese ganze geopolitische Eskalation unseren Frieden, unsere Existenz und unseren Wohlstand zerstört, könnt Ihr wieder die alten Feindbilder raukramen und gegen die CDU, Herrn Merz, die EU, die Landesregierung, die „Altparteien“ oder irgendwelche Lobbyisten austeilen. Aber bis dahin lasst es doch mal gut sein, sonst wird dieses Niveaulose Rumgehacke noch zur Gewohnheit.